BPH ohne Therapie: Bei bis zu 60 Prozent bessern sich die Beschwerden
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachquellen beschreiben bei der gutartigen Prostatahyperplasie (BPH) ein breites Spektrum an Behandlungsoptionen. Die therapeutischen Ansätze reichen von der kontrollierten Beobachtung bei leichten Beschwerden über diverse medikamentöse Therapien bis hin zu chirurgischen und minimalinvasiven Verfahren. Die Wahl der geeigneten Maßnahme erfolgt dabei stets individuell auf Basis einer ärztlichen Diagnose.
Beobachtung und Verlaufskontrolle bei milder Symptomatik
Bei Betroffenen mit leichten Symptomen, die einem Wert auf dem International Prostate Symptom Score (IPSS) von unter 7 beziehungsweise 0 bis 7 entsprechen, gilt das kontrollierte Beobachten ohne medikamentöse oder operative Therapie als empfohlene Vorgehensweise.
Diese Strategie umfasst jährliche Kontrolluntersuchungen mittels IPSS, digital-rektaler Untersuchung (DRE), Urinanalysen, Überprüfung der Nierenfunktion, Urodynamik, Ultraschall sowie gegebenenfalls der Bestimmung des PSA-Wertes.
Untersuchungen zeigen, dass sich nach 2 bis 2,5 Jahren ohne Therapie bei 33 bis 60 Prozent der Patienten eine Besserung der Beschwerden einstellt, während 30 bis 45 Prozent eine Operation benötigen. Das allgemeine Operationsrisiko liegt bei etwa 10 Prozent im Alter von 50 Jahren und steigt auf etwa 50 Prozent bei 70-Jährigen.
Zu den absoluten Operationsindikationen zählen ein rezidivierender Harnverhalt mit mindestens einem Vorfall nach Katheterentfernung, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Makrohämaturie, Blasensteine, eine Niereninsuffizienz sowie ein großes Blasendivertikel.
Medikamentöse Optionen zur Symptom- und Progressionskontrolle
Für die medikamentöse Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung:
- ?-Blocker: Diese senken den Widerstand in der Harnröhre. Für Tamsulosin liegt die Dosierung bei 0,4 mg pro Tag mit einem Maximum von 0,8 mg (in China 0,2 mg pro Tag). Terazosin beginnt bei 1 mg täglich und wird schrittweise auf 2 mg sowie 5 mg gesteigert (maximal 10 mg; in China 2 mg mit maximal 4 mg). Doxazosin startet bei 1 mg pro Tag mit Steigerung über 2 mg auf 4 mg. Für Naftopidil liegt die Tagesdosis bei 25 mg.
- 5?-Reduktase-Hemmer: Sie hemmen Dihydrotestosteron (DHT). Finasterid verkleinert das Prostatavolumen um 20 Prozent nach mindestens sechsmonatiger Einnahme. Dutasterid blockiert beide Isoformen des Enzyms und verhindert die Umwandlung von Testosteron in DHT, was das Prostatavolumen reduziert sowie das Risiko für akute Harnverhaltung und operative Eingriffe senkt. Dutasterid wird mit 0,5 mg einmal täglich oral eingenommen. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Gynäkomastie, Impotenz, Ejakulationsstörungen und Libidoverlust. Frauen und Kinder müssen das Mittel meiden, und Schwangere sowie Stillende dürfen keinen Kontakt zu beschädigten Kapseln haben. Studien weisen zudem auf eine mögliche Reduktion des Prostatakrebsrisikos durch frühere Erkennung hochgradiger Tumoren bei abgesenkten PSA-Werten hin.
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- PDE5-Hemmer: Tadalafil (Cialis) besitzt eine Zulassung der US-FDA sowie in der EU zur BPH-Behandlung. Der Wirkstoff entspannt die glatte Muskulatur von Prostata und Blase und lindert Symptome wie häufiges Wasserlassen, Nykturie und Harndrang. Bei einer Halbwertszeit mit Wirkdauer von bis zu 36 Stunden weist die tägliche Dosis von 5 mg wenige Nebenwirkungen auf; Cialis verfügt über eine multinationale Phase-3-Studie, an der fünf Zentren in Taiwan teilnahmen.
- Weitere Ansätze: Antiandrogene vom Progesteron-Typ lindern Symptome und verbessern den Harnfluss bei temporärer Verkleinerung der Drüse, führen nach dem Absetzen jedoch zu einem Wiederanstieg und erhöhen die Blutviskosität sowie das Embolierisiko. Ergänzend kommen M-Rezeptor-Antagonisten und Phytotherapien wie Pygeum zum Einsatz.
Operative und minimalinvasive Verfahren
Reichen Medikamente nicht aus oder liegen Komplikationen vor, kommen operative Techniken zum Tragen. Neben der klassischen transurethralen Resektion der Prostata (TURP) gewinnen schnittfreie Verfahren wie die Holmium-Laser-Enukleation (HoLEP) und die Wasserdampftherapie (Rezum) an Bedeutung. Sie zeichnen sich durch kürzere Operationszeiten, verringerte Blutungen und eine raschere Entlassung aus.
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Wie Mitte August 2026 aus dem Landesklinikum Baden-Mödling bekannt wurde, kommt bei sehr großen Organen zunehmend die Thulium-Laser-Enukleation (ThuLEP) anstelle offener Schnittoperationen zum Einsatz. Die Technik wird am Standort Baden seit über vier Jahren praktiziert und nutzt seit rund einem Jahr einen gepulsten 150-Watt-Thulium-YAG-Laser.
Der Eingriff erfolgt ohne Hautschnitt über die Harnröhre, was zu einer kürzeren Wundheilung führt; Patienten können in der Regel am zweiten oder dritten Tag entlassen werden. Fachkollegen aus dem kroatischen Šibenik hospitierten zur Weiterbildung an der dortigen Abteilung.
