Brustkrebs bei Männern: Jährlich 700 Fälle, aber kein Früherkennungsprogramm
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Brustkrebs gilt in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend als reine Frauenkrankheit. Zwar sind Frauen mit Abstand am häufigsten betroffen, doch die Erkrankung tritt auch bei Männern auf.
Im internationalen Brustkrebsmonat Oktober 2026 rückt die Versorgungssituation verstärkt in den Fokus medizinischer Fachverbände. Während für Frauen strukturierte Screening-Programme existieren, fehlt ein solches flächendeckendes Angebot für Männer, was die Sensibilisierung für frühe Symptome umso wichtiger macht.
Fallzahlen und fehlende Vorsorgeprogramme
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) erkranken in Deutschland jährlich etwa 700 Männer neu an Brustkrebs. Ein reguläres Früherkennungsprogramm für Männer besteht im Gesundheitssystem nicht.
Zum Vergleich: Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden im Jahr 2023 in Deutschland mehr als 75.000 Neuerkrankungen bei Frauen registriert; rein statistisch ist etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens betroffen.
Auch in den Nachbarländern zeigt sich ein ähnliches Bild bezüglich des Anteils männlicher Patienten. Angaben des Bundesamts für Statistik zufolge erkranken in der Schweiz jährlich rund 50 Männer an Brustkrebs. Dies entspricht etwa 1 % aller dortigen Brustkrebsdiagnosen.
Typische Warnzeichen und therapeutische Wege
Da Männer nicht routinemäßig zur Mammografie eingeladen werden, kommt der ärztlichen Abklärung erster körperlicher Veränderungen eine zentrale Rolle zu. Zu den wesentlichen Warnzeichen zählen neu aufgetretene Knoten im Bereich der Brust oder der Achselhöhle.
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Ebenso sollten Veränderungen an der Haut oder den Brustwarzen, ein spontaner klarer oder blutiger Ausfluss sowie anhaltende Schmerzen an einer bestimmten Stelle zeitnah untersucht werden.
Berichte weisen zudem auf bestehende demografische Unterschiede hin: Studien zufolge erkranken schwarze Männer statistisch häufiger an Brustkrebs und erhalten ihre Diagnose oft in fortgeschritteneren Stadien als weiße Männer.
Dass Therapien bei rechtzeitiger Erkennung erfolgreich sein können, veranschaulichen publizierte Behandlungsverläufe. So erhielt der US-Amerikaner Robert Pfleghardt im Jahr 2021 im Alter von 62 Jahren eine Diagnose, bei der der Tumor bereits einen Lymphknoten befallen hatte.
Nach einer brusterhaltenden Tumorentfernung am 21. Januar 2022 folgten 29 Bestrahlungen sowie eine medikamentöse Therapie zur Senkung des Rückfallrisikos; fünf Jahre nach der Erstdiagnose gilt er als geheilt.
Debatte über Versorgungsqualität und Leitlinien
Am 4. Oktober 2026 forderten die DGGG und die DGS verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine dauerhaft qualitätsgesicherte Versorgung in der Früherkennung und Behandlung. Vor dem Hintergrund des geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes lehnen beide Fachgesellschaften eine mögliche Budgetierung des Mammographie-Screenings ausdrücklich ab.
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Neben gesicherten finanziellen Rahmenbedingungen für Diagnoseverfahren setzen medizinische Leitlinien zunehmend auf zielgerichtete Eingriffe: So empfiehlt die aktualisierte S3-Leitlinie bei bestimmten Patientinnengruppen eine operative Deeskalation, um auf zusätzliche Eingriffe zu verzichten, sofern diese keinen nachgewiesenen Nutzen für die Betroffenen erbringen.
