Bluttest pTau217: EU-Zulassung seit Juli ermöglicht Früherkennung
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 15:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftler entdeckten einen völlig neuen Mechanismus des Nervenzelltods – und ein Bluttest zur Früherkennung ist jetzt in der EU verfügbar.
Karyoptose: Ein neuer Zelltod-Mechanismus entdeckt
Forscher des King's College London haben einen bisher unbekannten Prozess identifiziert: die sogenannte Karyoptose. Dieser Mechanismus spielt bei Alzheimer und frontotemporaler Demenz (FTD) eine zentrale Rolle.
Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Communications, zeigen: Bei Alzheimer-Patienten trat Karyoptose in etwa 35 Prozent der Gehirnzellen auf. Bei gesunden Vergleichsgruppen waren es nur 15 Prozent.
Im Kern des Prozesses steht eine Interaktion zwischen der p38 MAP-Kinase und dem Protein LaminB1. Blockiert man diese Kinase, könnte das die Zerstörung der Nervenzellen verzögern. Ein potenziell neuer Ansatzpunkt für Therapien.
Bluttest auf pTau217: EU-Zulassung seit Mai 2026
Seit dem 1. Juli 2026 ist in der Europäischen Union ein Bluttest auf das Protein pTau217 verfügbar. Die Genauigkeit liegt bei über 90 Prozent.
Doch Vorsicht: Ein Experte des kbo-Klinikums Haar betont, dass der Test nur ein wichtiger Hinweis sei. Für eine gesicherte Diagnose brauche es weiterhin ein Gesamtbild aus bildgebenden Verfahren (CT oder MRT), Gedächtnistests und einer Untersuchung des Nervenwassers (Liquor).
Früherkennung: 34 Jahre vor Ausbruch?
Die diagnostischen Möglichkeiten erweitern sich rasant:
Der pTau217-Bluttest ist seit Juli 2026 EU-zugelassen und erkennt Alzheimer mit über 90% Genauigkeit. Doch wie nutzen Sie ihn richtig? Unser kostenloser Report vergleicht alle Früherkennungsmethoden und gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Jetzt Report anfordern
- Molekulare Marker: Eine Kombination aus 34 RNA-Markern im Blut könnte Alzheimer bis zu 34 Jahre vor dem Ausbruch vorhersagen.
- Digitale Diagnostik: Eine Smartphone-App aus Magdeburg erkennt durch regelmäßige Gedächtnistests frühe Anzeichen. Daten von über 200 Teilnehmern zeigen: Eine mehrmonatige Beobachtung via App liefert Signale, die mit einer achtjährigen klinischen Beobachtung vergleichbar sind. Die Studie erschien im Juni 2026 in npj Digital Medicine.
- Bildgebung: Das LMU Klinikum München setzt auf den neuen PET-Scanner „NeuroLF“. Er weist Amyloid-Ablagerungen ohne die herkömmliche enge Röhre nach – besonders relevant für Patienten mit Bewegungsstörungen.
Proteine, Lipide und ihr gefährliches Zusammenspiel
Forscher des Instituts TGen untersuchten im Mausmodell das Zusammenspiel von Amyloid-Beta, Tau und Alpha-Synuclein. Die Ergebnisse in Alzheimer's & Dementia zeigen: Besonders die Induktion von Tau-Proteinen nach der Bildung von Amyloid-Plaques führt zu verstärkten toxischen Aggregaten und Verhaltensverschlechterungen. Tau allein kann zudem Entzündungen in der weißen Substanz des Gehirns auslösen.
Wissenschaftler der Universität Osaka entwickelten verbesserte Verfahren für die Einzelzell-Massenspektrometrie. Damit lässt sich die Verteilung von Lipiden im Gehirn visualisieren – Lipide, die eng mit Alzheimer und Parkinson zusammenhängen. Eine Miniaturisierung der Geräte steigerte die Signalintensität deutlich.
Neue Therapien: Überraschende Effekte bei Diabetes-Medikamenten
Auf medizinischen Fachkongressen im Sommer 2026 präsentierten Unternehmen neue Daten. Roche stellte Ergebnisse zum Antikörper Trontinemab vor, Novo Nordisk Daten aus einer Phase-III-Studie zu Semaglutid.
Besonders spannend: Kohortenstudien mit über 112.000 älteren Teilnehmern deuten darauf hin, dass SGLT2-Inhibitoren das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent senken könnten. GLP-1-Rezeptor-Agonisten immerhin um 33 Prozent. Im Gegensatz dazu korrelierte die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) mit einem um 44 Prozent erhöhten Risiko.
Prävention: Ernährung und Kreatin als Hoffnungsträger
Wussten Sie, dass eine entzündungsarme Ernährung Ihr Demenzrisiko senken kann – selbst bei vorhandenen Alzheimer-Markern? Unser Report enthält einen konkreten Ernährungsplan und zeigt, wie Sie mit einfachen Maßnahmen vorbeugen. Ernährungsplan jetzt sichern
Eine prospektive Beobachtungsstudie in JAMA Network Open (2026) zeigt: Eine entzündungsarme Ernährung kann das Demenzrisiko senken – selbst wenn bereits biologische Alzheimer-Marker vorhanden sind.
Und noch ein vielversprechender Ansatz: Eine Pilotstudie mit Alzheimer-Patienten über acht Wochen zeigte moderate kognitive Verbesserungen bei täglicher Kreatin-Supplementierung.
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