Blutdruckmessung, Herabhängender

Blutdruckmessung: Herabhängender Arm erhöht den Wert um bis zu 6,5 mmHg

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ungünstige Armpositionen und fehlerhafte Heimgeräte können Blutdruckwerte verfälschen und dadurch die Einschätzung von Bluthochdruck beeinflussen.
Ein ruhiger, minimalistischer Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einem leeren Untersuchungstisch und Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Fachgesellschaften und medizinische Ratgeber weisen regelmäßig darauf hin, dass fehlerhafte Abläufe bei der Blutdruckmessung die ermittelten Werte erheblich verzerren können. Zu den häufigsten Ursachen für ungenaue Messergebnisse zählen Kaffeekonsum vor dem Test, eine falsche Armhaltung, eine fehlende Ruhephase sowie unpassende oder mangelhafte Manschetten.

Angesichts der hohen Dunkelziffer bei Bluthochdruck – über die Hälfte der Betroffenen weltweit weiß nichts von der Erkrankung, und allein in Großbritannien sind bis zu 5 Millionen von fast 16 Millionen Betroffenen undiagnostiziert – spielen verlässliche Messwerte eine entscheidende Rolle für Diagnose und Therapie.

Einfluss der Armhaltung auf den systolischen Druck

Die Positionierung des Arms während der Messung hat einen messbaren Einfluss auf die Ergebnisse. Eine an der Johns-Hopkins-Universität durchgeführte Untersuchung mit 133 Erwachsenen im Alter von 18 bis 80 Jahren ergab, dass ein ungestützt seitlich am Körper herabhängender Arm den systolischen Blutdruck um 6,5 mmHg und den diastolischen Wert um 4,4 mmHg erhöht. Liegt der Arm stattdessen auf dem Schoß, steigt der systolische Druck um etwa 4 mmHg.

Eine in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine veröffentlichte Studie unter Erstautor Hairong Lu und Koordination von Tammy Brady an der Johns-Hopkins-Universität, die mehr als 130 Personen im Alter von 18 bis 80 Jahren untersuchte, bestätigte diesen Effekt.

Gegenüber der empfohlenen Position führte die Ablage auf dem Schoß zu einem Anstieg des systolischen Drucks um rund 4 mmHg, während ein herabhängender Arm eine Steigerung um rund 7 mmHg bewirkte. Dadurch kann ein tatsächlicher Messwert von 133 mmHg fälschlicherweise auf etwa 140 mmHg steigen und zu einer unzutreffenden Hypertonie-Diagnose führen.

Vorbereitung, Ruhephasen und Messablauf

Mediziner betonen die Notwendigkeit einer strukturierten Vorbereitung. Der Kardiologe Aleksandr Myasnikov rät davon ab, vor der Messung Kaffee oder grünen Tee zu trinken, da dies die Daten verfälschen könne. Zudem solle die Messung sitzend mit unüberkreuzten Beinen, entleerter Blase, nicht unmittelbar nach dem Essen und mit auf Herzhöhe auf dem Tisch abgelegtem Arm erfolgen.

Allgemeine Leitlinien empfehlen, vor der Messung 5 Minuten ruhig zu sitzen und circa 30 Minuten vorher auf Koffein, Rauchen, Mahlzeiten und Sport zu verzichten. Die American Heart Association (AHA) rät zu einem ruhigen Raum, einer Rückenstütze, flach auf dem Boden stehenden Füßen sowie dem Verzicht auf Sprechen und Bewegung.

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Bei Messstress oder Weißkittel-Hypertonie kann eine dreiminütige Atemtechnik helfen: fünf Zyklen mit 4 Sekunden Einatmen durch die Nase, 2 Sekunden Anhalten und 6 Sekunden Ausatmen durch den Mund. Für eine korrekte Durchführung wird die Manschette 2 bis 3 Zentimeter über der Ellenbeuge angelegt, wobei ein Finger dazwischen passen sollte; Kleidung unter der Manschette ist zu vermeiden.

Fachquellen empfehlen zwei Messungen im Abstand von 1 bis 2 Minuten; weichen die Werte um mehr als 10 mmHg voneinander ab, folgt eine dritte Messung zur Mittelwertbildung. Die chinesische Hypertonie-Leitlinie von 2023 sieht zwei Messungen im Abstand von einer Minute vor.

Fehlerquellen bei Heimgeräten und Manschettengrößen

Auch die Messgeräte selbst bergen Fehlerpotenzial. Kanadische Wissenschaftler stellten nach einer einjährigen Untersuchung von Heim-Blutdruckmessgeräten fest, dass 70 Prozent der Geräte ungenaue Werte anzeigen. Abweichungen von 5 bis 10 mmHg beim systolischen oder diastolischen Wert führten dabei zu Fehleinschätzungen.

Laut Erhebungen der AHA können unkalibrierte Heimmonitore in bis zu 20 Prozent der Fälle Fehldiagnosen auslösen. Eine unpassende Manschettengröße – Standardmodelle sind für 9 bis 13 Zoll Armumfang ausgelegt – verfälscht die Werte zusätzlich.

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Die AHA empfiehlt, Heimgeräte alle ein bis zwei Jahre kontrollieren zu lassen, sowie vorzeitig nach Stürzen, bei ausgeleierter Manschette oder bei Abweichungen von 10 bis 15 mmHg gegenüber Praxiswerten. Ergibt ein Vergleichstest aus je drei häuslichen und klinischen Messungen eine Abweichung von mehr als 5 mmHg, sollte das Gerät professionell kalibriert oder ersetzt werden.

Grundsätzlich werden Oberarmgeräte bevorzugt. Handgelenkgeräte eignen sich nicht für Diabetiker, Personen über 65 Jahren oder Menschen mit peripheren Gefäßerkrankungen; bei Vorhofflimmern gelten Heimmesswerte generell als unzuverlässig.

Schwellenwerte und Besonderheiten

Für die Heimmessung gilt ein systolischer Wert ab 135 mmHg oder ein diastolischer Wert ab 85 mmHg als erhöht. In der Praxis liegt der Normalbereich unter 120/80 mmHg, während Werte ab 140/90 mmHg als erhöht eingestuft werden.

Bei einem einzelnen erhöhten Wert raten Fachleute von einer eigenmächtigen Medikamentendosis ab; stattdessen sollte nach einer kurzen Pause erneut gemessen und der Verlauf dokumentiert werden. Liegt ein sehr hoher Blutdruck zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot, starken Kopfschmerzen oder neurologischen Ausfällen vor, ist eine Notfallabklärung erforderlich.

Besondere Vorgaben gelten in der Pädiatrie, wo Bluthochdruck etwa 3 bis 5 Prozent der Kinder betrifft und häufig unterdiagnostiziert bleibt. Die Richtlinie der AAP von 2017 empfiehlt ab dem dritten Lebensjahr jährliche Messungen und bei Risikokindern eine Kontrolle bei jedem Arztbesuch.

Die Messung erfordert eine Ruhezeit von 3 bis 5 Minuten, die Nutzung des rechten Arms auf Herzhöhe, eine Manschettenblasenbreite von mindestens 40 Prozent des Armumfangs und bevorzugt ein auskultatorisches Verfahren.

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