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Boston Dynamics: Neue Atlas-Hand verdoppelt die Beweglichkeit auf 13 Achsen

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Hand bietet 13 Freiheitsgrade; Hyundai plant Atlas-Einsätze ab 2028 für die Teile-Sequenzierung und ab 2030 für die Montage.

Boston Dynamics zeigt neue vierfingrige Atlas-Hand für Industrieaufgaben
Eine moderne, saubere Fertigungshalle mit hochpräzisen technischen Arbeitsplätzen in einer industriellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Entwicklung feinfühliger Greifwerkzeuge gilt als zentrale Voraussetzung für den wirtschaftlichen Einsatz humanoider Roboter in der Industrie. Wie Branchenberichte vom 1. Oktober 2026 darlegen, hat das zur Hyundai Motor Group gehörende Unternehmen Boston Dynamics eine neue vierfingrige Roboterhand für die Atlas-Plattform vorgestellt. Mit veränderter Kinematik und verdoppelter Beweglichkeit zielt das System auf anspruchsvolle Montage- und Fertigungsaufgaben ab.

Technische Architektur und bewusster Verzicht auf den fünften Finger

Die neu entwickelte Hand verfügt über 13 Freiheitsgrade (DoF) und bietet damit fast doppelt so viele Bewegungsachsen wie das Vorgängermodell mit 7 DoF. Die Konstruktion setzt sich aus einem opponierbaren Daumen mit 4 Freiheitsgraden sowie drei Fingern mit jeweils 3 Freiheitsgraden zusammen.

Von den Abmessungen her entspricht die Einheit in etwa der Hand eines großen Menschen, während die Kraftübertragung unverändert auf dem Niveau des Vorgängers liegt. Damit bleibt das System in der Lage, Lasten wie einen beladenen Minikühlschrank im Rahmen der Atlas-Nutzlast von 100lb+ zu handhaben.

Konstruktiv setzt Boston Dynamics auf vollständig gekapselte, rücktreibbare Aktuatoren, die ohne freiliegende Kabel über den Gelenken auskommen. Integrierte taktile Drucksensoren an den Fingerspitzen sowie an der Handfläche verbessern im Verbund mit einer verfeinerten Propriozeption die Rückmeldung beim Greifvorgang.

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Der Verzicht auf den kleinen Finger erfolgte aus praktischen Erwägungen. Ausschlaggebend war eine Abwägung zwischen Designkomplexität, Energiebedarf, Kosteneffizienz sowie Haltbarkeit und einfacher Reparatur. Alberto Rodriguez, der bei Boston Dynamics den Bereich Verhaltensmanipulation für Atlas leitet, stufte den fünften Finger nach einem ganztägigen Praxistest mit immobilisiertem Finger als verzichtbar für die anvisierten Aufgaben ein.

Vielfältige Griffmuster für den industriellen Werkzeugeinsatz

Die vierfingrige Geometrie erlaubt ein breites Spektrum an Griffmustern. Neben Pinzettengriffen und tripodalen Griffen unterstützt die Hand spezialisierte Werkzeuggriffe für Geräte wie Bohrer, Drehmomentschrauber, Schleifmaschinen, Nagelpistolen und Schweißbrenner.

In Demonstrationen zeigte das System bereits hochpräzise Abläufe. Dazu zählten das Aufnehmen eines Bohrer-Bits mit den Fingerspitzen, das Einsetzen des Bits in die Aufnahme, das Betätigen des Auslösers und das Bohren in Holz. Ergänzend demonstrierte die Einheit das Festdrehen kleiner Muttern sowie feinmotorische Fingerbewegungen, darunter das Drehen eines Drumsticks zwischen den Fingern und das Rollen zweier Golfbälle in einer Handfläche.

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Simulation, Trainingsmethoden und industrielle Einsatzpläne

Um die Steuerung zu optimieren, ist die Hardware für hochauflösende Simulationen, Sim-to-Real-Transfers und bestärkendes Lernen (Reinforcement Learning) ausgelegt. Die Algorithmen werden dabei unter systematisch variierten Parametern trainiert, darunter wechselnde Motordrehmomente, Reibungswerte, Objektformen und externe Störungen.

Die Weiterentwicklung steht in engem Zusammenhang mit den Fertigungsplänen des Mutterkonzerns. Die Hyundai Motor Group richtete im Werk Hyundai Motor Group Metaplant America (HMGMA) das Robotics Metaplant Application Center (RMAC) ein. Für Atlas sieht der Stufenplan vor, ab dem Jahr 2028 die Teile-Sequenzierung am US-Standort in Georgia zu übernehmen.

Ab 2030 soll der Übergang zur Teilemontage folgen. Langfristig plant der Konzern den Einsatz von 25.000 Atlas-Einheiten in weltweiten Werken von Hyundai und Kia. Im Marktsegment für hochentwickelte Roboterhände stehen die Entwickler zudem im Wettbewerb mit südkoreanischen Elektronikkonzernen wie Samsung und LG, die ebenfalls an eigenen Greifsystemen arbeiten.

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de | wissenschaft | 70221862 |