BPH: Ab 30 Millilitern Prostatavolumen steigt das Beschwerderisiko um das 3,5-Fache
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deAnlässlich des Chinesischen Männertags weisen Gesundheitsbehörden und medizinische Experten auf die Notwendigkeit hin, die gutartige Prostatahyperplasie (BPH) frühzeitig und fachgerecht zu behandeln. Fachleute korrigieren dabei verbreitete Irrtümer, wonach die Beschwerden ein unbehandelbares Schicksal des Alterns seien. Häufig werde die Erkrankung verharmlost oder fälschlicherweise mit Prostatakrebs gleichgesetzt.
Epidemiologie und Abgrenzung zu bösartigen Erkrankungen
Die Inzidenz der Prostatavergrößerung nimmt mit dem Alter deutlich zu. Bei Männern um das 40. Lebensjahr liegt die Häufigkeit bei etwa 40 %, während bei Männern um 80 Jahre rund 80 % betroffen sind. Berichten zufolge weisen im Alter von über 80 bis 85 Jahren bis zu 90 % der Männer eine entsprechende Gewebeveränderung auf.
Die gesunde Vorsteherdrüse wiegt bei jüngeren Erwachsenen etwa 20 bis 30 Gramm, besitzt die Größe einer Walnuss und produziert rund 30 % der Samenflüssigkeit. Im Alter kann das Organ hormonell bedingt auf Zitronengröße anwachsen.
Mediziner betonen, dass eine vergrößerte Prostata per se kein Krebs ist und das Risiko für ein Karzinom nicht automatisch steigert. Zudem zeigt weniger als die Hälfte der Betroffenen überhaupt Symptome. Typische Anzeichen einer Einengung der Harnröhre sind ein abgeschwächter Harnstrahl, ein verzögerter Miktionsbeginn, häufiger Harndrang sowie nächtliches Erwachen.
Auch ein erhöhter PSA-Wert ist kein eindeutiger Krebsbeweis, da er ebenso durch die gutartige Vergrößerung oder durch Entzündungen und Infektionen ansteigen kann. Liegen keinerlei Beschwerden vor, ist ein rein vorsorglicher Eingriff meist nicht erforderlich.
Einstufung nach Schweregraden und medikamentöse Ansätze
Zur strukturierten Erfassung von Symptomen nutzen Urologen den International Prostate Symptom Score (IPSS). Ein Wert von 0 bis 7 gilt als leicht und bedarf vor allem der regelmäßigen Beobachtung ohne direkte medikamentöse Intervention. Bei mittelschweren Beschwerden mit Werten von 8 bis 19 kommt eine medikamentöse Therapie infrage, während schwere Symptome bei 20 bis 35 Punkten eine aktive Behandlung zwingend erforderlich machen.
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Bei Patienten ab 62 Jahren ist eine klinische Progression wahrscheinlicher. Erreicht das Drüsenvolumen 30 Milliliter oder mehr, steigt das Risiko für mittelschwere bis schwere Beschwerden der unteren Harnwege um das 3,5-Fache; die Wahrscheinlichkeit eines akuten Harnverhalts erhöht sich um das Dreifache bis Vierfache.
In der Pharmakotherapie werden vor allem Alpha-Blocker zur Entspannung der glatten Muskulatur sowie 5-Alpha-Reduktase-Hemmer eingesetzt. Gemäß den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie sollten Alpha-Blocker abgesetzt werden, wenn sich nach 8 Wochen kontinuierlicher Gabe keine deutliche Besserung einstellt.
Der Wirkstoff Dutasterid hemmt beide Isoformen der 5?-Reduktase, senkt die Bildung von Dihydrotestosteron und verkleinert das Gewebe. Dies senkt das Risiko für einen akuten Harnverhalt sowie die Notwendigkeit von Operationen signifikant.
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Gelingt es im Rahmen einer standardisierten Kombinationstherapie, den IPSS unter 7 zu senken, das Organwachstum über 6 Monate zu kontrollieren und den Restharn zu normalisieren, können etwa 30 % der Patienten mit leichten Verläufen die Arzneien unter fachärztlicher Begleitung wieder schrittweise absetzen.
Operative Verfahren und zellbiologische Forschung
Müssen operative Eingriffe erwogen werden, bieten minimalinvasive Techniken wie die bipolare Plasmavaporisation oder die Holmium-Laser-Enukleation deutliche Vorteile gegenüber offenen chirurgischen Eingriffen. Sie senken den intraoperativen Blutverlust um über 80 %. Die meisten Patienten können den Blasenkatheter bereits 2 bis 3 Tage nach dem Eingriff ablegen und die Klinik verlassen.
Gleichzeitig liefert die Grundlagenforschung neue Erklärungsansätze für die Entstehung der Hyperplasie. Wissenschaftler der Johns Hopkins University analysierten im Rahmen einer im Fachblatt The Journal of Pathology veröffentlichten Untersuchung rund 130.000 Einzelzellen aus nicht-tumorösem Gewebe von 10 Männern mit Prostatakrebs mittels RNA-Sequenzierung. Dabei identifizierten die Forscher einen spezifischen Subtyp sogenannter WIF1-positiver Basalzellen, der besonders in der Übergangszone um die Harnröhre konzentriert ist und Gene aufweist, die auf Androgene wie Testosteron reagieren.
Ob diese Zellen direkt für die Vergrößerung verantwortlich sind und künftig als Angriffspunkt für neuartige Arzneien dienen können, müssen nach Angaben der Autoren weitere Untersuchungen klären.
