Bluthochdruck-Leitlinien: ISH setzt je nach Versorgung zwei Zielwerte
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie International Society of Hypertension (ISH) hat am 22. Oktober 2026 neue weltweite Leitlinien für das Hypertonie-Management vorgelegt. Das im Fachblatt Journal of Hypertension publizierte Regelwerk stellt die erste umfassende Aktualisierung seit dem Jahr 2020 dar und wurde auf dem ISH 2026 Scientific Meeting in Dubai vorgestellt.
Kernstück der Neuausrichtung ist ein pragmatischer, zweistufiger Versorgungsansatz, der zwischen einer Basisversorgung (essential care) und einer Optimalversorgung (optimal care) unterscheidet, um globalen Unterschieden in den Ressourcen des Gesundheitssystems Rechnung zu tragen.
Zweistufige Strategie und neue Zielwerte
Das Regelwerk differenziert die therapeutischen Ziele klar nach Versorgungsniveau. Für die Stufe der Basisversorgung gilt für alle betroffenen Patienten ein Zielblutdruck von 140/90 mm Hg. Im Rahmen der Optimalversorgung wird hingegen ein Zielwert von unter 130/80 mm Hg angestrebt.
Die formale Schwelle zur Diagnose eines Bluthochdrucks belässt die Fachgesellschaft unverändert bei 140/90 mm Hg. Zugleich reformiert die ISH die Nomenklatur: Werte von 130–139/85–89 mm Hg werden künftig als erhöhter Blutdruck (elevated blood pressure) statt wie bisher als hochnormal (high-normal) eingestuft.
Beim Behandlungsbeginn gibt die Fachgesellschaft ein risikobasiertes Vorgehen vor. Patienten mit hohem kardiovaskulärem Gesamtrisiko sollen umgehend eine medikamentöse Therapie erhalten. Bei Personen mit niedrigem Risiko sehen die Leitlinien zunächst eine dreimonatige Phase mit Lebensstiländerungen vor, bevor über eine Pharmakotherapie entschieden wird.
Wer sich mit dem Thema Blutdruckwerte befasst, sollte auch seine weiteren Laborparameter im Blick behalten, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Dieser kostenlose 25-seitige Ratgeber erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Gesundheit gezielt schützen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern
Diagnostik, neue Wirkstoffklassen und Adhärenz
Für die Diagnostik empfiehlt die Fachgesellschaft als optimale Methode eine standardisierte Heimmessung über sieben Tage, von denen an mindestens drei Tagen jeweils zwölf Messungen dokumentiert werden müssen. Von rein manschettenlosen Messgeräten (cuffless devices) rät die ISH für klinische Entscheidungen ab.
Auf therapeutischer Ebene ordnet die Organisation mehrere neuartige Wirkstoffklassen der optimalen Versorgungsebene zu. Dazu zählen Aldosteronsynthase-Inhibitoren, Endothelin-Rezeptor-Antagonisten sowie nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Zudem wird die renale Denervation als Option für spezialisierte Expertenzentren genannt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Therapietreue: Mangelnde Adhärenz wird in den Leitlinien explizit als modifizierbarer Risikofaktor aufgeführt. Um die Umsetzung im Alltag zu verbessern, kündigte die Fachgesellschaft einen Ein-Jahres-Aktionsplan sowie die Einführung einer auf künstlicher Intelligenz basierenden Anwendungssoftware namens ISH OnTheGo an.
Neben der medikamentösen Einstellung gibt es wissenschaftlich belegte Methoden, die Blutwerte ganz ohne schweißtreibendes Training oder Geräte zu verbessern. Erfahren Sie in diesem Spezialreport, welche drei Übungen den Blutdruck oft effektiver regulieren als klassischer Ausdauersport. Gratis-Report mit 3 Wunderübungen herunterladen
Forschungsimpulse und tragbare Messtechnologie
Parallel zum Kongress in Dubai, der als gemeinsame Tagung mit der Emirates Cardiac Society stattfand, rückten technologische Innovationen in den Blickpunkt. Auf der Veranstaltung stellte das Technologieunternehmen Huawei die HUAWEI WATCH D3 vor.
Nach Angaben des Herstellers verfügt das Gerät über eine oszillometrische Manschettenmessung am Handgelenk und besitzt als weltweit erstes Modell dieser Art sowohl eine europäische CE-Zertifizierung nach Medizinprodukterecht als auch eine Klasse-II-Zulassung in China. ISH-Präsident George Stergiou bezeichnete das System als innovativ und verlässlich.
Zudem richtete das Unternehmen gemeinsam mit der Fachgesellschaft einen Innovationsfonds für tragbare Blutdruckmessungen ein. Aus mehr als 80 Bewerbungen wurden drei Forschungsprojekte an der Universität Colombo, der Universität Edinburgh, der Universität Cambridge sowie dem Klinikum der Peking-Universität zur Förderung ausgewählt.
