Brustkrebs: GLP-1-Präparate senken Risiko um 30 bis 35 Prozent
12.06.2026 - 20:23:25 | boerse-global.de
Gleich mehrere Studien aus der ersten Jahreshälfte 2026 deuten auf einen signifikanten Einfluss auf Krebserkrankungen hin – besonders bei Brustkrebs.
Deutlich niedrigeres Risiko bei übergewichtigen Frauen
Eine Untersuchung der University of Pennsylvania, veröffentlicht im Juni in JCO Oncology Practice, liefert beeindruckende Zahlen. Die Forscher werteten Daten von 111.646 Frauen zwischen 45 und 80 Jahren mit einem BMI über 25 aus.
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Das Ergebnis: Frauen, denen GLP-1-Präparate verschrieben wurden, erkrankten 30,5 bis 35,1 Prozent seltener an Brustkrebs. In der Kontrollgruppe lag die Diagnoserate bei 2,5 Prozent, in der GLP-1-Gruppe nur bei 2 Prozent. Dr. Elizabeth McDonald von Penn Medicine mahnt jedoch zur Vorsicht – es handle sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen kausalen Nachweis liefere.
Weniger Metastasen, niedrigere Sterblichkeit
Noch weiter gehen Daten, die im Juni auf dem ASCO-Kongress in Chicago präsentiert wurden. Eine Analyse von über 12.000 Krebspatienten zeigte, dass GLP-1-Agonisten das Risiko für Metastasen bei Brust-, Leber-, Darm- und Lungenkrebs um 38 bis 50 Prozent senken könnten.
Rund 90 Prozent der Patientinnen mit Lungen- oder Brustkrebs blieben unter der Therapie metastasenfrei. Die Sterblichkeit lag über sieben untersuchte Krebsarten hinweg um 33 Prozent niedriger. Bei Brustkrebs sank das Sterberisiko sogar um 45 Prozent. Eine weitere Studie der VCU in JAMA Network Open vom Mai 2026 bestätigt den Trend: Brustkrebspatientinnen unter GLP-1 hatten eine höhere Zehn-Jahres-Überlebensrate.
Breite Wirkung auf adipositasassoziierte Krebsarten
Die Effekte beschränken sich nicht auf Brustkrebs. Eine internationale Studie mit rund 161.000 adipösen Patienten ohne Diabetes zeigte: Unter GLP-1-Präparaten sank das Risiko für insgesamt 13 adipositasassoziierte Krebsarten um 41 Prozent – im Vergleich zu Diät oder Bewegung.
Besonders stark fiel die Reduktion bei folgenden Tumorarten aus:
- Multiples Myelom: minus 63 Prozent
- Bauchspeicheldrüsenkrebs: minus 60 Prozent
- Endometriumkrebs: minus 60 Prozent
Allerdings variieren die Ergebnisse je nach Wirkstoff erheblich. Während Semaglutid eine Risikoreduktion von 20 Prozent zeigte, lag Tirzepatid bei beeindruckenden 69 Prozent. Dr. Judith Bray von der Canadian Cancer Society bezeichnet die Entwicklungen als „potenziell transformativ".
Vorsicht bei der Interpretation geboten
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Trotz der vielversprechenden Zahlen warnen Fachleute vor übereilten Schlüssen. Es handelt sich überwiegend um Beobachtungsstudien, die keine endgültigen Rückschlüsse auf die biologischen Ursachen zulassen. Unklar ist bislang, ob die Effekte primär durch den Gewichtsverlust oder durch direkte Wirkmechanismen der GLP-1-Rezeptoren entstehen.
Zudem zeigten sich Unterschiede in bestimmten Bevölkerungsgruppen: In der Subgruppe der schwarzen Bevölkerung konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen GLP-1-Einnahme und geringerer Krebsinzidenz festgestellt werden.
Professor Marcin Chwistek vom Fox Chase Cancer Center fordert deshalb randomisierte klinische Studien. Diese sind bereits in Planung, unter anderem an der University of Pennsylvania – doch die vollständige Finanzierung steht noch aus. Fachleute rechnen mit fünf bis zehn Jahren, bis die Erkenntnisse die klinische Praxis verändern könnten. Eine pauschale Anwendung zur Krebsbehandlung ohne entsprechende Indikation wie Adipositas oder Diabetes wird derzeit nicht empfohlen.
