Bluthochdruck-Behandlung, Demenzrisiko

Bluthochdruck-Behandlung: 15% niedrigeres Demenzrisiko in Langzeitdaten

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 19:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Langzeitdaten aus China zeigen weniger Demenz durch intensive Blutdruckkontrolle; Studien zu Lecanemab und Statinen liefern weitere Hinweise.

ESC-Kongress: Intensive Blutdrucktherapie senkt Demenzrisiko
Eine ländliche Hügellandschaft mit Terrassenfeldern im warmen Licht der goldenen Stunde. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse, die im Rahmen des ESC-Kongresses 2026 präsentiert wurden, unterstreichen die zentrale Bedeutung einer konsequenten Blutdruckeinstellung für die langfristige kognitive Gesundheit.

Besonders die Langzeitdaten der cluster-randomisierten CRHCP-Studie (China Rural Hypertension Control Program) liefern neue Belege dafür, dass eine intensive Behandlung des Bluthochdrucks das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, spürbar senken kann.

Ergebnisse der CRHCP-Studie im ländlichen China

Die Forscher Yingxiang Sun und Shanshan Zhong von der China Medical University Shenyang stellten die Auswertungen der CRHCP-Studie vor, die über einen Zeitraum von sieben Jahren durchgeführt wurde. Die Untersuchung schloss 33.995 Erwachsene im Alter ab 40 Jahren aus 326 Dörfern in ländlichen Regionen Chinas ein, die zu Beginn der Studie unter unbehandeltem Bluthochdruck litten.

Das Studiendesign sah eine vierjährige aktive Interventionsphase vor, gefolgt von einer dreijährigen Nachbeobachtung. In der Gruppe mit intensiver Behandlung wurden Zielwerte von unter 130 mmHg systolisch und unter 80 mmHg diastolisch angestrebt.

Ein besonderes Merkmal des Programms war die Durchführung der Behandlung durch geschulte medizinische Fachkräfte, die keine Ärzte sind, aber unter ärztlicher Aufsicht in einem sogenannten Stepped-Care-Modell agierten.

Nach sieben Jahren zeigte sich in der intensiv behandelten Gruppe ein um 15 % niedrigeres Demenzrisiko im Vergleich zur Gruppe mit üblicher Versorgung. Konkret trat eine Demenz bei 8,85 % der Teilnehmer in der Intensivgruppe auf, während der Anteil in der Vergleichsgruppe bei 10,55 % lag.

Bemerkenswert ist laut den Studiendaten, dass dieser Vorteil über den gesamten Zeitraum von sieben Jahren bestehen blieb, obwohl die Blutdrucksenkung nach dem Ende der aktiven Interventionsphase nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten wurde. Neben der Demenzprävention beobachteten die Forscher zudem ein verringertes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen ohne Demenz.

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Blutdruckmanagement als Schlüsselfaktor für den Therapieerfolg

Der Einfluss des Blutdrucks auf neurodegenerative Prozesse wird auch durch eine prospektive Real-World-Studie der Korea University College of Medicine gestützt, die unter der Leitung von Professor Sung Hoon Kang durchgeführt wurde. Die in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Untersuchung analysierte 153 Patienten, die mit dem Wirkstoff Lecanemab behandelt wurden.

Die Forscher stellten fest, dass ein zu Behandlungsbeginn bestehender Bluthochdruck unabhängig mit einem schwächeren Ansprechen auf die Therapie assoziiert war. Bei Patienten mit einer stärkeren Reduktion des Biomarkers p-Tau217 im Blut – ein Indikator für den Erfolg der Alzheimer-Behandlung – lag der Anteil der Hypertoniker bei lediglich 10,3 %.

In der Gruppe mit einer geringeren Reduktion des Biomarkers litten hingegen 42,3 % der Patienten an Bluthochdruck. Dieser Unterschied spiegelte sich auch in der kognitiven Entwicklung wider: Patienten mit einer stärkeren Senkung des p-Tau217-Wertes zeigten einen günstigeren Verlauf bei den CDR-SB-Werten, die den Schweregrad kognitiver Beeinträchtigungen messen.

Ergänzende Erkenntnisse zu Statinen und kognitiver Gesundheit

Zusätzlich zu den Daten zum Blutdruckmanagement wurden auf dem ESC-Kongress 2026 Ergebnisse einer dänischen Registerstudie präsentiert. Dr. Tummas Ternhamar vom Copenhagen University Hospital berichtete über eine Untersuchung an 132.585 neu diagnostizierten Typ-2-Diabetikern.

Die Analyse ergab, dass die Einnahme von Statinen innerhalb eines Jahres nach der Diabetes-Diagnose mit einem um 15 % geringeren relativen Demenzrisiko über einen Zeitraum von zehn Jahren verbunden war.

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Wie in The Lancet Regional Health – Europe veröffentlicht wurde, verringerte sich dieser präventive Effekt jedoch, wenn die Behandlung mit Statinen erst zu einem späteren Zeitpunkt nach der Diagnose begann.

Trotz der deutlichen Ergebnisse weisen die Autoren der CRHCP-Studie hin, dass die Daten aus ländlichen Regionen Chinas stammen. Eine unmittelbare Übertragung auf andere Bevölkerungsgruppen oder westliche Gesundheitssysteme sei daher nur bedingt möglich.

Auch bei der dänischen Registerstudie handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die zwar eine Assoziation aufzeigt, aber keinen kausalen Nachweis liefert. Weitere multizentrische und randomisierte Studien werden als notwendig erachtet, um diese Zusammenhänge global zu validieren.

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