Brustkrebs: KI identifiziert zwei neue Angriffspunkte gegen Resistenzen
06.06.2026 - 08:31:33 | boerse-global.de
Weltweit arbeiten Forscher an neuen Ansätzen, um Therapieresistenzen zu überwinden und unnötige Behandlungen zu vermeiden.
Virtuelle Patienten für unbegrenzte Tests
Das von der Universität Oslo koordinierte Projekt RESCUER setzt auf digitale Zwillinge. Millionen von Datenpunkten – genetische, epigenetische, metabolische und immunologische Informationen – fließen in virtuelle Abbilder von Patienten. Machine-Learning-Algorithmen simulieren damit Resistenzmuster bei verschiedenen Brustkrebsarten.
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Ziel ist die Identifizierung personalisierter Behandlungspfade. Ohne dass Patienten vorab unwirksame Therapien durchmachen müssen, ermöglichen die digitalen Zwillinge eine nahezu unbegrenzte Anzahl virtueller Studien. Das Projekt förderte 20 Nachwuchswissenschaftler in zwölf Ländern.
KI findet neue Angriffspunkte
Das deutsche Projekt „TriNova“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf konzentriert sich auf das triple-negative Mammakarzinom (TNBC) – eine besonders aggressive Form. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Arbeit mit 1,59 Millionen Euro über 36 Monate. Die Forscher identifizierten mit KI zwei neue molekulare Zielstrukturen in Tumorstammzellen, die für Therapieresistenzen verantwortlich sein sollen.
Parallel entwickeln das Technologieunternehmen Reply und das Europäische Institut für Onkologie (IEO) spezialisierte Sprachmodelle. Diese domänenspezifischen Large Language Models (LLMs) sollen Mediziner von der Diagnostik bis zur Therapieplanung unterstützen – in Brustonkologie, Uroonkologie und Krebsprävention.
Gentests ersparen Chemotherapie
Die internationale Optima-Studie liefert konkrete Ergebnisse für den Klinikalltag. Auf einer Fachkonferenz in Chicago im Juni 2026 präsentierten Forscher Daten, wonach Gentests wie der Prosigna-Test den Einsatz von Chemotherapien deutlich reduzieren könnten. Bei Patientinnen mit hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Brustkrebs verzichteten etwa zwei Drittel ab 40 Jahren sicher auf eine Chemotherapie – ohne signifikante Unterschiede bei den Fünf-Jahres-Überlebensraten.
Auch die Grundlagenforschung macht Fortschritte. Wissenschaftler des King's College London und des University College London analysierten 331 Proben und entdeckten Veränderungen im sogenannten Fibroblast Reticular Cell (FRC)-Netzwerk. Diese treten bereits vor einer sichtbaren Krebsausbreitung auf. Die im Journal of Pathology veröffentlichte Studie könnte künftig präzisere Prognosen ermöglichen.
Bereits im Februar 2026 wies eine Studie der Penn State University in Nature Communications auf die Rolle des Gens EXO1 hin. Eine Überexpression in bis zu 30 Prozent der Brustkrebserkrankungen erzeuge Schäden, die Tumoren besonders empfindlich für bestimmte Wirkstoffe wie Olaparib machen könnten.
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Datenzugang und Langzeitrisiken
Die Nutzung medizinischer Daten bleibt ein zentrales Thema. Der Fachverband ZVEI forderte Anfang Juni 2026 Anpassungen im Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GeDIG). Die Industrie benötigt leichteren Zugriff auf pseudonymisierte Behandlungsdaten. Hintergrund: Diagnostik und Therapie orientierten sich noch stark an männlichen Standards, was die Forschung zur Frauengesundheit behindere.
Neue Daten zur Patientensicherheit bei Langzeitfolgen liegen ebenfalls vor. Die spanische Arzneimittelbehörde Aemps dokumentierte bis 2025 insgesamt 111 bestätigte Fälle eines seltenen Lymphoms (BIA-ALCL) im Zusammenhang mit Brustimplantaten. Seit 2012 wurden 146 Verdachtsfälle gemeldet. Die genauen Ursachen für diesen multifaktoriellen Mechanismus bleiben Gegenstand klinischer Untersuchungen.
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