Braunes, Fettgewebe

Braunes Fettgewebe: Großstudie findet 58 Prozent geringere Diabetes-Chance

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung von 101.243 Scans verbindet aktives BAT mit niedrigeren Krankheitsraten, belegt jedoch keine Ursache-Wirkung-Beziehung.
Mikroskopische Aufnahme von biologischem Fettgewebe mit Fokus auf zelluläre Strukturen in einem klinischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Aktives braunes Fettgewebe steht in engem Zusammenhang mit einer verringerten Häufigkeit von weit verbreiteten Zivilisationskrankheiten. Eine am 14. Oktober 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung der Rockefeller University und des Memorial Sloan Kettering Cancer Center unter Leitung von Paul Cohen zeigt, dass das Vorkommen von braunem Fettgewebe (BAT) mit deutlich geringeren Raten von Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Depressionen und Angststörungen einhergeht.

KI-Analyse von mehr als 100.000 Patientenscans

Für die Untersuchung wertete das Forschungsteam des Memorial Sloan Kettering Cancer Center mittels künstlicher Intelligenz 18F-FDG-PET-CT-Scans von 101.243 Erwachsenen aus dem Zeitraum von Juni 2009 bis Juli 2024 aus. Bei 8.709 der untersuchten Personen ließ sich aktives braunes Fettgewebe in sechs unterschiedlichen Körperdepots quantifizieren.

Braunfettgewebe trat insgesamt häufiger bei Frauen sowie seltener bei Personen höheren Alters, mit höherem Body-Mass-Index (BMI) und bei wärmeren Außentemperaturen auf. Die Depots befanden sich überwiegend an Hals, Achseln und Brustkorb.

Die Auswertung von mehr als 500 Diagnosecodes bestätigte eine frühere Untersuchung aus dem Jahr 2021 mit rund 50.000 Patienten. Von 98 statistisch signifikanten Diagnosen traten 92 bei Personen mit aktivem braunem Fettgewebe seltener auf.

Die Prävalenz von Typ-2-Diabetes lag bei Personen mit nachweisbarem BAT bei 2,1 Prozent, verglichen mit 5,1 Prozent in der Gruppe ohne aktives Gewebe. Dies entspricht einer Odds Ratio (OR) von 0,42 (95%-Konfidenzintervall 0,35–0,50) beziehungsweise einer um 58 Prozent verringerten Chance für Typ-2-Diabetes.

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Für chronische ischämische Herzkrankheiten lag die OR bei 0,53 (95%-Konfidenzintervall 0,44–0,62), was einer um 47 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit entspricht.

Nach einem Propensity-Score-Matching, das Faktoren wie Alter, Geschlecht, BMI und Außentemperatur ausglich, wiesen Träger von braunem Fettgewebe noch halb so oft Typ-2-Diabetes und ischämische Herzkrankheiten auf. Zudem verzeichneten sie ein Drittel weniger depressive Episoden und litten seltener unter Schlaflosigkeit oder Angstzuständen.

Günstigere Laborwerte und medikamentöse Einflüsse

Personen mit nachweisbarem braunem Fettgewebe zeigten durchgehend vorteilhaftere Glukose-, HbA1c- und Triglyceridwerte, ein höheres HDL-Cholesterin, günstigere Gesamt- und LDL-Cholesterinwerte sowie niedrigere Entzündungsmarker und günstigere Echokardiographie-Parameter.

Der stärkste Zusammenhang fand sich bei axillärem braunem Fett im Bereich der Achseln: Dieses Depot korrelierte am deutlichsten mit gesunden kardiometabolischen Werten, einer vorteilhaften viszeralen Fettverteilung und einem reduzierten Hypertonie-Risiko.

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Die Forschenden der Rockefeller University prüften zudem den Einfluss von 125 Medikamenten auf das Gewebe. Während Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI sowie Betablocker die BAT-Aktivität hemmten, wirkten Nebennierenrindenhormone und bestimmte Blutdrucksenker stimulierend.

Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) wiesen eine positive Assoziation mit dem BAT-Status auf, darunter Losartan mit einer OR von 1,36 (95%-Konfidenzintervall 1,13–2,02) und Valsartan mit einer OR von 1,52 (95%-Konfidenzintervall 1,14–2,02).

In Laborversuchen der Rockefeller University aktivierte Losartan das braune Fettgewebe in Zellkulturen PPAR?-abhängig, steigerte das Protein UCP1 und erhöhte den Sauerstoffverbrauch über Mechanismen, die unabhängig von der blutdrucksenkenden Wirkung verliefen.

Bei Mäusen führte der Wirkstoff bei Raumtemperatur sowie bei Kälte zu einem gesteigerten Energieverbrauch ohne messbare Veränderungen von Gewicht oder Appetit. Ein entsprechender Effekt auf das braune Fettgewebe des Menschen ist in klinischen Studien bisher nicht überprüft worden.

Wissenschaftliche Einordnung und Limitationen

Der Harvard-Molekularbiologe Shingo Kajimura bezeichnete die Arbeit als eine der gründlichsten und wichtigsten Veröffentlichungen auf diesem Forschungsfeld. Dennoch betonen die Autoren methodische Einschränkungen: Es handelt sich um eine retrospektive, korrelative Auswertung von Daten eines einzelnen Krebszentrums, die keine ursächlichen Kausalitäten belegt. Als möglicher Nachteil zeigte sich bei BAT-Trägern eine leicht verringerte Knochendichte.

Bislang existiert kein zugelassenes Arzneimittel zur gezielten Aktivierung von braunem Fettgewebe. Zwar lässt sich das Gewebe durch Kälteexposition stimulieren und der Arzneistoff Mirabegron führt ebenfalls zu einer Aktivierung, letzterer weist jedoch kardiovaskuläre Nebenwirkungen auf.

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