Blutdruckmessung, Hause

Blutdruckmessung: Zu Hause gilt schon 135/ 85 mmHg als Hypertoniegrenze

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Messort und Verfahren verändern die Blutdruckwerte; Heimmessungen und 24-Stunden-Monitoring helfen bei der zuverlässigen Einordnung.
Ein minimalistischer, leerer Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einem einzelnen Stuhl vor einer weißen Wand. Illustration mit AI erstellt.

Die Diagnose von Bluthochdruck erfordert eine differenzierte Betrachtung des Messverfahrens. Wie die Kardiologin Irina Wassiljewa darlegt, hängen die diagnostischen Schwellenwerte maßgeblich davon ab, unter welchen Bedingungen der Blutdruck erfasst wird.

In der ärztlichen Praxis gilt traditionell ein Wert ab 140/90 mmHg als Kriterium für eine Hypertonie. Eine einzelne Messung reicht für eine gesicherte Diagnose jedoch in der Regel nicht aus, weshalb Bestätigungsmessungen erforderlich sind.

Abweichungen in der Praxis und Einflussfaktoren

Messungen in der Praxis können durch äußere Umstände verzerrt werden. Die Ärztin Alena Parezkaja weist darauf hin, dass die sogenannte Weißkittelhypertonie aufgrund von Nervosität zu Werten führen kann, die um bis zu 20 Einheiten über dem eigentlichen Niveau liegen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC weist bis zu rund ein Drittel der Personen mit hohem Praxisblutdruck außerhalb der Praxis normale Werte auf.

Zudem beeinflusst die Durchführung der Messung das Ergebnis. Mattias Brunström von der Universität Umeå stellte bei einem Vergleich von rund 10.000 schwedischen Patienten fest, dass Blutdruckmessungen in der Regelversorgung im Schnitt 4 mmHg höhere Werte ergeben als Messungen nach festgelegten Routinen.

Falsch hohe Werte bergen das Risiko unnötiger Medikamentengaben, die wiederum zu einem übermäßigen Blutdruckabfall und Ohnmachtsanfällen führen können. Für verlässliche Werte sollte die betroffene Person fünf Minuten ruhen, mit Rücken- und Fußstütze sitzen, die Manschette auf Herzhöhe anlegen und währenddessen nicht sprechen.

Häusliche Protokolle und Richtlinienvorgaben

Für die Heimmessung gelten strengere Grenzwerte als in der Praxis. Wassiljewa und Parezkaja zufolge wird eine Hypertonie zu Hause ab einem Mittelwert von 135/85 mmHg diagnostiziert. Die Beurteilung stützt sich dabei auf ein Sieben-Tage-Mittel mit jeweils zwei Messungen morgens und abends, sodass insgesamt 14 Messungen einfließen.

Anzeige

Wer sich mit der präzisen Messung seiner Werte befasst, möchte oft auch verstehen, welche weiteren Faktoren die eigene Gesundheit beeinflussen. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt verständlich, was wichtige Blutwerte wirklich bedeuten und wie man Vitalstoffmängel frühzeitig erkennt. Laborwerte-Selbstcheck: Jetzt kostenlos als PDF sichern

Internationale Leitlinien konkretisieren die Anforderungen an die Messung zu Hause. Die AHA/ACC-Leitlinie 2025 hebt hervor, dass 30 Minuten vor einer Messung auf Rauchen, Koffein und Sport verzichtet werden sollte; vor Beginn ist eine Ruhezeit von fünf Minuten im Sitzen bei entleerter Blase einzuhalten.

Nach Empfehlungen des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) sollte die Heimmessung mindestens vier, besser sieben Tage lang mit je zwei Messungen morgens und abends im Abstand von mindestens einer Minute erfolgen, wobei die Werte des ersten Tages verworfen werden.

Anzeige

Neben der korrekten Messung gibt es wissenschaftlich belegte Möglichkeiten, erhöhte Werte auf natürlichem Weg zu regulieren. Ein aktueller Report stellt drei einfache Übungen vor, die den Blutdruck effektiv senken können – ganz ohne Geräte oder Medikamente. 3 wissenschaftlich belegte Übungen gegen Bluthochdruck gratis ansehen

Ein Praxiswert ab 140/90 mmHg in Verbindung mit einem Heimmittelwert ab 135/85 mmHg bestätigt laut NICE die Diagnose Hypertonie. Bei Messwerten ab 180 mmHg systolisch oder 120 mmHg diastolisch soll nach mindestens einer Minute erneut gemessen werden; treten begleitend Brustschmerzen, Atemnot oder Sprachstörungen auf, liegt ein Notfall vor.

Langzeitmessung und maskierte Risiken

Als verlässlichstes Verfahren gilt das 24-Stunden-Monitoring (SMAD). Das Gerät erfasst tageszeitliche Schwankungen, darunter das nächtliche Absinken und morgendliche Anstiege. Ein 24-Stunden-Mittelwert ab 130/80 mmHg gilt als pathologisch.

Für die einzelnen Tagesabschnitte liegen die Grenzwerte laut Wassiljewa bei einem Tagesmittel ab 135/85 mmHg und einem Nachtmittel ab 120/70 mmHg. Für die Diagnose genügt es, wenn entweder der systolische oder der diastolische Schwellenwert überschritten wird.

Parezkaja warnt in diesem Zusammenhang vor der maskierten Hypertonie, bei der die Werte in der Praxis normal erscheinen, zu Hause jedoch erhöht sind. Das Risiko für einen Herzinfarkt ist bei dieser unentdeckten Form ebenso hoch wie bei einer manifesten Hypertonie.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70458660 |