Bodenqualität, Privatgärten

Bodenqualität: Privatgärten mit 58% schnellerem Abbau überdüngt

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 02:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Schweizer Untersuchung verknüpft unterschiedliche Zersetzungsraten mit der Landnutzung und weist in Gärten auf erhöhte Phosphorwerte hin.

Schweizer Bodenstudie erhält Ig-Nobelpreis für Unterhosen-Test
Nahaufnahme von fruchtbarem, dunklem Ackerboden in einer Schweizer Wiesenlandschaft bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Untersuchung der Bodenbeschaffenheit und der damit verbundenen biologischen Aktivität ist ein zentraler Bestandteil der Agrarforschung. Ein am 3. September 2026 mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnetes Projekt der Universität Zürich und des Kompetenzzentrums des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, Agroscope, liefert hierzu detaillierte Daten.

Die Studie mit dem Titel „Proof by Underpants“, die bereits am 26. August 2026 in der Fachzeitschrift „Plants, People, Planet“ veröffentlicht wurde, analysierte mithilfe einer unkonventionellen Methode die Zersetzungsprozesse in Schweizer Böden.

Methodik und Umfang der Bürgerwissenschaft

Das Forschungsprojekt zeichnete sich durch eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit aus. Insgesamt 1.000 Freiwillige beteiligten sich an der Datenerhebung, indem sie an ebenso vielen Standorten in der Schweiz Proben vergruben. Zum Einsatz kamen dabei 2.000 Baumwollunterhosen sowie 12.000 Teebeutel. Ziel dieses Versuchsaufbaus war es, die Geschwindigkeit des biologischen Abbaus organischen Materials unter realen Bedingungen zu messen.

Die Leitung der Untersuchung lag bei Marcel van der Heijden von der Universität Zürich und Franz Bender von Agroscope. Durch den flächendeckenden Ansatz konnten verschiedene Bodenarten und Nutzungsformen in die Analyse einbezogen werden, was eine belastbare Datengrundlage für die Bewertung der Bodenfruchtbarkeit schuf.

Ergebnisse zur Abbaugeschwindigkeit und Landnutzung

Die Auswertungen der Forscher nach einem Zeitraum von zwei Monaten zeigten signifikante Unterschiede in der Zersetzungsrate, die direkt mit der Art der Landnutzung korrelierten. In Privatgärten war der Abbau der Baumwollfasern mit 58 % am weitesten fortgeschritten. Auf landwirtschaftlichen Äckern betrug die Abbaurate 51 %, während sie auf Grünland bei 47 % lag. Die geringste Zersetzungsgeschwindigkeit wurde mit 40 % auf Rasenflächen gemessen.

Die statistische Analyse der Ergebnisse identifizierte die Landnutzung als den entscheidenden Faktor für den Abbauprozess. Das entwickelte Modell der Forscher kann laut den Studienergebnissen 16,5 % der Variation in der Zersetzungsgeschwindigkeit erklären. Dies unterstreicht, dass die menschliche Bewirtschaftung einen messbaren Einfluss auf die biologische Aktivität im Erdreich ausübt.

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Indikatoren für Nährstoffgehalt und Bodengesundheit

Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung betraf den Zusammenhang zwischen schneller Zersetzung und der chemischen Zusammensetzung des Bodens. Ein besonders rascher Abbau organischer Stoffe in Gärten deutet den Forschern zufolge häufig auf eine Überdüngung hin.

In den untersuchten Privatgärten wurde ein durchschnittlicher Phosphorwert von 13,74 mg/kg festgestellt. Dieser Wert liegt massiv über dem allgemeinen Richtwert, der sich in einem Bereich von 1,6 bis 4,3 mg/kg bewegt.

Die Wissenschaftler von der Universität Zürich und Agroscope wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die angewandte Methode zwar die Bodenfruchtbarkeit präzise abbildet, jedoch nicht mit der gesamten Bodengesundheit gleichzusetzen ist. Eine hohe biologische Aktivität durch ein Überangebot an Nährstoffen könne langfristig ökologische Nachteile mit sich bringen.

Handlungsempfehlungen für die Praxis

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Aus den gewonnenen Erkenntnissen leiteten die beteiligten Institutionen konkrete Empfehlungen für die Bewirtschaftung ab, um die natürliche Bodenfunktion zu erhalten. Fachleute von Agroscope raten dazu, verstärkt Kompost zu verwenden und darauf zu achten, den Boden dauerhaft bedeckt zu halten.

Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Bodenstruktur zu stabilisieren und die Fruchtbarkeit auf einem ökologisch nachhaltigen Niveau zu sichern, ohne die Risiken einer Überdüngung zu provozieren. Die Studie belegt somit, dass einfache organische Materialien als effektive Indikatoren für komplexe ökologische Zusammenhänge dienen können.

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