Blindengarten, Bremen

Blindengarten Bremen: 110 Braille-Schilder im 3-D-Druck für Barrierefreiheit

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 04:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Senioreneinrichtungen setzen zunehmend auf Gärtnern zur Förderung von Motorik und sozialer Teilhabe. Modellprojekte zeigen Erfolge.

Gartenarbeit als Therapie: Neue Projekte für Senioren
Ältere Hände gärtnern in einem Hochbeet, umgeben von Pflanzen und Sonnenlicht, das durch Blätter fällt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Was als Trend begann, ist heute wissenschaftlich belegt – gärtnerische Tätigkeiten fördern Motorik, Kognition und soziale Teilhabe.

Die Bandbreite reicht von therapeutischen Hochbeet-Projekten bis zu High-Tech-Blindengärten. In Thüringen, Bremen und dem Saarland entstehen derzeit Modellprojekte, die zeigen, wie Natur und Pflege perfekt verschmelzen.

Hochbeete für mehr Selbstständigkeit

Das Projekt „Pflegeacker“ in Thüringen geht neue Wege. Acht Einrichtungen der Landhaus Seniorenwohngemeinschaften haben das Gärtnern fest in den Tagesablauf integriert. Die Bewohner pflegen ihre Hochbeete eigenverantwortlich – vom Säen bis zur Ernte.

Finanziert wird das auf drei Jahre angelegte Vorhaben von der Techniker Krankenkasse und der AckerCompany GmbH. Die Koordination liegt beim Dienstleister Victor's Victality.

Die Ergebnisse sind vielversprechend: Die Arbeit mit Pflanzen setzt gezielt motorische und kognitive Reize. Noch wichtiger: Die Senioren erleben Selbstwirksamkeit. Sie übernehmen Verantwortung, bleiben in Bewegung und knüpfen soziale Kontakte.

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Erdbeerwoche in Dudweiler

Nicht nur langfristige Projekte, auch saisonale Aktionen aktivieren die Sinne. In einer Tagespflegeeinrichtung in Dudweiler stand im Juli 2026 alles im Zeichen der Erdbeerernte.

Die Bewohner verarbeiteten die Früchte, tauschten Erinnerungen aus und kombinierten handwerkliche Tätigkeiten mit kreativen Aufgaben. Solche Angebote fördern den Austausch über Biografien und stärken die Gemeinschaft.

International setzt man auf ähnliche Konzepte. In Da Nang, Vietnam, laufen geriatrische Modelle mit Bewegungsprogrammen und sozialen Aktivitäten. Das Ziel: Die Lebensqualität im Alter steigern und Pflegebedürftigkeit hinauszögern.

High-Tech für den Blindengarten

Damit Gartenarbeit für alle funktioniert, braucht es Barrierefreiheit. Der Blindengarten in Bremen-St. Magnus zeigt, wie das geht. Seit Ende der 1980er-Jahre besteht die Anlage – jetzt wurde sie umfassend saniert.

22.000 Euro investierten Stiftungen und Spender in das Projekt. Morsche Begrenzungen wichen Trockenmauern. Doch die eigentliche Sensation steckt im Detail: 110 Kunststoffschilder mit Braille-Vollschrift wurden im 3-D-Druck hergestellt.

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Ergänzend sorgt NFC-Technologie für den digitalen Mehrwert. Per Video können Sehbehinderte weiterführende Informationen abrufen. Auch in Hanau entstehen barrierefreie Pfade mit Sitzgelegenheiten für Senioren.

470.000 Euro für die Quartierspflege

Das Rotkreuzstift in Neustadt erhielt im Mai 2026 eine Förderzusage über 470.000 Euro vom Land. Bei einem Gesamtbudget von 534.000 Euro entstehen bis Ende 2027 Angebote, die Pflege, Prävention und Begegnung verknüpfen.

Das Modellvorhaben zur Quartierspflege steht exemplarisch für einen Trend: Pflegeheime öffnen sich zur Nachbarschaft, werden zu Gesundheitszentren.

In Niederösterreich setzt man auf Piktogramme. 13 Pflege- und Betreuungszentren der Thermenregion führten eine Symbolmappe ein. Menschen mit Sprachbarrieren oder kognitiven Defiziten können so ihre Bedürfnisse mitteilen – bei Ernährung, Schmerzempfinden oder Aktivitäten im Freien.

Barrierefreiheit bleibt Baustelle

Trotz aller Fortschritte: Die flächendeckende Barrierefreiheit ist noch lange nicht erreicht. In Thüringen etwa kann nur ein Bruchteil der Beherbergungsbetriebe offizielle Zertifizierungen vorweisen.

Für Senioren und Menschen mit Behinderungen bedeutet das: eingeschränkte Mobilität und Teilhabe im öffentlichen Raum. Die Modellprojekte zeigen, was möglich ist – aber der Weg zur flächendeckenden Umsetzung bleibt steinig.

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