BMI-Diagnostik, MRT

BMI-Diagnostik: MRT erfasst viszerales Fett und Stoffwechselrisiken genauer

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden viszerales Bauchfett und zentrale Fettverteilung mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken; ergänzende Messmethoden liefern zusätzliche Hinweise.
Ein klinischer Untersuchungsraum mit medizinischer Bildgebungstechnik in einer sterilen und ruhigen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Aussagekraft des Body-Mass-Index (BMI) steht in der medizinischen Diagnostik zunehmend zur Diskussion. Fachleute weisen darauf hin, dass die isolierte Erfassung von Körpergewicht und Körpergröße wesentliche Stoffwechselrisiken verschleiert.

Eine differenzierte Bestimmung des viszeralen Fettvolumens, etwa mittels Magnetresonanztomographie (MRT), ermöglicht demnach eine deutlich zuverlässigere Einschätzung kardiometabolischer Gefahren als der traditionelle Index.

Bildgebende Verfahren verdeutlichen Einfluss des viszeralen Fetts

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die diagnostischen Vorzüge bildgebender Verfahren. Eine Studie der Universität Freiburg ergab, dass im MRT gemessenes viszerales Fettgewebe signifikant stärker mit metabolischen Risikofaktoren wie erhöhten Blutzucker- und Entzündungswerten korrelierte als der BMI.

Da MRT-Untersuchungen jedoch kostenintensiv und aufwendig sind, bedarf es für einen flächendeckenden Einsatz praxistauglicherer Alternativen wie dem Ultraschall.

Die spezifischen metabolischen Auswirkungen verdeutlicht zudem eine Querschnittsstudie an 474 Erwachsenen im Alter von 40 bis 65 Jahren ohne Diabetes.

Demnach ging jede Zunahme der BMI-adjustierten viszeralen Fettfläche um eine Standardabweichung (1 SD) mit einem niedrigeren Matsuda-Index (?=-0,41), einem höheren log HOMA-IR (?=0,10), höheren 2-h-Glukosewerten (?=0,22 mmol/l), einer größeren Glukose-Fläche unter der Kurve (AUC) (?=16,34 mmol/l×min) sowie einem niedrigeren oralen Dispositionsindex (?=-9,10) einher.

Im Gegensatz dazu wies die BMI-adjustierte subkutane Fettfläche keine signifikante Assoziation mit diesen Markern auf. Viszerales Fett war zudem mit WHO-definiertem Prädiabetes (OR=1,32) und isolierter gestörter Glukosetoleranz (OR=1,33) assoziiert, nicht jedoch mit ADA-definiertem Prädiabetes (OR=0,89, 95%-KI 0,70–1,12).

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Über die reine Menge hinaus gewinnt auch die Beschaffenheit des Gewebes an Bedeutung. Eine im August im International Journal of Obesity publizierte Untersuchung der Universität Oporto (FMUP) unter der Leitung von Jennifer Mancio analysierte Computertomographie-Aufnahmen von 1.736 Erwachsenen ohne bekannte Koronarerkrankung.

Unter Einsatz von Radiomik und Algorithmen künstlicher Intelligenz zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einem heterogeneren Texturmuster des abdominalen Fettgewebes und koronarer Kalzifizierung.

Mancio verwies darauf, dass BMI und Taillenumfang lediglich die Fettmenge, nicht jedoch die Texturbeschaffenheit erfassen. Die im Rahmen des SAFE-CT-Projekts ausgewerteten Daten wiesen Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf und nutzten vorhandene CT-Scans ohne zusätzliche Strahlenbelastung oder Extrakosten.

Alternative Indizes erfassen versteckte Gesundheitsrisiken

Zur Schließung diagnostischer Lücken werden mehrdimensionale Einstufungssysteme herangezogen. Das fünfstufige Edmonton Obesity Staging System kombiniert Fettverteilung, Laborwerte und körperliche Beeinträchtigungen und prognostiziert das Sterberisiko laut Studien präziser als der BMI allein.

Zudem belegen große Datenanalysen die Gefahr der sogenannten normalgewichtigen zentralen Adipositas. Eine in Scientific Reports veröffentlichte 70-Länder-Studie auf Basis von WHO-STEPS-Daten (2010–2023) mit 60.618 Teilnehmenden im Alter von 15 bis 29 Jahren ermittelte eine Prävalenz der zentralen Adipositas (Taillen-Größen-Verhältnis ?0,5) von 42,1% (95% CI 37,9–46,2).

Der Anteil der normalgewichtigen zentralen Adipositas lag bei 18,8% (95% CI 16,5–21,0). Betroffene Personen wiesen im Vergleich zu normalgewichtigen Gleichaltrigen ohne zentrale Fettverteilung erhöhte Risiken auf: für Hypertonie lag die bereinigte Odds Ratio (aOR) bei 1,28 (95% CI 1,15–1,41), für Diabetes bei 1,36 (95% CI 1,08–1,71) und für erhöhtes Cholesterin bei 1,90 (95% CI 1,70–2,13).

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Auch der Body-Roundness-Index (BRI) liefert prognostische Daten. Eine 2024 im Journal of the American Heart Association erschienene Untersuchung mit 9.935 chinesischen Erwachsenen zeigte für moderate-stabile BRI-Verläufe eine bereinigte Hazard Ratio (aHR) von 1,22 und für hohe-stabile Verläufe eine aHR von 1,55 bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen.

In der China Kadoorie Biobank mit 488.656 Teilnehmenden (mediane Nachbeobachtung 10,2 Jahre) war das höchste BRI-Quartil mit erhöhten Risiken für den kombinierten kardiovaskulären Endpunkt (aHR 1,37), koronare Herzkrankheit (aHR 1,52), Herzinsuffizienz (aHR 1,24) und Schlaganfall (aHR 1,41) assoziiert, wenngleich der Index etablierte Risikobewertungen nicht ersetzt.

Kardiometabolische Zusammenhänge und Handlungsansätze

Der Kardiologe Marcelo Bergamo betonte, dass viszerales Bauchfett Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck sowie Störungen des Cholesterin- und Triglyceridspiegels fördert und über die Bildung von Arterienplaques Infarkte sowie Schlaganfälle begünstigt.

Bergamo empfiehlt ein integriertes Vorgehen, das Bauchumfang, Lipidprofil, Nüchternblutzucker, Glukosekurven, Blutdruck und die Körperzusammensetzung analysiert.

Interventionen umfassen Ernährungsumstellungen, Ausdauer- und Krafttraining sowie Schlafhygiene und Stressmodulation. Fachleute raten in der Praxis generell zur Messung des Taillenumfangs, wobei Schwellenwerte bei rund 35 Zoll bei Frauen und 40 Zoll bei Männern angesetzt werden.

Hormonelle Umstellungen können diese Prozesse verstärken. Die Gynäkologin Marion Kiechle erläuterte, dass ein Östrogenabfall in den Wechseljahren Fettverlagerungen in den Bauchraum bewirkt. Das Follikelstimulierende Hormon (FSH) aktiviere Enzyme, die Zucker in Fett umwandeln, und blockiere den Fettabbau im Abdomen, verstärkt durch Testosteron-Dominanz und Insulinresistenz.

Bei starkem Leidensdruck stelle eine Hormonersatztherapie die Option der ersten Wahl dar. Ergänzend werden 150 Minuten Ausdauertraining pro Woche bei mittlerer Intensität, Krafttraining und proteinreiche mediterrane Kost empfohlen, um Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und Demenz zu senken.

Professor Kim Kyung-gon von der Gachon University berichtete, dass der Bevölkerungsanteil mit einem BMI über 30 in Korea von 2% vor drei Jahrzehnten auf aktuell 7 bis 8% gestiegen sei. Kim wies darauf hin, dass viszerales Fett Entzündungsstoffe freisetzt, und empfahl 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche sowie eine Proteinzufuhr von 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Hinsichtlich medikamentöser Therapien mit GLP-1-Präparaten wie Wegovy oder Mounjaro sei über ein Jahr ein Gewichtsverlust von etwa 2 bis 3 Kilogramm pro Monat beobachtbar; nach dem Absetzen komme es innerhalb eines Jahres jedoch zu einer Wiederzunahme von 60 bis 70%.

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