Blutdruck-Wearables, Geräte

Blutdruck-Wearables: Fünf Geräte liefern im Monatstest keine verlässlichen Alarme

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wearables können Herz-Kreislauf-Risiken früh erkennen helfen, doch ungenaue Messungen und offene Datenschutzfragen begrenzen ihren Nutzen.
Ein minimalistischer, heller Untersuchungsraum mit einem Holztisch und einem Wasserkaraffe, ohne Personen oder technische Geräte. Illustration mit AI erstellt.

Die digitale Erfassung von Vital- und Bewegungsdaten ist zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Fachbeiträge und Studien widmen sich verstärkt der Frage, welche Vor- und Nachteile die kontinuierliche Erfassung bietet und wie Messwerte bei Symptomen wie Schwindel oder Blutdruckschwankungen zu bewerten sind.

Während Befürworter Chancen für die Erkennung chronischer Erkrankungen sehen, weisen Experten auf methodische Ungenauigkeiten und Datenschutzprobleme hin.

Hohe Verbreitung trifft auf das Phänomen des Datenschutz-Paradoxons

Die Nutzung digitaler Gesundheitshelfer ist weit verbreitet. Eine Bitkom-Umfrage aus dem Vorjahr ergab, dass 73 Prozent der Befragten Programme für Fitness, Ernährung oder das allgemeine Wohlbefinden verwenden. Rund 43 Prozent greifen auf Tracking-Dienste wie Apple Health, Google Fit oder Health Connect zurück. Da viele dieser Anwendungen kostenlos bereitgestellt werden, finanzieren Nutzer den Zugriff häufig mit ihren persönlichen Daten.

Experten warnen davor, dass Messwerte durch die Endgeräte an Unternehmen übertragen werden, ohne dass die Anwender über deren genaue Weiterverwendung informiert sind. Forschende um Dr. Katharine Lee von der Tulane University in New Orleans warnten im British Medical Journal davor, dass bei Menstruationszyklus-Apps die Nachteile den Nutzen übersteigen könnten.

Der Schutz hochsensibler Informationen sei gefährdet und berge Gefahren unerwünschter Überwachung. Zudem gebe es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass solche Apps Menstruationsbeschwerden lindern, ebenso wenig wie die Sportwissenschaft einen allgemeinen Beleg für messbare Leistungseinflüsse der Zyklusphasen liefert.

Eine Studie der University of Swansea in Oxford Open Digital Health aus dem Jahr 2025 zeigte in diesem Zusammenhang ein klares Verhalten: Viele Nutzerinnen vermuten zwar, dass mehr Daten als nötig erfasst werden, verwenden die Anwendungen jedoch unverändert weiter.

Ungenaue Messungen und das Risiko von Fehlalarmen

Ein zentraler Kritikpunkt an handelsüblichen Geräten betrifft die Verlässlichkeit der Sensoren. Stefan Selke, Soziologe an der Hochschule Furtwangen, sieht in der mangelhaften Datenqualität das größte Problem. Weit verbreitete Orientierungsgrößen wie 10.000 Schritte am Tag oder siebeneinhalb Stunden Schlaf basieren auf Schätzwerten.

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Schrittzähler erfassen zumeist lediglich Beschleunigungsmuster des Arms, die sich individuell stark unterscheiden. Ungenaue Herzfunktionswerte können zudem Fehlalarme hervorrufen, ernste Gefahren übersehen sowie Ängste und Fehldiagnosen begünstigen.

Hersteller versuchen, Fehlmessungen durch neue Sensorsteuerungen zu begrenzen. Da Herzfrequenzsensoren empfindlich auf die Passform reagieren – lockere Armbänder liefern erratische Daten, zu feste schränken die Durchblutung ein –, sicherte sich Whoop ein Patent zur Messung der Sensorspannung auf der Haut über haptische Motoren, Gyroskope und Beschleunigungsmesser.

Ein Score-System zwischen minus zehn und plus zehn gibt dabei Korrekturhinweise, falls der Wert den Bereich zwischen minus fünf und plus fünf verlässt. Apple wiederum patentierte ein System, das Messungen zwischen mehreren Geräten abgleicht. Bei der Apple Watch Series 12 sowie der Ultra 4 stoppt das System die Aufzeichnung des Pulses gänzlich, falls Zweifel an der Signalqualität bestehen.

Potenziale in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Trotz technischer Hürden betonen Mediziner den diagnostischen Wert von Wearables für das Screening. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, sieht im kontinuierlichen Monitoring durch Sensoren handfeste Chancen für die Prävention, etwa um Vorhofflimmern frühzeitig außerhalb von Arztpraxen zu bemerken.

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Kroemer spricht sich für eine individuelle Risikoermittlung statt pauschaler Ratschläge aus, lehnt Beitragszuschläge für Risikogruppen ab und fordert freiwillige Monitoring-Modelle auf Basis europäischer Software- und Hardwarelösungen.

In den USA sind laut der Gesundheitsbehörde CDC rund 119 Millionen Erwachsene von Bluthochdruck betroffen. Georgios Stergiou, Leiter des Hypertonie-Zentrums der Universität Athen und Präsident der International Society of Hypertension, betomedizner bei einer Huawei-Veranstaltung zur Watch D3, dass manschettenlose Wearables zwar noch nicht perfekt oder voll diagnostisch seien, aber eine wertvolle Screening-Funktion böten, um Betroffene zum Arzt zu leiten.

Die Watch D3 ermöglicht eine 24-Stunden-Blutdruckaufzeichnung. Stergiou forderte zugleich eine genauere Quantifizierung der diagnostischen Treffsicherheit.

Dass manschettenlose Geräte die etablierte Oberarm-Manschette noch nicht ersetzen, belegte auch ein Praxistest der Journalistin Nicole Nguyen, die fünf Wearables – Oura Ring, Hilo Core, Google Pixel Watch 5, das Whoop-Band sowie die Apple Watch Series 12 – über einen Monat hinweg trug. Keines der Geräte gab verlässliche Alarme ab.

Auch die American Heart Association wies 2025 auf offene Fragen hin. Für Hinweise auf Hypertonie besitzen die Apple Watch Series 9 sowie die Ultra 2 und neuere Modelle zwar eine Freigabe der US-Arzneimittelbehörde FDA – diese gilt jedoch mit Einschränkungen nur für Personen ab 22 Jahren, die nicht schwanger sind und das Gerät an mindestens 14 von 30 Tagen getragen haben.

Die Kosten für solche Wearables bleiben spürbar: Neben Anschaffungspreisen von bis zu 400 US-Dollar für Uhren fallen für viele Systeme wie Oura, Whoop oder Hilo wiederkehrende Abonnements von bis zu 359 US-Dollar pro Jahr an.

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