Blutdrucktabletten: Bis zu 65 Prozent brechen die Behandlung im ersten Jahr ab
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachleute warnen eindringlich davor, verordnete Blutdruckmedikamente eigenmächtig abzusetzen oder lediglich bei auftretenden Beschwerden einzunehmen. Der Kardiologe Prof. Dr. Zubairi Djoerban betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer strikten Therapietreue nach ärztlicher Anweisung.
Zur Illustration verwies er auf den Fall einer Patientin, deren Blutdruckwerte infolge einer unregelmäßigen Einnahme drastisch zwischen 170/165 mmHg und 125/123 mmHg schwankten, da sie ihre Tabletten ausschließlich bei Kopfschmerzen einnahm. Eine unkontrollierte Hypertonie erhöhe langfristig das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte und schwere Nierenschäden erheblich.
Hohe Abbruchquoten und Lücken in der Therapietreue
Dass Patienten die verordnete Dauermedikation eigenmächtig unterbrechen, stellt weltweit ein massives Problem dar. Nach Angaben des russischen Kardiologen Jewgeni Schlyachto brechen bis zu 65 Prozent der Hypertonie-Patienten ihre Behandlung bereits im ersten Jahr nach der Verschreibung ab.
Über 30 Millionen Menschen in Russland wüssten entweder nichts von ihrem erhöhten Blutdruck oder behandelten diesen unregelmäßig, wodurch Zielwerte verfehlt würden. Bluthochdruck stehe dort mit mindestens 35 Prozent der kardiovaskulären Todesfälle in Verbindung.
Auch strukturierte Betreuungsansätze stoßen an Grenzen. Die cluster-randomisierte Untersuchung des RICH LIFE Projects an 30 Hausarztpraxen mit 1.555 Teilnehmenden verglich ein gestuftes Kooperationsmodell mit der Standardversorgung.
Die Therapietreue nach zwölf Monaten lag bei den schwarzen Teilnehmenden bei 45,4 Prozent im Kooperationsmodell gegenüber 46,1 Prozent in der Vergleichsgruppe. Bei den weißen Probanden beliefen sich die Werte auf 66,9 Prozent beziehungsweise 63,7 Prozent, womit bestehende Unterschiede in der Adhärenz durch das Programm nicht signifikant verringert werden konnten.
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Tückische Messfehler und falsche Sicherheit im Alltag
Neben mangelnder Therapietreue bergen unzuverlässige Heimmessungen erhebliche Gefahren. Dr. Ta Quang Thanh vom Hanoi Geriatrie-Krankenhaus berichtete über einen 68-jährigen Patienten, der über Jahre hinweg täglich Medikamente einnahm und zu Hause unauffällige Werte von etwa 120/80 mmHg ermittelte.
Bei der Einlieferung mit Schlaganfallsymptomen stellten die Ärzte jedoch Werte von über 180/110 mmHg fest. Als Ursache erwiesen sich ein defekter Gerätesensor und eine zu breite Manschette. Ta Quang Thanh ordnete derartige Fälle in typische Fehlerquellen ein, zu denen neben echten Therapieversagern auch Mess-, Fehlbewertungs- und Behandlungsfehler gehören.
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Witterungseinflüsse und Vorgaben für den Alltag
Zusätzliche physiologische Schwankungen treten insbesondere im Herbst auf. Prof. Li Ling vom Henan-Provinzkrankenhaus wies darauf hin, dass Temperaturwechsel durch Gefäßkontraktion zu Blutdruckschwankungen führen können. Bei stabiler Einstellung rät sie zu zwei Messungen an zwei bis drei Tagen pro Woche – jeweils morgens vor der Medikamenteneinnahme sowie am Abend.
Treten Schwankungen auf, sollten Betroffene sieben Tage in Folge jeweils zwei bis drei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten durchführen. Zudem empfiehlt Li Ling eine tägliche Salzaufnahme von unter 5 Gramm sowie drei- bis fünfmal wöchentlich 30 Minuten Sport nach 10 Uhr morgens.
Hinsichtlich des Einnahmezeitpunkts lieferte die TIME-Studie mit rund 21.000 Hypertonikern über eine Beobachtungszeit von 5,2 Jahren Klarheit: Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen einer Morgen- und einer Abendeinnahme bezüglich Herzinfarkten und Schlaganfällen (3,7 Prozent gegenüber 3,4 Prozent).
Auch spätere Analysen bestätigten, dass nicht die Tageszeit über den Erfolg entscheidet, sondern die zuverlässige und kontinuierliche Einnahme zum jeweils gleichen Zeitpunkt.
