Blutdruck-Medikament, Gestank

Blutdruck-Medikament: Gestank führt zu Therapieabbruch bei Patienten

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 02:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Übel riechende Telmisartan-Tabletten von Zentiva führen zu Therapieabbrüchen. Apotheker sollen Patienten aufklären und Alternativen prüfen.

Zentiva Blutdruckmittel: Gestank gefährdet Therapietreue
Nahaufnahme einer Hand, die eine Blisterpackung mit Pillen hält, aus der ein leichter, kaum wahrnehmbarer Dampf oder Geruch aufsteigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) und das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) warnen vor Geruchsauffälligkeiten bei Telmisartan-Präparaten des Herstellers Zentiva.

Hopfenartiger Gestank aus der Tablettenpackung

Betroffen sind Telmisartan Zentiva in den Dosierungen 40 mg und 80 mg sowie die Fixkombination Telmisartan/HCT Zentiva. Seit 2024 dokumentierten die Behörden 44 Meldungen über unangenehme Gerüche. Patienten beschrieben sie als hopfenartig, chemisch oder muffig.

In sieben Fällen führten die sensorischen Beeinträchtigungen zu Übelkeit oder einem Therapieabbruch. Laboruntersuchungen wiesen Ethanol und 2-Ethylhexanol als Ursache nach. Die Stoffe stammen aus der Formulierung und der Verpackung in Alu/Alu-Blistern.

Ein Qualitätsmangel im pharmazeutischen Sinne liegt nicht vor. Trotzdem gefährdet der Gestank die Therapietreue massiv. Apotheker sollen Patienten aufklären oder bei anhaltenden Problemen den Hersteller wechseln.

Digitaler Medikationsplan: Große Zustimmung, wenig Umsetzung

Ein elektronischer Medikationsplan könnte die Therapietreue verbessern. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes mit über 8.500 Teilnehmern zeigt: Rund 90 Prozent der Befragten halten ein solches Tool für sinnvoll.

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Das ist relevant: Etwa 36 Prozent der Patienten nehmen dauerhaft drei oder mehr Medikamente ein. Die elektronische Patientenakte (ePA) ist bereits weit verbreitet – doch das Thema wird in Praxen selten angesprochen.

Eine Pilotphase für die erweiterten Funktionen des digitalen Medikationsplans startete am 14. Juli. Die flächendeckende Umsetzung soll bis zum Herbst folgen. Experten erhoffen sich weniger Medikationsfehler und mehr Übersicht. Bisher nutzen rund 62 Prozent der Patienten nur einen Plan in Papierform.

Höhere Zuzahlungen ab Juli 2026

Auch finanzielle Faktoren belasten chronisch Kranke. Das Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) sieht umfangreiche Einsparungen vor. Die Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente steigen im Juli von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) kritisiert die Belastungen für forschende Unternehmen. Sie müssten einen erheblichen Teil der Einsparungen tragen.

Seit dem 1. Juli gibt es zudem eine neue Chronikerpauschale (EBM 03100). Sie ist für die Behandlung von Bluthochdruck-Patienten mit kontinuierlicher Medikation vorgesehen. Die Abrechnung ist auf einmal pro Halbjahr begrenzt und soll die hausärztliche Betreuung von 18- bis 74-Jährigen unterstützen.

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Hohe Abbruchquoten auch bei anderen Therapien

Das Problem der Therapietreue betrifft auch andere chronische Indikationen. Bei GLP-1-Rezeptoragonisten zur Gewichtsreduktion sprechen 10 bis 30 Prozent der Patienten nicht ausreichend an. Neben genetischen Faktoren nennen Experten Anwendungsfehler und hohe Abbruchquoten.

Zwischen 20 und 60 Prozent der Anwender brechen die Therapie innerhalb eines Jahres ab. Das unterstreicht die Notwendigkeit einer engen fachlichen Begleitung. Auch eine Untersuchung im Fachjournal JAMA Network Open zur Wirksamkeit von Tamsulosin bei Prostata-Vergrößerungen empfahl regelmäßige Therapieüberprüfungen – ein signifikanter Anteil der Teilnehmer spürte kaum Wirkung.

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