Blankenburg im Harz: 40 Kita-Kinder teilen täglich den Alltag mit Senioren
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Konzepte, bei denen Kita-Kinder und ältere Menschen zusammenkommen und den Alltag teilen, gewinnen in der sozialen Arbeit zunehmend an Aufmerksamkeit. Wie Berichte Ende September 2026 hervorhoben, zielen entsprechende Modelle darauf ab, durch wechselseitiges Lernen, gemeinsame Aktivitäten und Begegnungen die Lebensfreude sowie das soziale Miteinander aller Beteiligten gezielt zu fördern.
Gemeinsamer Alltag unter einem Dach
Ein langjähriges Beispiel für diesen Ansatz findet sich in Sachsen-Anhalt. Das Mehrgenerationenhaus am Lindenberg in Blankenburg im Harz vereint eine Kindertagesstätte mit 100 Plätzen und ein Pflegeheim mit 50 Plätzen unter einem Dach. Rund 40 Kita-Kinder halten sich dort täglich im Gebäude auf. Das Modell existiert bereits seit fast 20 Jahren und setzt auf regelmäßige Berührungspunkte zwischen den Generationen.
Mindestens einmal pro Woche finden gemeinsame Aktivitäten statt, zu denen Sitzfußball, Backen, Spaziergänge oder Übungen im Kneipp-Becken zählen. Einrichtungsleiterin Doreen Irrgang betont in diesem Kontext, dass soziale Kontakte ein zentraler Baustein für ein gesundes Altern seien.
Das Erleben von Gemeinschaft wirkt sich auch auf die persönliche Einstellung der Bewohner aus: So erklärte der 92-jährige Heimbewohner Werner Bannasch, er habe das Ziel, 100 Jahre alt zu werden.
Medizinische Relevanz und gesellschaftliche Kosten
Die Bedeutung sozialer Interaktion wird auch aus neurowissenschaftlicher Sicht hervorgehoben. Demenzforscherin Francisca Rodriguez vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) weist darauf hin, dass der Kontakt mit Kindern potenziell neurobiologische Hormone ausschütten könne, was jedoch noch gezielt untersucht werden müsse. Wissenschaftlich gesichert sei hingegen, dass soziale Kontakte das Risiko für eine Demenzerkrankung grundsätzlich verringern.
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Die Prävention gewinnt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung an Relevanz. Nach Schätzungen des DZNE könnte die Zahl der Demenzkranken in Deutschland bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,7 Millionen Menschen ansteigen, verglichen mit 1,8 Millionen im Jahr 2023. Im selben Jahr beliefen sich die direkten medizinischen Demenzkosten auf rund 38 Milliarden Euro, während für die informelle Pflege durch Angehörige weitere 45 Milliarden Euro anfielen.
Modellprojekte zwischen Nachbarschaft und Versorgung
Trotz der positiven Erfahrungen bleiben integrative Einrichtungen bisher die Ausnahme. Berichten zufolge existieren in Sachsen-Anhalt und Sachsen zwar weitere Initiativen wie der DRK-Mehrgenerationencampus in Weißenfels, eine Kooperation der Paul-Riebeck-Stiftung mit der Montessori-Grundschule in Halle sowie ein für 2027 geplanter Neubau mit Krippe und Tagespflege in Cunewalde. Ein flächendeckendes Konzept stellt der Ansatz bislang jedoch nicht dar.
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Ähnliche generationenübergreifende Begegnungsmodelle lassen sich auch über die Landesgrenzen hinaus beobachten. In der Schweiz startete TaFF Ebikon im September 2026 ein project mit dem Zentrum Höchweid, das Besuche, Lieder, Spiele und Spaziergänge umfasst.
In Österreich organisierten die Wiener Kinderfreunde und die Organisation Häuser zum Leben am 28. September 2026 ein Generationenfest im Kindergarten Ibsenstraße unter Beteiligung des benachbarten PensionistInnen-Wohnhauses Haus Schmelz.
Zudem werden 77 Einrichtungen der Kinderfreunde mit rund 6.000 Kindern täglich mit Mahlzeiten aus der Frischküche der Seniorenwohnhäuser beliefert, was bis 2031 auf alle Regelkindergärten der Trägerorganisation ausgeweitet werden soll.
Die verschiedenen Initiativen verdeutlichen, wie generationenübergreifende Ansätze von der reinen Alltagsbegegnung bis zur kommunalen Versorgung praktische Anwendung finden.
Mehr zum Thema bei tagesschau.de: „Pflegeheim trifft Kita: Wie Kinder und Senioren in Blankenburg zusammenfinden“
