Bluttest GPND-AI: 92,3% Genauigkeit bei Demenz-Diagnose
18.06.2026 - 00:21:22 | boerse-global.de
Forscher versprechen eine deutliche Verbesserung der Frühdiagnostik.
GPND-AI: KI unterscheidet vier Erkrankungen
Ein im Mai 2026 in der Fachzeitschrift Alzheimer & Dementia vorgestellter Bluttest namens GPND-AI zeigt, was künstliche Intelligenz in der Frühdiagnostik leisten kann. Das an der Washington University in St. Louis entwickelte Verfahren unterscheidet zwischen Alzheimer, Parkinson, frontotemporaler Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz.
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Die KI analysiert 15 spezifische Proteine – darunter p-tau217 – aus einer ursprünglichen Auswahl von 123 Markern. In einer Studie mit über 3.000 Patienten erreichte das System eine Genauigkeit von 92,3 Prozent.
Der entscheidende Vorteil: GPND-AI berechnet den proportionalen Einfluss verschiedener Erkrankungen bei einem Patienten. Das ist klinisch relevant, weil viele Betroffene an Mischformen leiden. Herkömmliche Methoden können diese oft nicht unterscheiden. Die Forscher bereiten derzeit klinische Studien für eine FDA-Zulassung vor. Die Validierung erfolgte unter anderem durch Abgleiche mit Hirngewebeproben nach Autopsien.
Marktreife Systeme für die Praxis
Parallel zur Forschung schreitet die Kommerzialisierung voran. Im Juni 2026 kündigte Sysmex Europe die Einführung der HISCL-Plattform an. Das System analysiert Alzheimer-Biomarker im Blut – und das in nur 17 Minuten.
Die Plattform misst Proteine wie p-Tau217 und die Amyloid-beta-Verhältnisse (A?42/40). Unabhängige Institutionen wie das Amsterdam UMC und die Sant Pau Memory Unit in Barcelona validierten das Verfahren. Die diagnostische Trennschärfe liegt bei AUROC-Werten von über 0,90.
Das Ziel: die bestehende Diagnoselücke schließen. Schätzungen zufolge werden derzeit über 90 Prozent der Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen nicht oder falsch diagnostiziert. Der Zugang zu aufwendigen PET-Scans oder Liquor-Untersuchungen ist oft begrenzt.
Zelluläres Altern als Risikofaktor
Großangelegte Proteomik-Studien liefern neue Einblicke in die Entstehung von Demenz. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Untersuchung analysierte mehr als 7.000 Proteine bei über 60.000 Personen. Ziel war es, das biologische Alter spezifischer Zelltypen zu bestimmen.
Die Ergebnisse: Bei 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung altert mindestens ein Zelltyp deutlich schneller als der restliche Organismus. Besonders gefährdet sind Träger der Genvariante APOE4. Bei ihnen altert eine bestimmte Art von Stützzellen im Gehirn vorzeitig – die Astrozyten. Das korreliert mit einem dreifach erhöhten Alzheimer-Risiko.
Auch systemische Faktoren spielen eine Rolle. Chronisch niedriger Blutdruck erhöht das Risiko bei weißen Bevölkerungsgruppen um den Faktor 2,74. Bei anderen ethnischen Gruppen ist dagegen Bluthochdruck ein signifikanter Risikofaktor. Experten betonen: Durch gezielte Beeinflussung von Lebensstil und Vorerkrankungen wäre ein erheblicher Teil der weltweiten Demenzfälle vermeidbar.
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Bildgebung bleibt zentral
Trotz aller Fortschritte bei Bluttests bleibt die Bildgebung ein wichtiger Pfeiler der Forschung. Seit Juni 2026 nutzt die Klinik UZ Leuven einen neuen PET-Scanner. Seine Auflösung ist bis zu 20-mal höher als bei herkömmlichen Geräten.
Solche Systeme machen Veränderungen im Gehirn bereits Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome sichtbar. Sie dienen als wichtige Referenz für die Validierung der neuen blutbasierten Verfahren.
