Brustkrebs, Früher

Brustkrebs: Früher ESR1-Test kann die Erstlinientherapie länger wirksam halten

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien berichten längeres progressionsfreies Überleben mit SERD-Therapien bei ESR1-mutiertem Brustkrebs; Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht ausgereift.

Brustkrebs: ESR1-Testung und SERD-Therapien zeigen PFS-Vorteile
Ein medizinisches Labor mit hochpräzisen Analysegeräten und einer Zentrifugenröhre auf einer sauberen, weißen Oberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Fachberichte thematisieren neue Strategien in der Behandlung des fortgeschrittenen HR+/HER2?-Mammakarzinoms. Demnach lässt sich unter Camizestrant bereits während der endokrin-basierten Erstlinientherapie zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) auf ESR1-Mutationen überwachen.

Wird eine solche Mutation frühzeitig nachgewiesen, ermöglicht der Wechsel auf einen selektiven Östrogenrezeptor-Degrader (SERD) eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS) in der Erstlinie.

Frühe molekulare Dynamik und klinische Abwägung

Die klinische Relevanz einer frühen Mutationserkennung verdeutlichte Krebsspezialist Neil Iyengar anhand des Falls einer 52-jährigen Patientin mit metastasiertem, auf das Skelett begrenztem HR+/HER2?-Brustkrebs. Nach einer zwölfmonatigen Erstlinienbehandlung mit Ribociclib und Letrozol zeigte die Bildgebung einen stabilen Befund.

Zugleich traten jedoch leichte Knochenschmerzen auf, und in der ctDNA-Analyse ließ sich eine neu aufgetretene ESR1-Y537S-Mutation nachweisen. Der Fall warf die Frage auf, ob bei einem solchen molekularen Signal unmittelbar therapeutisch interveniert oder der klinische Verlauf zunächst abgewartet werden sollte.

Für Patientinnen mit nachgewiesener Resistenzmutation stehen bereits zugelassene Optionen bereit. Elacestrant verfügt über eine Zulassung bei ESR1-mutiertem, fortgeschrittenem ER+/HER2?-Brustkrebs. In der Phase-III-Studie EMERALD, die 478 Patientinnen nach ein bis zwei vorangegangenen endokrinen Therapielinien einschloss, umfasste die Subgruppe 228 Fälle mit ESR1-Mutation.

In dieser Gruppe lag das mediane progressionsfreie Überleben unter Elacestrant bei 3,8 Monaten gegenüber 1,9 Monaten unter der Standardtherapie, was einer Reduktion des Progressions- oder Sterberisikos um 45 % entsprach.

In der Gesamtpopulation betrug das mediane PFS 2,8 versus 1,9 Monate. Fachberichte empfehlen vor diesem Hintergrund eine ctDNA-Testung nach einer Progression unter endokriner Therapie.

Kombinationstherapien in späteren Therapielinien

Weitere Einblicke liefert die offene, von Genentech beziehungsweise Roche finanzierte Phase-III-Studie evERA. Untersucht wurde die Kombination aus dem oralen SERD Giredestrant (30 mg/Tag) und Everolimus (10 mg/Tag) im Vergleich zu einer ärztlich gewählten endokrinen Therapie plus Everolimus.

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Ein stabiles Bild in der Bildgebung heißt nicht, dass die endokrine Erstlinie noch trägt: Eine neu auftretende ESR1-Mutation in der ctDNA kann dem radiologischen Progress vorausgehen. Wer früh testet, kann den Wechsel auf einen SERD planen, statt auf den Bildgebungsbefund zu warten. Kostenlosen Praxisleitfaden zur ESR1-Testung anfordern

An 133 Zentren in 13 Ländern nahmen 373 Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem ER+/HER2?-Brustkrebs teil, deren Erkrankung nach einer Vorbehandlung mit CDK4/6-Inhibitoren und Endokrintherapie fortgeschritten war.

Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 18,6 Monaten erreichte die Kombination in der Gruppe mit 207 ESR1-mutierten Tumoren ein medianes PFS von 10,0 Monaten gegenüber 5,5 Monaten im Vergleichsarm (Hazard Ratio 0,38; 95%-Konfidenzintervall 0,27–0,54; p<0,001).

Das Risiko für eine Progression oder den Tod verringerte sich bei vorliegender ESR1-Mutation um 63 %. In der Gesamtpopulation belief sich das mediane PFS auf 8,8 versus 5,5 Monate (HR 0,56; 95%-KI 0,44–0,71; p<0,001).

Bei messbarer Erkrankung lag die Ansprechrate bei 23,8 % gegenüber 11,7 %, während die Ansprechdauer 12,7 Monate gegenüber 7,7 Monaten betrug. Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht ausgereift; die vorläufige Hazard Ratio für das Sterberisiko betrug 0,62 bei ESR1-Mutation und 0,69 in der Gesamtkohorte.

Ein statistisch gesicherter Gesamtüberlebensvorteil wurde in dieser Auswertung nicht berichtet. Unerwünschte Ereignisse jeglichen Grades traten bei 98,9 % unter Giredestrant-Kombination und bei 96,8 % im Kontrollarm auf, schwerwiegende Nebenwirkungen bei 29,1 % versus 23,1 %.

Zu einem Abbruch von Everolimus infolge von Nebenwirkungen kam es bei 17,0 % beziehungsweise 11,8 % der Behandelten. Das Nebenwirkungsprofil wurde im Studienbericht als handhabbar eingestuft.

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Langzeitdaten aus der Versorgungsrealität

Den Rahmen für die therapeutischen Herausforderungen bildet auch das Rezidivrisiko im früheren Krankheitsstadium. Eine deutsche Registerauswertung von 43.214 Personen mit frühem HR+/HER2?-Brustkrebs (Diagnosezeitraum 2017 bis 2021 aus acht Krebsregistern) ergab nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 47 Monaten eine invasive krankheitsfreie Überlebensrate von 82,9 % nach fünf Jahren. Bei 5.635 Patientinnen trat ein Ereignis auf; in 38 % dieser Fälle stellte ein Rückfall des Mammakarzinoms das erste dokumentierte Ereignis dar.

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