Blutdruck-Paradox, Druck

Blutdruck-Paradox: Zu niedriger Druck erhöht Alzheimer-Risiko

16.06.2026 - 08:14:08 | boerse-global.de

Neue PET- und CT-Scanner sowie KI-gestützte Verfahren verbessern die Früherkennung von Alzheimer, Parkinson und ALS deutlich.

Medizinische Bildgebung 2026: KI und PET-Scanner revolutionieren Diagnostik
Blutdruck-Paradox - Ein hochmoderner PET-Scanner mit futuristischem Design und blauen Lichtern in einer sterilen medizinischen Umgebung für neurologische Diagnostik. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue PET-Scanner und KI-gestützte Analyseverfahren erkennen Alzheimer, Parkinson und ALS deutlich präziser als bisher.

NeuroExplorer: 20-mal schärfer als herkömmliche Geräte

Am Universitätsklinikum Leuven (UZ Leuven) in Belgien läuft seit Juni 2026 der NeuroExplorer PET-Scanner im klinischen Routinebetrieb. Das Gerät des Herstellers United Imaging Healthcare liefert eine bis zu 20-mal höhere Detailgenauigkeit als herkömmliche PET-Scanner. In einer sechsmonatigen Testphase wurden bereits über 400 Patienten untersucht.

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Professor Koen Van Laere von der KU Leuven vergleicht den Fortschritt mit dem Effekt einer ersten Brille für Kurzsichtige. Die verbesserte Bildschärfe macht biologische Prozesse selbst in kleinsten Hirnstrukturen wie dem Hirnstamm sichtbar. Neurochirurg Thomas Decramer sieht Vorteile auch bei der Planung von Eingriffen – etwa bei der Entfernung von Mikrotumoren oder der Platzierung von Elektroden für die tiefe Hirnstimulation.

Parallel dazu setzt das Flevoziekenhuis im niederländischen Almere als erste Klinik den Rembra-CT-Scanner von Philips ein. Das Gerät nutzt KI zur Bildoptimierung und hat eine Öffnung von 85 Zentimetern – das soll den Patientenkomfort erhöhen.

Smartphone-Tests erkennen kognitive Veränderungen früher

Neben der stationären Bildgebung gewinnen digitale Testverfahren an Bedeutung. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), der University of Wisconsin-Madison und des Start-ups neotiv untersuchte Smartphone-basierte Gedächtnistests. 202 ältere Erwachsene nahmen teil, 50 von ihnen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI). Über sieben bis zwölf Monate führten die Probanden alle zwei Wochen Tests mit einer speziellen App durch. Die Ergebnisse deuten darauf hin: Digitale Verfahren erfassen kognitive Veränderungen schneller als herkömmliche klinische Tests.

Auch in der Labor-Diagnostik gibt es Fortschritte. Eine multizentrische Studie in „Nature Communications“ zeigt neue Differenzierungsmöglichkeiten auf. Die Untersuchung von 385 Probanden ergab: Bestimmte p-Tau-Proteine im Blut, die lange als spezifische Alzheimer-Biomarker galten, kommen auch bei ALS-Patienten in erhöhter Konzentration vor. Bluttests für ein Alzheimer-Screening könnten daher weniger spezifisch sein als gedacht – sich aber als ALS-Biomarker eignen.

Blutdruck-Paradox: Zu niedrige Werte erhöhen Alzheimer-Risiko

Eine Studie vom 10. Juni 2026 im „Journal of the American Heart Association“ unterstreicht die Bedeutung der Blutdruckeinstellung. Die Analyse von Daten aus der UK Biobank und dem „All of Us Research Program“ mit knapp 800.000 Erwachsenen zeigt ein Blutdruck-Paradox: Bluthochdruck ist ein bekannter Risikofaktor – aber auch zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) korreliert mit einem deutlich erhöhten Alzheimer-Risiko. In der weißen Bevölkerungsgruppe stieg das Risiko bei Hypotonie um das Zwei- bis Dreifache. Bei schwarzen und hispanischen Probanden blieb Bluthochdruck der dominierende Risikofaktor.

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2,1 Millionen Demenzkranke drohen – wenn nichts passiert

Die Relevanz der Früherkennung wird durch Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) deutlich. Ohne verstärkte Prävention könnte die Zahl der Demenzkranken in Deutschland bis 2060 auf rund 2,1 Millionen steigen. Würden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Bildungsdefizite konsequent adressiert, ließe sich die Zahl auf 1,3 bis 1,5 Millionen stabilisieren.

Um seltene Gefäßerkrankungen des Gehirns besser zu erforschen, gründet die Universitätsmedizin Magdeburg zusammen mit der Harvard Medical School und der Boston University das „Transatlantic Network of Excellence“. Das Projekt widmet sich der zerebralen Amyloidangiopathie (CAA) und wird von der Leducq Foundation mit rund 8 Millionen Euro gefördert. Der Start ist für Anfang 2027 geplant.

Neuer Wirkstoffkandidat: CPD10 stabilisiert Mitochondrien

In der Therapie-Forschung gibt es ebenfalls Neuigkeiten. Wissenschaftler der ETH Zürich berichten in „Cell Reports Medicine“ über den Wirkstoffkandidaten CPD10. In präklinischen Versuchen stabilisierte er die Mitochondrien-Funktion in Nervenzellen und reduzierte Alzheimer-typische Ablagerungen. Klinische Studien am Menschen stehen noch aus.

de | wissenschaft | 69550174 |