Boston Dynamics: Ex-Amazon-Manager Rohit Prasad übernimmt als CEO
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer US-amerikanische Robotikpionier Boston Dynamics hat einen Wechsel an seiner Führungsspitze vollzogen. Wie aus Branchenberichten hervorgeht, übernahm Rohit Prasad am 7. Oktober 2026 das Amt des Chief Executive Officer. Der frühere Amazon-Manager folgt auf Robert Playter, der das Unternehmen sechs Jahre lang leitete.
Prasad war zuvor zwölf Jahre lang bei Amazon tätig, wo er maßgeblich am Aufbau des Sprachassistenten Alexa beteiligt war. Davor forschte und entwickelte er 14 Jahre lang im Bereich des maschinellen Lernens bei Raytheon BBN Technologies.
Neuausrichtung auf industrielle Wiederholbarkeit und physische KI
Unter der neuen Führung setzt das mehr als 1.500 Mitarbeiter zählende Unternehmen auf eine beschleunigte Kommerzialisierung. Prasad fokussiert sich vor allem auf die industrielle Wiederholbarkeit und will das Unternehmen zu einem führenden Akteur im Segment der physischen künstlichen Intelligenz formieren. Boston Dynamics befinde sich in einer einzigartigen Position, diesen Zweig der Robotik voranzutreiben, betonte Prasad im Zuge der Ausrichtung.
Erste technische Anpassungen spiegeln diese Strategie wider: Der humanoide Roboter Atlas erhielt neue Hände mit 13 statt der bisherigen sieben Freiheitsgrade sowie einen Direktantrieb, was Präzisionsarbeiten unterstützen und das KI-Training in Simulationen verbessern soll. Für die technologische Weiterentwicklung von Atlas bestehen Partnerschaften mit Nvidia und Google DeepMind.
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Die ersten geplanten Einsatzgebiete des humanoiden Roboters umfassen das Schweißen sowie logistische Tätigkeiten; ab dem Jahr 2030 sollen komplexere Montageaufgaben folgen. Im Robotics Metaplant Application Center im US-Bundesstaat Georgia werden bereits erste Atlas-Einheiten für das Bewegen von Lasten über 10 Kilogramm eingesetzt.
Hyundai festigt Kontrolle und baut Lieferkette aus
Parallel zum Führungswechsel verstärkt der Mehrheitseigner Hyundai Motor Group, der seit 2021 beteiligt ist, seine Kontrolle und übernimmt die restlichen Anteile von SoftBank an Boston Dynamics. Der Automobilkonzern plant den werkseigenen Einsatz von Atlas-Humanoiden in Georgia ab dem Jahr 2028 und strebt dort eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 30.000 Humanoiden an.
Boston Dynamics hat Zulieferer bereits aufgefordert, Komponenten für 10.000 Atlas-Einheiten vorzubereiten; dabei handelt es sich um vorbereitende Planungsanfragen und noch nicht um bestätigte Bestellungen. Das offizielle Zielvolumen liegt zunächst bei 10.000 Einheiten.
Für die elektrische Ausführung von Atlas wurde inzwischen eine Tier-1-Lieferkette etabliert:
- Hyundai Mobis agiert als alleiniger Zulieferer sämtlicher kontinuierlicher Rotationsaktuatoren mit einem Spitzenmoment von bis zu 400 Newtonmetern und einer 360-Grad-Rotation, was 50 bis 60 Prozent der Materialkosten ausmacht.
- Die Batterien für eine Laufzeit von rund 3,5 Stunden stammen von Samsung SDI und LG Energy Solution.
- CTR und Hwashin Precision liefern Strukturkomponenten.
- Die Sensorik stellen Namuga, MCNEX und SOS Lab bereit.
- Als Recheneinheit dient der Jetson-Thor-Computer von Nvidia.
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Interne Diskussionen über Sicherheitsrichtlinien
Neben der strategischen Skalierung sah sich die Führung von Boston Dynamics zuletzt auch mit internem Protest konfrontiert. Im September 2026 unterzeichneten rund 300 Beschäftigte eine Petition gegen die Lieferung von vier vierbeinigen Spot-Robotern an die US-Einwanderungsbehörde ICE.
Das Auftragsvolumen lag bei 1,3 Millionen US-Dollar und wurde über den Dienstleister Radeco abgewickelt, wobei die Roboter unter der Bezeichnung Cerberus modifiziert werden. Die damalige Interims-CEO Amanda McMaster wies die Mitarbeiterpetition zurück und begründete dies mit den bestehenden Richtlinien des Unternehmens, die den Einsatz von Waffen auf den Plattformen strikt untersagen.
