Blasenkrebs, Entzündungswerte

Blasenkrebs: Entzündungswerte verraten Immuntherapie-Erfolg

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 05:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Einzelzell-Analyse zeigt, wie CRP und IL-6 mit bremsenden Makrophagen zusammenhängen und das Ansprechen auf Immuntherapien erschweren können.

Blasenkrebs: Studie erklärt Einfluss von Entzündungswerten
Mikroskopische Aufnahme einer Gewebeprobe in einem Labor, die biologische Zellstrukturen zeigt. Illustration mit AI erstellt.

Eine in Cancer Discovery veröffentlichte Studie liefert neue Hinweise darauf, warum Immuntherapien bei manchen Blasenkrebspatienten schlechter wirken als bei anderen. Forschende identifizierten dabei eine biologische Verbindung zwischen Entzündungsmarkern wie dem C-reaktiven Protein (CRP) und einer Hemmung von T-Zellen durch sogenannte SPP1-positive Makrophagen im Tumorgewebe, wie ein Bericht von familydoctor.cn im September 2026 darlegte.

Blutwerte als Spiegel der Tumorumgebung

Im Zentrum der Analyse steht der Zusammenhang zwischen leicht messbaren Blutmarkern und Vorgängen direkt im Tumor. Laut den Forschenden korrelieren die Werte von CRP und Interleukin-6 (IL-6) im Blut mit dem Vorkommen von SPP1-positiven Makrophagen im Tumorgewebe.

Diese Immunzellen hemmen demnach T-Zellen und schwächen dadurch die Wirkung von Immuncheckpoint-Inhibitoren – jener Medikamentenklasse, die eigentlich das körpereigene Immunsystem gegen Krebszellen aktivieren soll. Erhöhte Entzündungswerte im Blut könnten somit als Signal dafür dienen, dass im Tumor eine immunsuppressive Umgebung vorherrscht, die das Ansprechen auf eine Immuntherapie erschwert.

Größte Einzelzell-Atlas-Analyse ihrer Art

Nach Angaben der Forschenden handelt es sich um die bislang größte Einzelzell-Atlas-Analyse von Blasentumoren. Solche Untersuchungen erlauben es, einzelne Zellen innerhalb eines Tumors und ihre Wechselwirkungen im Detail zu erfassen, statt nur Durchschnittswerte des gesamten Gewebes zu betrachten. Dabei zeigte sich neben der hemmenden Wirkung der SPP1-positiven Makrophagen ein gegenteiliger Effekt: CXCL9-exprimierende Makrophagen aktivieren demnach T-Zellen und unterstützen so die Immunantwort gegen den Tumor.

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Die Studie beschreibt damit zwei gegensätzliche Makrophagen-Populationen, deren Verhältnis zueinander mitentscheidend dafür sein könnte, ob eine Immuntherapie anschlägt.

Ansatzpunkt für neue Therapiestrategien

Aus den Beobachtungen leiten die Forschenden einen möglichen therapeutischen Ansatz ab: die gezielte Blockierung des IL-6-Signalwegs. Da IL-6 mit der Bildung der hemmenden SPP1-positiven Makrophagen in Verbindung gebracht wird, könnte ein Eingriff in diesen Signalweg dazu beitragen, die immunsuppressive Wirkung im Tumor zu durchbrechen und die T-Zell-Aktivität wiederherzustellen. Damit rückt eine Kombination aus Entzündungshemmung und Immuntherapie als möglicher Weg in den Fokus, um das Ansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren bei Blasenkrebs zu verbessern.

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Bedeutung für die klinische Praxis

Sollten sich die Zusammenhänge in weiteren Untersuchungen bestätigen, könnten einfache Bluttests auf CRP und IL-6 künftig helfen, Patientinnen und Patienten zu identifizieren, bei denen eine alleinige Immuntherapie voraussichtlich weniger wirksam ist.

Für diese Gruppe könnten dann kombinierte Behandlungsansätze infrage kommen, die zusätzlich in die Entzündungssignalwege eingreifen. Die Studie liefert damit einen konkreten molekularen Erklärungsansatz für ein Phänomen, das in der Krebsmedizin seit längerem beobachtet wird: dass Entzündungswerte im Blut mit dem Therapieerfolg bei Immuncheckpoint-Inhibitoren zusammenhängen können.

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de | wissenschaft | 70108033 |