Blockchain-Wendepunkt, SEC

Blockchain-Wendepunkt: SEC erteilt erste Lizenz für Wertpapierabwicklung

31.05.2026 - 03:09:35 | boerse-global.de

US-Börsenaufsicht erteilt Paxos erste Lizenz als Wertpapier-Abwicklungsstelle. Sieben Zentralbanken starten Live-Tests für digitale Währungsplattform.

Blockchain-Wendepunkt: SEC erteilt erste Lizenz für Wertpapierabwicklung - Foto: über boerse-global.de
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Die US-Börsenaufsicht SEC hat erstmals einem Blockchain-Unternehmen eine Lizenz als Wertpapier-Abwicklungsstelle erteilt. Parallel dazu testen sieben Zentralbanken live eine gemeinsame digitale Währungsplattform. Die Entwicklungen Ende Mai 2026 markieren einen Wendepunkt: Aus Experimenten wird ernsthafte Infrastruktur.

Historische SEC-Lizenz für Paxos

Am 29. Mai 2026 erhielt die Paxos Securities Settlement Company die Zulassung als Clearing-Agentur. Damit ist Paxos das erste Unternehmen, das auf Blockchain-Basis als zentrale Wertpapierverwahrstelle für US-Aktien agieren darf. Der Genehmigung ging ein siebenjähriger Dialog mit der SEC voraus – inklusive eines Pilotprojekts ab Februar 2020, an dem Institute wie die Bank of America, die Credit Suisse und die Societe Generale beteiligt waren.

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Die neue Lizenz ermöglicht die Abwicklung von US-Aktien noch am selben Handelstag (T+0) – eine deutliche Beschleunigung gegenüber herkömmlichen Marktzeiten. Paxos-CEO Charles Cascarilla spricht von einem grundlegenden Schritt, um den Partnern des Unternehmens – darunter PayPal und Mastercard – eine vollständige Infrastruktur zu bieten.

Projekt Agorá geht in die Live-Phase

Parallel dazu gaben die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und das Institute of International Finance (IIF) bekannt, dass Project Agorá in die Live-Testphase mit echten Werten übergeht. Das Projekt umfasst sieben Zentralbanken – darunter die Federal Reserve Bank of New York, die Bank of England und die Bank of Japan – sowie mehr als 40 private Finanzinstitute.

Ziel ist ein einheitliches Multi-Währungs-Hauptbuch. Durch sogenannte atomare Abwicklung sollen die Reibungsverluste des traditionellen Korrespondenzbankwesens beseitigt werden. Branchenbeobachter sehen in dem Projekt auch eine defensive Strategie der Zentralbanken: Sie wollen die Kontrolle über das Geldsystem behalten, während private Stablecoins immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das System integriert zudem Compliance-Maßnahmen wie Geldwäschebekämpfung direkt auf der Ledger-Ebene.

Stablecoins erreichen den Massenmarkt

Einen Meilenstein für den kommerziellen Bankensektor setzte SoFi Technologies am 27. Mai 2026. Mit SoFiUSD brachte die erste von der US-Aufsicht OCC regulierte Nationalbank einen eigenen Stablecoin in eine Verbraucher-App. Der Token steht 14,7 Millionen Mitgliedern auf den Blockchains Ethereum und Solana zur Verfügung und ist eins zu eins durch liquide Vermögenswerte gedeckt. Bereits wenige Tage nach dem Start überstieg die Marktkapitalisierung des Tokens auf dem Ethereum-Netzwerk 100 Millionen US-Dollar.

Einen Schritt weiter geht Circle: Am 29. Mai 2026 kündigte das Unternehmen Arc an – eine speziell für die sogenannte „Agentic Economy" und KI-Agenten entwickelte Blockchain der ersten Ebene. Das Netzwerk bestätigt Transaktionen in weniger als einer Sekunde und ermöglicht „Nanobezahlungen" ab 0,000001 US-Dollar. Die Transaktionsgebühren werden in USDC abgerechnet. Bereits am 27. Mai hatte Circle eine Partnerschaft mit Nium geschlossen, die es Finanzinstituten erlaubt, Auszahlungen in über 100 Währungen in 190 Ländern über eine einzige Schnittstelle abzuwickeln.

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Tokenisierung als „fundamentaler Architekturwechsel"

Die Dynamik im digitalen Finanzwesen wird durch aktuelle Marktdaten und hochrangige Forschung untermauert. Auf einer Konferenz der Federal Reserve Banks of Boston and New York am 22. Mai 2026 bezeichnete Tobias Adrian, Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Tokenisierung als fundamentalen Architekturwechsel für das globale Finanzsystem. Allerdings wiesen Forscher auch darauf hin, dass selbst theoretisch sichere digitale Währungen Liquiditätsabflüsse erleiden können, wenn die Transaktionsgebühren zu hoch sind.

Die Marktdaten aus dem Frühjahr 2026 zeigen beeindruckende Entwicklungen:

  • Tokenisierte reale Vermögenswerte (RWA): Ihre Marktkapitalisierung stieg um 256,7 Prozent auf 19,32 Milliarden US-Dollar (Stand: März 2026).
  • Krypto-Besitz in den USA: Die Zahl der Nutzer wuchs auf 67 Millionen – ein Plus von 12 Millionen neuen Teilnehmern zwischen 2025 und 2026.
  • Unternehmensadoption: Trotz der technologischen Fortschritte nutzen einer Studie von PYMNTS Intelligence zufolge nur 13 Prozent der mittelständischen Unternehmen Stablecoins. Das zeigt eine deutliche Lücke bei der Off-Chain-Nutzung und dem Bankzugang.

DTCC plant Tokenisierung von Aktien und Anleihen

Ein weiterer Vorstoß kommt von der Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) und der Stellar Development Foundation. Am 27. Mai 2026 kündigten sie an, Vermögenswerte aus dem DTC-Bestand zu tokenisieren. Die Umsetzung ist für das erste Halbjahr 2027 geplant und konzentriert sich auf Russell-1000-Aktien, börsengehandelte Fonds (ETFs) und US-Staatsanleihen. Grundlage ist ein dreijähriges SEC-No-Action-Schreiben aus dem Jahr 2025.

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