Blaubeerpulver und Depression: Pilotstudie mit 18 Senioren zeigt Grenzen
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 18:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Einfluss der Ernährung auf die Darmgesundheit und das psychische Wohlbefinden steht zunehmend im Fokus der Wissenschaft. Eine im Journal of Nutrition, Health and Aging veröffentlichte Pilotstudie des Hebrew SeniorLife Marcus Institute untersuchte nun, wie sich ein täglicher Konsum von Blaubeeren über einen Zeitraum von drei Monaten auf ältere Erwachsene auswirkt.
Die randomisierte und doppelblinde Untersuchung liefert erste Hinweise auf Veränderungen bestimmter Enzymgene im Mikrobiom, zeigt jedoch zugleich deutliche Grenzen hinsichtlich einer antidepressiven Wirksamkeit auf.
Pilotstudie untersucht Blaubeerpulver bei leichten depressiven Symptomen
An der Untersuchung unter der Leitung von Courtney L. Millar nahmen 18 Personen ab 65 Jahren teil, die körperlich inaktiv waren und unter leichten depressiven Symptomen litten. Die Probanden erhielten über drei Monate hinweg täglich entweder 48 g gefriergetrocknetes Blaubeerpulver, was einer menge von etwa zwei Tassen frischer Beeren entspricht, oder ein Placebopräparat.
Die Blaubeergruppe umfasste zehn Teilnehmende mit einem Durchschnittsalter von 71±4 Jahren, während die Placebogruppe aus acht Personen mit einem Durchschnittsalter von 75±6 Jahren bestand. Die Kontrollgruppe war damit im Schnitt vier Jahre älter.
In beiden Gruppen handelte es sich überwiegend um weiße Frauen. Berichten von Mitte Oktober 2026 zufolge finanzierte die US-Behörde die Studie, während der US Highbush Blueberry Council die Präparate bereitstellte, ohne Einfluss auf das Design oder die Analyse zu nehmen.
Zwar nahmen die depressiven Symptome in der Blaubeergruppe stärker und konsistenter ab, doch der Unterschied zur Placebogruppe erreichte keine statistische Signifikanz. Ein Nachweis für einen echten Antidepressivum-Effekt liegt damit nicht vor.
Die Studienautoren betonten, dass größere Untersuchungen notwendig seien, um belastbare Aussagen zu treffen. Blaubeeren enthalten Flavonoide, die neuronalen Stress verringern und die Hirndurchblutung fördern sollen, stellen jedoch kein eigenständiges Medikament gegen Stimmungsstörungen dar.
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Veränderungen bei Genen mikrobieller Enzyme
Hinsichtlich der Darmflora zeigte die Auswertung des Marcus Institute keine Veränderung der Gesamtmenge mikrobieller Arten, der MetaCyc-Stoffwechselwege oder der kurzkettigen Fettsäuren. Allerdings stellten die Forscher signifikante Verschiebungen bei Genen fest, die sechs Enzymfunktionen der Mikrobiota steuern.
Dazu zählte unter anderem die Polyamin-Transport-ATPase (EC 3.6.3.31), ein Enzym, das an der Produktion des Neurotransmitters GABA beteiligt ist. Trotz dieser genetischen Verschiebung auf mikrobieller Ebene ließ sich jedoch kein Anstieg von GABA nachweisen. Auch ein beobachteter Trend beim neurotrophen Faktor BDNF blieb ohne statistische Signifikanz.
Parallelen zur Mikrobiomforschung rund um den Kaffeekonsum
Die Ergebnisse reihen sich in breitere Untersuchungen zu pflanzlichen Lebensmitteln und deren Wechselwirkungen mit Darmbakterien ein. So untersuchte das University College Cork gemeinsam mit APC Microbiome Ireland in einer in Nature Communications veröffentlichten Studie 62 gesunde Erwachsene im Alter von 30 bis 50 Jahren. Die Probanden teilten sich in 31 regelmäßige Kaffeetrinker mit einem Konsum von etwa 3 bis 5 Tassen täglich und 31 Wenigtrinker auf.
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Nach einer zweiwöchigen Kaffeepause erhielten die regelmäßigen Konsumenten über 21 Tage verblindet koffeinhaltigen oder entkoffeinierten Kaffee. Während des Verzichts zeigten sich die auffälligsten Veränderungen bei Stoffwechselprodukten der Darmbakterien.
Nach der Wiederaufnahme sanken der subjektive Stress, depressive Symptome und die Impulsivität in beiden Kaffeegruppen. Während entkoffeinierter Kaffee mit verbesserten Ergebnissen bei Lern- und Gedächtnistests einherging, war koffeinhaltiger Kaffee mit geringerer Ängstlichkeit sowie gesteigerter Wachheit und Aufmerksamkeit assoziiert.
Bei regelmäßigen Trinkern traten Bakterienarten wie Eggerthella sp. und Cryptobacterium curtum vermehrt auf, wobei die von der Kaffeeorganisation ISIC finanzierte Untersuchung keinen Kausalnachweis erbrachte.
Ergänzende Beobachtungen von Tim Spector vom King's College London und ZOE weisen darauf hin, dass das Bakterium Lawsonibacter asaccharolyticus bei Kaffeetrinkern 6- bis 8-fach häufiger vorkommt – ein Effekt, der auch bei entkoffeiniertem Kaffee beobachtet wurde und eher Polyphenolen als Koffein zugeschrieben wird.
Klinischer Nutzen und Kausalität sind jedoch auch hier nicht belegt. Zudem liefert eine Tasse Filterkaffee 1,5 g lösliche Ballaststoffe, vergleichbar mit einer Mandarine.
Regelmäßiger Kaffeekonsum ist laut Spector mit einem um 15 % geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert, wobei eine individuell angepasste Zufuhr von 2 bis 4 Tassen pro Tag geraten wird. Die US-Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA stuft für die meisten gesunden Erwachsenen eine dosis von bis zu 400 mg Koffein pro Tag als unbedenklich ein.
