BPH bei Männern über 80: Bis zu 90 Prozent entwickeln eine Vergrößerung
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) erlebt durch gewebeschonende Technologien eine spürbare Weiterentwicklung. Ein Beispiel für diesen Trend liefert der australische Bundesstaat Victoria: Dort führte der Urologe Assoc. Prof. Sree Appu die regional erste iTind-Prozedur durch. Bei dem Verfahren kommt ein temporär eingesetztes Gerät zum Einsatz, das die Harnröhre weitet, ohne Prostatagewebe zu schneiden oder zu verbrennen.
Die gutartige Vergrößerung des Organs zählt zu den häufigsten urologischen Diagnosen des alternden Mannes. Die Erkrankung betrifft 50 Prozent der Männer im Alter zwischen 51 und 60 Jahren, wobei die Häufigkeit um 10 Prozentpunkte pro Lebensdekade ansteigt.
Nach Einschätzung des Urologen A/Prof. Paul Cozzi entwickeln fast 50 Prozent der Männer über 50 Jahren und bis zu 90 Prozent der Männer über 80 Jahren eine Hyperplasie.
Etablierte Standardverfahren und operative Leitlinien
Über viele Jahre galt die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) als Referenzmethode zur Entfernung des störenden Gewebes über die Harnröhre. Der Eingriff ist jedoch mit Belastungen verbunden: Nach der Operation bleibt ein Blasenkatheter meist einige Tage liegen, dessen Entfernung erst nach dem Abklingen der Blutung erfolgt.
Als häufige Nebenwirkung tritt die retrograde Ejakulation auf, bei der die Samenflüssigkeit überwiegend in die Harnblase geleitet wird. Zudem besteht in seltenen Fällen das Risiko einer Störung des Salz- und Flüssigkeitshaushalts, ausgelöst durch die Aufnahme großer Mengen Spülflüssigkeit.
Einen Orientierungsrahmen für die klinische Praxis bietet unter anderem die chinesische Leitlinie aus dem Jahr 2021. Sie führt die transurethrale Prostataoperation als Erstlinien-Eingriff bei symptomatischer BPH an.
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Demnach gilt die TUR-P vor allem bei einem Prostatavolumen von 30 bis 80 Millilitern als geeignet. Laser-Operationen werden bei großen Drüsen sowie bestehender Blutungsneigung empfohlen, während bei einem Volumen von mehr als 100 Millilitern offene Operationen herangezogen werden.
Die Leitlinie verweist zudem darauf, dass der Katheter postoperativ in der Regel drei bis sieben Tage verbleibt und eine Symptomverbesserung bei den meisten Patienten nach einer bis vier Wochen eintritt. Liegt der Restharnwert ohne Harnverhalt unter 50 Millilitern, wird von einer Operation abgesehen.
Minimalinvasive Alternativen im klinischen Einsatz
Krankenhäuser setzen zunehmend auf interventionsarme Alternativen zur klassischen Resektion. Am Windsor Regional Hospital verantwortete der Urologe Dr. Haider Abed die Einführung der Thulium Laser Enucleation of the Prostate (ThuLEP).
Gesundheitsdienstleister heben bei dieser Laser-Enukleation verbesserte Patientenergebnisse, kürzere Liegezeiten im Krankenhaus, verkürzte Katheterisierungsdauern sowie eine höhere chirurgische Effizienz hervor – insbesondere im Vergleich zur TUR-P, dem Green-Light-Laser und der offenen Prostatektomie.
Eine thermische Alternative bietet die Rez?m-Therapie, die am australischen Hurstville Private Hospital erstmals in einer Klinik zum Einsatz kam. Das Verfahren nutzt Radiofrequenz-Wasserdampf, um überschüssiges Prostatagewebe zu verkleinern. Eine spürbare Linderung der Symptome tritt dabei meist innerhalb von zwei Wochen ein, während die häufigsten Begleiterscheinungen im Regelfall innerhalb von drei Wochen wieder abklingen.
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Ultraschallwandler erweitern die Instrumententechnik
Neben rein thermischen und mechanischen Methoden gewinnen integrierte Sensorsysteme an Bedeutung. Das Fraunhofer IPMS arbeitet als Partner von MaxQ Medical an miniaturisierten Ultraschallwandlern auf Basis kapazitiver mikromechanischer Ultraschallwandler (CMUT). Diese sollen in ein transurethrales System integriert werden, das Bildgebung und therapeutische Schritte in einem kompakten Instrument vereint. Der primäre Anwendungsbereich ist für die BPH-Behandlung vorgesehen.
Dr. Sandro Koch, der am Fraunhofer IPMS den Bereich Acoustic Sensors and Systems leitet, erklärte, die technologische Aufgabe liege in der zuverlässigen Einbindung der CMUT-Arrays in das Endoskop, wobei sich die Wandler zu vielkanaligen Einheiten bündeln lassen.
Zur Weiterentwicklung der Plattform und des dazugehörigen klinischen Programms sicherte sich MaxQ Medical, eine Ausgründung von Orchard Ultrasound Innovation aus dem kalifornischen Sunnyvale, eine Series-A-Finanzierung über 31,5 Millionen US-Dollar.
