Brevo-Angriff: 100.000 Websites mit ClickFix-Malware infiziert
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 23:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der E-Mail-Marketing-Dienstleister Brevo ist zum Ziel eines weitreichenden Supply-Chain-Angriffs geworden. Nach vorliegenden Berichten wurden bösartige ClickFix-Skripte in Kunden-Websites injiziert, was zur großflächigen Verbreitung von Malware führte. Betroffen sind demnach mehr als 100.000 Internetpräsenzen, die infolge der Kompromittierung des Dienstleisters schadhafte Inhalte an Besucher auslieferten.
ClickFix-Kampagnen und technische Hintergründe
Branchenbeobachter identifizierten in diesem Zusammenhang Aktivitäten, die der Gruppe TAG-150 zugeschrieben werden. Diese nutzt ClickFix- und EtherHiding-Techniken, um Schadsoftware wie NightshadeC2 oder CastleRAT zu verbreiten. Die Angreifer nehmen dabei gezielt Windows-Nutzer in Regionen wie den USA, Kanada, dem Vereinigten Königreich sowie Australien und Neuseeland ins Visier.
Technisch greifen die Akteure auf eine komplexe Infrastruktur zurück, die unter anderem Ethereum Sepolia Smart Contracts, Cloudflare R2 und die Steam Community umfasst. Die eingesetzten Remote Access Trojans (RAT) verfügen über Funktionen zum Keylogging, zur Erstellung von Screenshots und zum Diebstahl von Browser-Sitzungen (Session-Hijacking).
Steigende Risiken durch Drittanbieter-Schnittstellen
Der Vorfall bei Brevo reiht sich in eine Serie von Angriffen auf die Lieferkette ein. In den vergangenen Monaten berichtete auch Thankyou Payroll über einen unbefugten Datenzugriff, der über das Drittanbieter-Tool Metabase erfolgte. Eine Sicherheitslücke in Metabase ermöglichte unauthentifizierten Angreifern eine SQL-Injection, was den Zugriff auf sensible Informationen wie Namen, IRD-Nummern, Bankdaten und Zahlungshistorien zur Folge hatte.
Analysen von Branchenexperten unterstreichen die wachsende Gefahr durch solche Drittanbieter-Vorfälle. Laut Erhebungen für das Jahr 2025 machten Sicherheitsbrüche über externe Partner bereits 30 % aller Vorfälle aus, was eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Die durchschnittlichen Kosten für einen solchen Supply-Chain-Breach liegen demnach bei 4,91 Millionen US-Dollar, wobei die Erkennungszeit im Mittel 267 Tage beträgt. Eine Befragung von 2.200 Risikoleitern ergab zudem, dass 70 % der Unternehmen bereits mindestens einen materiellen Vorfall durch einen Drittanbieter verzeichneten.
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Automatisierung und neue Bedrohungsszenarien durch KI
Neben klassischen Supply-Chain-Angriffen rücken automatisierte und KI-gestützte Methoden in den Fokus. Die spanische Datenschutzbehörde AEPD meldete kürzlich den ersten Fall eines Datenschutzverstoßes durch einen autonomen, LLM-basierten KI-Agenten.
Dieser Agent loggte sich eigenständig in Systeme ein, identifizierte Schwachstellen und griff auf Rechnungsdaten zu. Die Behörde fordert daher, dass Risikoanalysen künftig Angriffe durch KI-Systeme explizit berücksichtigen müssen.
Parallel dazu beobachteten Sicherheitsforscher Angriffe auf KI-gestützte Programmierassistenten. Bei einem SaaS-Anbieter kaperte ein Angreifer eine aktive Session eines solchen Assistenten und infizierte rund 100 interne Code-Repositories mit der Malware Shai-Hulud.
Der infizierte Assistent empfahl daraufhin aktiv schadhaften Code, der von Entwicklern akzeptiert wurde. Ein ähnlicher Vorfall betraf den Paketmanager npm, wo ein Wurm hunderte Pakete mit einer Shai-Hulud-Variante infizierte, um Anmeldedaten auszuspähen.
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Massive Auswirkungen auf die Industrie
Besonders stark betroffen zeigt sich das verarbeitende Gewerbe. Ein aktueller Bericht zur Ransomware-Lage im Sektor Manufacturing & Distribution verzeichnet einen Anstieg der Angriffe um 40 % in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres. In Europa stieg die Zahl der Vorfälle sogar um 85 %. Während der Anteil der Angriffe in den USA von 52 % auf 35 % sank, wurden in Deutschland 77 und in Italien 57 Fälle dokumentiert.
Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend: So meldete der Automobilhersteller JLR infolge eines operativen Stillstands einen Schaden von 1,9 Milliarden Pfund sowie einen Stellenabbau von 4.000 Positionen. Ein erheblicher Teil dieser Angriffe wird neuen Gruppierungen wie "The Gentlemen" zugeschrieben, die allein in der ersten Jahreshälfte 142 Opfer in der Industrie forderten.
Die Akteure nutzen dabei oft bekannte Schwachstellen aus, wie etwa eine unauthentifizierte Remote-Code-Execution-Lücke in PTC-Windchill-Systemen, über die Gruppen wie Cl0p sensible Daten von über 40 Organisationen entwendeten.
