Boston Dynamics GR3: Vier Finger und 13 Freiheitsgrade für Atlas
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei der Weiterentwicklung humanoider Robotiksysteme steht die Geschicklichkeit von Greifwerkzeugen im Fokus. Boston Dynamics, ein Tochterunternehmen der Hyundai Motor Group, hat für die Plattform Atlas das Handmodell GR3 konzipiert. Die Neuentwicklung setzt auf eine vierfingrige Kinematik und zielt darauf ab, industrielle Handhabungsaufgaben mit standardisierten Werkzeugen robuster und praxistauglicher zu bewältigen.
Technische Architektur und Verzicht auf den fünften Finger
Die Hand GR3 verfügt über 13 Freiheitsgrade und bietet damit fast doppelt so viele Bewegungsachsen wie das Vorgängermodell GR2, das mit 7 Freiheitsgraden arbeitete. Die mechanische Konfiguration umfasst einen Daumen mit 4 Achsen sowie drei weitere Finger, die über jeweils 3 Achsen bewegt werden.
Die Hand ist größer und kräftiger dimensioniert als eine durchschnittliche menschliche Hand, behält jedoch anthropomorphe Maße bei, um reguläre Arbeitswerkzeuge greifen zu können.
Auffällig ist der bewusste Verzicht auf den fünften Finger. Auf Führungsebene der Entwicklung wurde entschieden, den kleinen Finger wegzulassen, da dieser drei zusätzliche Aktuatoren erfordert hätte. Durch die Reduzierung auf vier Finger sinken das Gesamtvolumen, das Gewicht, die Herstellungskosten und der Energiebedarf, während zugleich potenzielle Ausfallpunkte minimiert werden.
Im Inneren setzt der Hersteller auf direkt angetriebene Gelenke und nutzt einen einzigen Aktuatortyp. Auf kabelgeführte Verbindungen durch die Achsen wurde vollständig verzichtet. Für eine gesteigerte Schlagfestigkeit sorgen rückwärts antreibbare Getriebe, die mechanische Stöße abfedern können. Die Greifkraft bewegt sich auf dem Niveau der Vorgängergeneration, welche Lasten von über 100 Pfund – umgerechnet mehr als 45 kg – tragen konnte.
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Sensorik, KI-Training und industrielle Anwendung
Zur Erfassung von Kontaktkräften ist die Hand mit Drucksensoren an den Fingerkuppen und in der Handfläche ausgestattet. In Verbindung mit integrierten Sensoren und Propriozeption kann das System den Griffdruck in Echtzeit anpassen.
Das Bewegungstraining der Hand stützt sich auf Reinforcement Learning in virtuellen Modellen, die kinematische Abläufe, Dynamik und Kontaktphysik simulieren, gefolgt von einer Übertragung der Ergebnisse auf die reale Hardware über Sim-to-Real-Lernen. Zu den vorgesehenen Einsatzbereichen zählen anspruchsvolle Aufgaben wie das präzise Greifen und das Umlagern von Objekten direkt in der Handfläche.
Zudem ist das System für die Bedienung gängiger Industriewerkzeuge ausgelegt, darunter Bohrer, Hochdrehmoment-Schrauber, Schleifgeräte, Nagelpistolen und Schweißbrenner. In technischen Demonstrationen wurde der Umgang mit einem Bohrer per Teleoperation gesteuert, während andere Greif- und Handhabungsmanöver autonom abliefen.
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Kriterien der Serienfertigung und offene Fragen
Das Design von GR3 basiert auf einem Kompromiss zwischen funktioneller Leistungsfähigkeit, Bauraum, Kosten, Ausfallraten, Eignung für das Simulationstraining und künftiger Serienfertigbarkeit. Detaillierte Angaben zu Erfolgsquoten im Dauereinsatz, einem konkreten Datum für die Massenauslieferung oder einer breiten Marktverfügbarkeit hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht.
