Blutdruckkrise: VR und klassische Musik senken Werte um bis zu 15 Prozent
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Notfallmedizin stellen Patienten mit hypertensiver Urgenz eine beständige Herausforderung dar. Schätzungen zufolge weisen etwa 30 bis 50 Prozent der Patienten in Notaufnahmen stressbedingt instabile Blutdruckwerte auf.
Bei rund 2 bis 5 Prozent der Betroffenen wird eine hypertensive Krise diagnostiziert, die durch systolische Werte von mindestens 180 mmHg oder diastolische Werte ab 110 mmHg gekennzeichnet ist. Eine klinische Untersuchung am Ankara Bilkent City Hospital untersuchte in diesem Zusammenhang das Potenzial von Virtual Reality (VR) als ergänzende Therapiemethode.
Ergebnisse der klinischen Untersuchung in Ankara
Die Studie mit dem Titel „Effects of virtual reality and classical music therapy on early hemodynamics and anxiety in hypertensive urgency“ wurde im September 2026 auf dem Kongress der European Society for Emergency Medicine (EUSEM) präsentiert.
Im Rahmen der Untersuchung wurden 130 erwachsene Patienten randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt. Während beide Gruppen die medizinische Standardversorgung zur Blutdrucksenkung erhielten, wurde bei 65 Probanden zusätzlich eine Kombination aus VR und Musiktherapie angewendet.
Die Teilnehmer der VR-Gruppe nutzten VR-Brillen, über die virtuelle Naturlandschaften mit Bäumen und fließenden Gewässern gezeigt wurden. Parallel dazu wurde über Smartphones klassische Musik von Komponisten wie Bach, Mozart und Debussy eingespielt.
Die Forscher stellten fest, dass die VR-Gruppe nach 15 und 30 Minuten eine Reduktion von Angstzuständen und Blutdruckwerten verzeichnete, die um 12 bis 15 Prozent deutlicher ausfiel als in der Kontrollgruppe.
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Nach 15 Minuten lag der mittlere arterielle Druck in der VR-Gruppe statistisch signifikant unter dem der Vergleichsgruppe; die Reduktion vom Ausgangswert betrug zusätzlich etwa 4 bis 5 mmHg. Ein Mitglied des Abstract-Komitees des EUSEM-Kongresses ordnete die Ergebnisse als Einzelzentrums-Studie ein, deren Befunde weitere wissenschaftliche Untersuchungen rechtfertigten.
Auswirkungen der Krankenhausumgebung auf den Behandlungserfolg
Der Hauptforscher der Studie, Dr. Safa Dönmez von der University of Health Sciences Ankara, verwies auf den negativen Einfluss der herkömmlichen Krankenhausumgebung. Die oft unruhige Atmosphäre in einer Notaufnahme könne die Phase des erhöhten Blutdrucks unnötig verlängern.
Dr. Kadir Yenal, der als Co-Autor an der Studie mitwirkte, beobachtete gemeinsam mit dem Forschungsteam, dass durch den Einsatz der VR-Technologie in einigen Fällen auf zusätzliche Medikation verzichtet werden konnte.
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Die Daten zeigten jedoch auch zeitliche Grenzen der Methode auf. Während die VR-Anwendung in der frühen Phase der Behandlung zu einer signifikanten Beschleunigung der Erholung führte, glichen sich die Werte der VR-Gruppe und der Kontrollgruppe nach einer Dauer von 60 Minuten praktisch wieder an.
Einordnung in den aktuellen Forschungsstand und Marktlage
Die Erkenntnisse aus Ankara schließen an frühere wissenschaftliche Arbeiten an. Bereits im Jahr 2024 belegte eine Studie der Western Kentucky University, dass eine nur fünfminütige VR-Anwendung den systolischen und diastolischen Blutdruck klinisch signifikant senken kann.
Zudem wurde bereits im Jahr 2021 im Journal of Biomedical Informatics dargelegt, dass immersive Entspannungsumgebungen in der Lage sind, die sogenannte Weißkittel-Hypertension sowie allgemeine Angstzustände zu reduzieren.
Trotz der klinischen Hinweise auf eine verstärkte antihypertensive Wirkung durch Musik und VR ist die Integration in die Regelsysteme noch nicht abgeschlossen. So deckten die Leistungen der US-amerikanischen Krankenversicherung Medicare im September 2026 VR-Headsets oder entsprechende therapeutische Sitzungen noch nicht in der Breite als Standardleistung ab.
Fachleute weisen darauf hin, dass die Musiktherapie die Herzfrequenz verbessern und die Wirkung von Medikamenten für etwa eine Stunde nach der Verabreichung unterstützen könne.
