Boston Dynamics: Rohit Prasad übernimmt als erster externer CEO die Führung
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-amerikanische Robotikhersteller Boston Dynamics stellt seine Führung für den Übergang in die kommerzielle Großserie neu auf: Rohit Prasad hat mit Wirkung zum 7. Oktober 2026 die Position des Chief Executive Officer übernommen, nachdem seine Ernennung am 6. Oktober 2026 bekannt gegeben worden war.
Mit dem Wechsel an der Spitze soll insbesondere die weltweite Kommerzialisierung und industrielle Skalierung sogenannter physischer künstlicher Intelligenz sowie mechatronischer Systeme vorangetrieben werden.
Prasad ist der erste extern berufene CEO in der mehr als 30-jährigen Geschichte des 1992 gegründeten Unternehmens und zugleich die dritte Person in dieser Funktion. Er übernimmt die Aufgaben von Finanzchefin Amanda McMaster, die das Unternehmen interimistisch geleitet hatte, nachdem der langjährige CEO Robert Playter die Führung im Februar 2026 nach sechs Jahren abgegeben hatte. Im Zuge der Führungsneuordnung verließen zudem Technologiechef Aaron Saunders sowie weitere Führungskräfte das Unternehmen.
Technologischer Hintergrund aus Sprach- und Grundlagenmodellen
Vor seinem Wechsel war Prasad zwölf Jahre lang bei Amazon tätig, unter anderem als Senior Vice President und leitender Wissenschaftler für Alexa sowie künstliche allgemeine Intelligenz. Bei dem Technologiekonzern begleitete er den Aufbau des Sprachassistenten und verantwortete zuletzt die Entwicklung der Amazon-Nova-Foundation-Modelle.
Zuvor forschte er fast 14 Jahre bei Raytheon BBN Technologies an maschinellem Lernen für US-Regierungsaufträge und kommerzielle Anwendungen. Seine akademische Ausbildung umfasst einen Abschluss am Birla Institute of Technology Mesra in Indien, einen Master in Elektrotechnik am Illinois Institute of Technology sowie Stationen im Greater Boston Executive Program am MIT.
Prasad betonte bei seinem Antritt, Boston Dynamics sei einzigartig positioniert, um physische künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln. Auch der Mutterkonzern setzt auf diese Schnittstelle: Jaehoon Chang, Vizechef und Board-Vorsitzender des Eigentümers Hyundai, hob Prasads Fähigkeiten hervor, KI-Technologien im globalen Maßstab in Produkte zu überführen. Chang rechnet vorbehaltlich formaler Genehmigungen mit einem Beitritt Prasads in das Board des Unternehmens.
Robotik und künstliche Intelligenz gelten als die zentralen Treiber der nächsten industriellen Ära und bieten weitreichende Chancen für vorausschauende Investoren. Dieser kostenlose Report beleuchtet die Unternehmen, die den technologischen Umbruch aktiv gestalten und von den Milliarden-Investitionen in die Automatisierung profitieren. Robotik- und KI-Profiteure der neuen Industrieära erkennen
Expansionskurs unter Hyundai-Eigentümerschaft
Der südkoreanische Automobilkonzern Hyundai ist seit Juli 2026 alleiniger Eigentümer von Boston Dynamics. Bereits 2021 hatte Hyundai bei einer Unternehmensbewertung von 1,1 Mrd. US-Dollar die Mehrheit übernommen und kaufte im Juli 2026 die verbliebenen Anteile der SoftBank-Gruppe auf.
Die Personalentscheidung steht im Kontext weitreichender Produktions- und Einsatzpläne. Hyundai plant ab 2028 eine erste Ausrollung von 25.000 humanoiden Atlas-Robotern in Fertigungsstätten von Kia sowie weiteren weltweiten Standorten. Angaben von Anfang des Jahres zufolge peilt der Konzern bis 2028 zudem eine Fertigungskapazität von jährlich 30.000 Robotereinheiten an.
Ab 2028 sollen die Systeme in allen Fertigungsstandorten zum Einsatz kommen, bevor ab 2030 eine Ausweitung auf Aufgaben in der Teilemontage vorgesehen ist. Im September 2026 eröffnete Boston Dynamics dazu ein eigenes Robotikzentrum am Elektrofahrzeugwerk von Hyundai in der Nähe von Savannah im Bundesstaat Georgia, wo Atlas im industriellen Kontext trainiert wird.
Hardware-Entwicklung und Ausbau des Hauptstandorts
Neben der Softwareintegration forciert das Unternehmen die Hardware-Reife. Am 1. Oktober 2026 präsentierte Boston Dynamics eine neue vierfingrige Hand für Atlas, die über 13 Freiheitsgrade und identische Direktantriebs-Aktuatoren verfügt. Sie ist auf Bestärkendes Lernen ausgelegt, kann Werkzeuge wie Bohrer, Schleifer oder Drehmomentschrauber greifen und Lasten von über 100 lb handhaben.
Für die Serienversion von Atlas wird eine Dauerlast von 66 lb und eine Spitzenlast von 110 lb genannt. Alberto Rodriguez, leitender Entwickler für Roboterverhalten bei Atlas, gab als internes Designziel eine Fertigung von 100.000 Einheiten der Hand pro Jahr an; aktuell wird sie vor allem am Hauptsitz erprobt, während spezifische Liefertermine und Serienpreise noch offen sind.
Während die industrielle Revolution voranschreitet, fragen sich viele Beobachter, welche Akteure hinter den Kulissen die größte Dynamik entfalten. Erfahren Sie in dieser kompakten Analyse, wie Experten die aktuelle Marktentwicklung im Bereich Robotik und KI einschätzen und wer die Gewinner von morgen sein könnten. Kostenlosen Report zur industriellen Revolution herunterladen
Zugleich investiert das Unternehmen 100 Mio. US-Dollar in den Ausbau seines Standorts in Waltham, Massachusetts. Drei bisherige Standorte werden dort zu einem Zentrum für Forschung, Fertigung und KI zusammengeführt, wodurch bis 2033 rund 1.250 neue Arbeitsplätze entstehen und die lokale Belegschaft verdoppelt werden soll.
Im Bereich der vierbeinigen Systeme arbeitet das Unternehmen unter anderem mit dem Softwarestand Spot 5.2 sowie Kooperationspartnern wie dem Toyota Research Institute, Google Cloud und DeepMind zusammen.

