Brazzein, Eiscreme

Brazzein in Eiscreme: Studie zeigt halbierten Blutzuckeranstieg

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 14:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei 101 Erwachsenen mit MASLD fiel der Glukoseanstieg nach brazzeinhaltigem Eis etwa halb so hoch aus; Langzeitdaten fehlen.

Brazzein im Eis: Studie zeigt geringeren Blutzuckeranstieg
Ein Laborbecher mit einer klaren Flüssigkeit und eine kleine Menge weißes Pulver auf einer Edelstahloberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Eiscreme gilt aufgrund ihres hohen Zuckergehalts als problematisch für den Glukosestoffwechsel, insbesondere für Personen mit metabolischen Vorerkrankungen.

Eine Untersuchung russischer Forscher liefert nun Einblicke in eine mögliche ernährungsphysiologische Alternative: In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie mit 101 erwachsenen Probanden untersuchten die Wissenschaftler den Einsatz des pflanzlichen Süßproteins Brazzein als Zuckerersatz.

Die in der Fachzeitschrift Clinical Nutrition ESPEN (DOI: 10.1016/j.clnesp.2026.105066) publizierten Daten zeigen, dass der postprandiale Blutzuckeranstieg durch die veränderte Rezeptur im Vergleich zu herkömmlichem Speiseeis etwa halbiert werden konnte.

Studiendesign und Eigenschaften von Brazzein

Brazzein zeichnet sich durch eine besonders intensive Süßkraft aus: Nach Gewicht bemessen ist das Protein bis zu 2.000-mal süßer als herkömmlicher Zucker. Zudem weist die Substanz eine thermische Stabilität bei Temperaturen von bis zu 80 °C auf, was sie für verschiedene lebensmitteltechnologische Anwendungen interessant macht.

Für die Untersuchung wählten die russischen Forscher ein Kollektiv von 101 Erwachsenen aus, die an einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) litten.

Das Design sah vor, dass jede teilnehmende Person an drei verschiedenen Tagen jeweils 100 g Vanilleeis zu sich nahm. Getestet wurden drei unterschiedliche Rezepturen: eine Variante mit klassischem Haushaltszucker, eine Rezeptur mit Brazzein sowie eine Kombination aus Brazzein und dem Ballaststoff Inulin.

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Reduzierte Glukosewerte bei Personen mit Vorerkrankungen

Die Auswertung der Stoffwechselparameter ergab, dass beide brazzeinhaltigen Eisvarianten zu einem Blutzuckeranstieg führten, der nur etwa halb so groß ausfiel wie nach dem Verzehr des zuckerhaltigen Vergleichsprodukts.

Die Forscher beobachteten dabei deutliche Unterschiede je nach individuellem Stoffwechselstatus: Bei Teilnehmenden, die zusätzlich unter Typ-2-Diabetes litten, fiel der dämpfende Effekt auf die Blutzuckerspitzen noch ausgeprägter aus.

In Bezug auf die akute Verträglichkeit ergaben sich im Rahmen des Studienzeitraums keine Hinweise auf Risiken; den Wissenschaftlern zufolge traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf.

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Methodische Einschränkungen und fehlende Langzeitdaten

Trotz der gemessenen Unterschiede weisen die Forscher auf methodische Grenzen der Studie hin. Da sich neben dem Austausch von Zucker gegen Brazzein auch weitere Rezepturbestandteile zwischen den Testportionen unterschieden, lässt sich der beobachtete dämpfende Effekt auf den Blutzuckerspiegel nicht isoliert dem Süßprotein zuschreiben. Andere Bestandteile der Rezeptur könnten ebenfalls zu den veränderten Glukosekurven beigetragen haben.

Zudem erlaubt die kurzzeitige Erhebung der akuten Stoffwechselreaktion keine Rückschlüsse auf langfristige gesundheitliche Auswirkungen. Wie die Wissenschaftler betonen, liegen bislang keine Langzeitdaten darüber vor, wie sich ein dauerhafter Konsum entsprechender Produkte auf das Leberfett, die langfristige Diabeteskontrolle oder den Blutdruck der Betroffenen auswirken würde. Die mittelfristige und langfristige metabolische Relevanz des Süßproteins bleibt damit Gegenstand weiterer wissenschaftlicher Klärung.

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