Brain Fog bei Long Covid: 7-Tesla-fMRT zeigt veränderte Hirnverknüpfungen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 01:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deVergesslichkeit, Konzentrationsprobleme und ein anhaltendes Gefühl mentaler Trübung werden im alltäglichen Sprachgebrauch oft als Brain Fog zusammengefasst. Aus medizinischer Sicht handelt es sich dabei jedoch um keine eigenständige Diagnose, wie Fachleute für das Nervensystem über das Netzwerk HelloNation hervorheben.
Vielmehr fungiert das Phänomen als unspezifisches Signal des Körpers für zugrunde liegende Belastungen wie chronischen Stress, Schlafmangel, veränderte Stimmungslagen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder bestehende Vorerkrankungen.
Da kein einzelner diagnostischer Test den Zustand direkt nachweisen kann, raten Experten dazu, Parameter wie Schlafqualität, Energieniveau und konkrete Verwirrungsmomente über mehrere Wochen zu protokollieren, bevor eine gezielte ärztliche Abklärung erfolgt.
Hormonelle Umstellungen als Auslöser
Hormonelle Schwankungen stellen eine häufige physiologische Ursache für kognitive Trübungen dar. Dr. Cynthia H. Chuang von der Penn State University verweist darauf, dass Brain Fog neben Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Gelenkschmerzen zu den regelmäßig übersehenen Symptomen der Menopause gehört.
Die American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) hat ihre entsprechende Leitlinie erstmals seit 2014 überarbeitet und setzt dabei auf gemeinsame Entscheidungsfindung, Hormontherapien, nicht-hormonelle Alternativen wie Antidepressiva aus den Klassen der SSRI oder SNRI sowie Neurokinin-Rezeptor-Antagonisten. Parallel forscht die University of California, Los Angeles (UCLA) an gezielten Ansätzen zur Linderung menopausaler kognitiver Beschwerden.
Die wirtschaftlichen Folgen dieser hormonellen Übergangsphasen sind erheblich. Laut Berichten des HCA-Magazins liegt das Durchschnittsalter für den Eintritt der Menopause in den USA bei 51 Jahren, wobei Symptome bereits bis zu zehn Jahre vorher einsetzen können.
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Eine Untersuchung der Mayo Clinic aus dem Jahr 2023 an 4.440 berufstätigen Frauen im Alter von 45 bis 60 Jahren bezifferte die jährlich Kosten durch krankheitsbedingte Fehltage in den USA auf rund 1,8 Milliarden US-Dollar.
Neurologische Veränderungen nach Infektionen
Über hormonelle Ursachen hinaus rücken postvirale Syndrome in den Fokus der Forschung. Eine im Journal of Translational Medicine publizierte Untersuchung der Forscherinnen Maira Inderyas und Professorin Sonya Marshall-Gradisnik von der Griffith University zeigte mittels 7-Tesla-fMRT bei Betroffenen von ME/CFS sowie Long Covid veränderte funktionelle Verknüpfungen im Gehirn während standardisierter kognitiver Aufgaben.
Am Karolinska-Institut verglich Sonia Miri Hedberg 22 Post-COVID-Patienten mit 19 gesunden Kontrollpersonen; dabei zeigten die Erkrankten eine stärkere Ermüdung, langsamere Reaktionszeiten und einen im Durchschnitt geringeren Hirnblutfluss in Arealen für Aufmerksamkeit und Reizverarbeitung.
Therapeutische Interventionen liefern bislang differenzierte Ergebnisse. In der an der Universitätsklinik Würzburg koordinierten PreVitaCOV-Studie mit 323 Teilnehmenden linderte eine 28-tägige Gabe von niedrig dosiertem Prednisolon Symptome wie Fatigue statistisch messbar, erreichte jedoch nicht die klinische Relevanzschwelle und verlor ihren Effekt nach dem Absetzen.
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B-Vitamine zeigten keinen nennenswerten Nutzen. Zur verbesserten Systematisierung hat unterdessen ein Team um Dr. Angelika Thöne-Otto für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP) die S2e-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen vollständig überarbeitet.
Dauerstress und Schlafmangel
Kognitive Einbußen lassen sich zudem direkt auf chronische Überlastung zurückführen. Dr. Anna Kieszkowska-Grudny vom Instytut BezStresu betont, dass andauernder Stress über das Konzept der allostatischen Last strukturelle Veränderungen bewirken kann: Die neuronale Plastizität im Hippocampus sowie Netzwerke im präfrontalen Kortex werden geschwächt, während Aktivitäten der Amygdala zunehmen.
Jesús C. Guillén von der Universität Barcelona hebt hervor, dass Schlafmangel die Stressempfindlichkeit massiv verstärkt, und empfiehlt regelmäßige Schlafdauern ab sieben Stunden sowie Tageslichtexposition am Morgen zur Taktung des Nucleus suprachiasmaticus.
Auch der Schlafforscher Albrecht Vorster rät bei anhaltenden Ein- und Durchschlafproblemen zum Führen eines systematischen Schlafprotokolls für spätere diagnostische Schritte.
