Blutbiomarker, Demenzformen

Blutbiomarker: KI unterscheidet vier Demenzformen mit 92,3% Genauigkeit

02.06.2026 - 19:14:48 | boerse-global.de

Neue Studien belegen: Blut-Biomarker zeigen Alzheimer-Veränderungen Jahre vor Symptomen. KI verbessert zudem die Unterscheidung von Demenzformen.

Blutbiomarker: KI unterscheidet vier Demenzformen mit 92,3% Genauigkeit - Bild: über boerse-global.de
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Forscher haben Biomarker identifiziert, die pathologische Veränderungen im Gehirn anzeigen – lange bevor Patienten über Gedächtnisprobleme klagen.

Frühwarnsystem im Blut

Zwei im Juni im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Studien belegen: Alzheimer-assoziierte Veränderungen sind bereits im mittleren Lebensalter nachweisbar. Grundlage war die CARDIA-Studie mit rund 1.350 Teilnehmern (Durchschnittsalter: 61 Jahre). Die Analyse von Blut-Biomarkern wie Beta-Amyloid (A?42, A?40) und dem phosphorylierten Tau-Protein (p-tau217) zeigte bei etwa sechs Prozent der Probanden erhöhte Werte.

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Diese Gruppe wies bereits zu Beginn eine geringere kognitive Leistung auf. Nach fünf Jahren hatten sie ein 2,5- bis 4-fach höheres Risiko für einen beschleunigten Abbau des verbalen Gedächtnisses und der Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Parallel dazu erwies sich der neue PET-Tracer MK6240 als effektiv: Er identifizierte doppelt so viele Tau-positive Fälle wie das bisherige Standardverfahren Flortaucipir. Kristine Yaffe von der University of California, San Francisco, betont den Wert der Früherkennung für künftige Präventionsstrategien. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verwies auf die Bedeutung von p-tau217-Werten, um beginnende Demenzprozesse bereits bei 60-Jährigen messbar zu machen.

KI unterscheidet Demenzformen

Neben der Früherkennung rückt die präzise Differenzierung verschiedener Demenzformen in den Fokus. Ende Mai präsentierten Wissenschaftler der Washington University in St. Louis ein KI-gestütztes Verfahren, das 15 spezifische Blutproteine analysiert. In einer Studie im Fachmagazin Alzheimer's & Dementia erreichte das System eine Genauigkeit von 92,3 Prozent bei der Unterscheidung von vier Demenzformen – darunter Alzheimer und Parkinson – gegenüber gesundem Altern. Die Datengrundlage: mehr als 3.200 Probanden und über 200 Autopsiefälle.

Digitale Screening-Werkzeuge ergänzen die laborgestützten Tests. Forscher der Universität Westböhmen in Pilsen stellten die App „DigiDiadem“ vor. Sie wertet Sprachmuster in zehn Aufgabenstellungen mittels KI aus. Das Tool soll als niederschwelliges Screening dienen, ersetzt aber keine umfassende klinische Diagnose.

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Neue Erklärungsmodelle für den Krankheitsverlauf

Eine Studie der Universität Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), erschienen im Mai in Nature Communications, beleuchtet die Rolle von T-Zellen. In frühen Stadien dominieren Mikrogliazellen, im späteren Verlauf sammeln sich Killer-T-Zellen an den Amyloid-Plaques im Gehirn an und treiben Entzündungsprozesse voran. Die Identifizierung spezifischer Signalwege wie CXCL10 könnte künftig Ansatzpunkte für zeitlich präzise abgestimmte Immuntherapien bieten.

Eine weitere Arbeit aus dem Jahr 2025 untersuchte die S-Nitrosylierung des STING-Proteins. Diese durch oxidativen Stress ausgelöste Veränderung löst Neuroinflammationen aus. Im Labor konnte die Blockade dieses Prozesses den Synapsenverlust reduzieren – ein weiterer potenzieller Angriffspunkt für die Medikamentenentwicklung.

Auswirkungen auf den Pharmasektor

Die Fortschritte in der Diagnostik haben direkte Auswirkungen auf die Pharmaindustrie. Anfang Juni meldete das Unternehmen INmune Bio statistisch signifikante Behandlungseffekte in einer Phase-2-Studie (MINDFuL) zu Alzheimer – die Aktie stieg deutlich. Die Verfügbarkeit neuer Antikörper-Therapien wie Donanemab und Lecanemab, die in einigen Regionen bereits seit 2025 zugelassen sind, erhöht den Bedarf an präzisen Früherkennungstests.

Blutbasierte Tests erreichen bereits eine Genauigkeit, die mit PET-Scans oder Liquoranalysen vergleichbar ist. Fachorganisationen wie Alzheimer's Research UK betonen jedoch: Die Verfahren sind derzeit primär für Patienten mit kognitiven Symptomen gedacht, nicht als allgemeines Screening für gesunde Personen. Die Integration in den klinischen Alltag erfordert weiterhin eine umfassende ärztliche Bewertung – bietet aber die Chance, Patienten frühzeitiger einer geeigneten Therapie zuzuführen.

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