Blutzuckermessung: Smartwatches liefern lebensgefährlich ungenaue Werte
28.05.2026 - 16:20:48 | boerse-global.de
Die Nachfrage nach nicht-invasiver Blutzuckermessung ist riesig – doch aktuelle Tests zeigen: Viele günstige Smartwatches liefern lebensgefährlich ungenaue Werte. Fachgesellschaften und Verbraucherschützer schlagen Alarm.
Deutsche Diabetes-Gesellschaft warnt vor unseriösen Geräten
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat am 28. Mai 2026 eine formelle Warnung ausgesprochen. Der Grund: Immer mehr Smartwatches werben damit, Blutzucker messen zu können – ohne Nadel, ohne Blutstropfen. Doch die Geräte halten nicht, was sie versprechen.
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Manuel Eichenlaub vom Institut für Diabetes-Technologie in Ulm führte mehrere Tests durch, die die Unzuverlässigkeit dieser Geräte belegen. In einem besonders skurrilen Experiment maß eine Smartwatch an einer Banane – und zeigte angeblich völlig normale menschliche Blutzuckerwerte an.
Das Magazin report München testete am 26. Mai 2026 zusätzlich Modelle der Marke Shirem sowie Geräte, die zuvor bei Kaufland erhältlich waren. Die Ergebnisse sind alarmierend: Die Uhren erkannten selbst dann keine erhöhten Blutzuckerwerte, wenn die tatsächlichen Werte der Probanden deutlich über dem Normalbereich lagen.
Nach Nachfragen der Redaktion und einer Warnung im EU-Sicherheitsportal (Safety Gate) für das Modell F57L nahm Kaufland das Produkt aus dem Sortiment.
Lebensgefahr durch falsche Werte
Die Experten betonen: Diese Uhren sind keine zertifizierten Medizinprodukte. Wer sich auf ihre Daten verlässt, riskiert schwere gesundheitliche Folgen. In einem dokumentierten Fall spritzte sich ein Patient über mehrere Wochen hinweg zu wenig Insulin – basierend auf den fehlerhaften Angaben seiner Smartwatch.
Technische Grenzen der Billig-Wearables
Ein technischer Test der Newgen Medicals Vitaluhr FBT-230, veröffentlicht am 26. Mai 2026, zeigt ein differenziertes Bild. Während grundlegende Funktionen wie Schrittzählung, Pulsmessung und EKG weitgehend korrekt arbeiteten, waren die Messungen von Körpertemperatur und Blutzucker ungenau.
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Der Hersteller des rund 80 Euro teuren Geräts weist selbst darauf hin: Die Werte sind nicht medizinisch zertifiziert. Zudem fehlt der Vitaluhr-App die Anbindung an große Gesundheitsplattformen wie Google Fit oder Apple Health – für eine umfassende Gesundheitsüberwachung ist das Gerät damit kaum geeignet.
Apple arbeitet seit 15 Jahren an der Lösung
Doch die großen Tech-Konzerne geben nicht auf. Apple hat Berichten vom 27. Mai 2026 zufolge die Führung seines spezialisierten Projekts neu aufgestellt. Zongjian Chen übernimmt die Projektleitung von Tim Millet. Die Entwicklung läuft seit mehr als 15 Jahren.
Die Technologie nutzt Laser, die Licht unter die Haut schicken, um die Glukosekonzentration zu bestimmen. Branchenanalysten rechnen jedoch nicht vor mehreren Jahren mit einer Markteinführung in der Apple Watch. Das Problem: Die Messung muss nicht nur funktionieren, sondern auch zuverlässig sein – und das über Stunden und Tage hinweg.
Fortschritte bei zertifizierten Medizinprodukten
Während die nicht-invasiven Sensoren noch in den Kinderschuhen stecken, gibt es bei den zugelassenen kontinuierlichen Glukosemonitoren (CGM) große Fortschritte.
Abbott erhielt am 27. Mai 2026 die CE-Kennzeichnung für den Libre Duo – den nach Herstellerangaben weltweit ersten dualen Sensor für Glukose und Keton. Das System ist in zwei Versionen erhältlich: ein 15-Tage-Sensor für Erwachsene und eine 10-Tage-Variante für Kinder ab zwei Jahren. Der Marktstart in ausgewählten europäischen Ländern ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Parallel dazu gab Dexcom am selben Tag auf einer Investorenveranstaltung Details zur kommenden G8-Plattform bekannt. Der neue Sensor soll 50 Prozent kleiner sein als das aktuelle G7-Modell und verfügt über einen adaptiven Algorithmus sowie einen eigens entwickelten Chip. Dexcom plant die FDA-Zulassung für 2026, der Markteintritt wird für Ende 2027 oder Anfang 2028 erwartet. Künftige Versionen sollen auch Keton- und Kaliumwerte messen können.
Google verbessert Gesundheits-App
Auch die großen Plattformen arbeiten an der Zuverlässigkeit ihrer Gesundheitsdaten. Ende Mai 2026 kündigte Google ein umfassendes Update seiner Health-App an. Die Verbesserungen betreffen unter anderem die Trainingserkennung, die Kalorienberechnung für die Pixel Watch und die Schließung von Lücken in der Schlafaufzeichnung. Neue Funktionen wie eine 24-Stunden-Schlafansicht und eine optimierte Gesundheitsberatung sollen den Nutzern verlässlichere tägliche Übersichten bieten.
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