Blackout-Vorsorge: Pilotprojekt in Karlshuld startet am 11. Juli
07.06.2026 - 05:30:07 | boerse-global.de
Statt auf reine staatliche Hilfe zu setzen, rücken Kommunen und Hilfsorganisationen die Eigenvorsorge der Bürger in den Fokus. Extremwetter, Angriffe auf Infrastruktur: Die Liste der Risiken ist lang.
Seit 2022 wurden bundesweit mehr als 570 politisch motivierte Angriffe auf die Energieversorgung registriert. Ein Grund mehr, die Bevölkerung fit für Krisen zu machen.
Blackout-Kurs in Karlshuld
Anzeige: Die Zahl politisch motivierter Angriffe auf die Energieversorgung steigt – allein seit 2022 über 570 Fälle. Der Staatliche Zivilschutz hinkt hinterher: Von zehn beschlossenen Betreuungsmodulen sind erst 1,5 einsatzbereit. Wer nicht auf Hilfe warten will, findet im neuen Ratgeber eine konkrete Checkliste für die ersten drei autarken Tage – von Vorratshaltung bis Notstrom. Jetzt kostenlosen Blackout-Ratgeber anfordern
Praktische Schulungsformate sind gefragt. Am 11. Juli 2026 startet in Karlshuld ein Pilotprojekt. Zusammen mit dem Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk Deutschland (MKD) lernen Bürger, wie sie einen langanhaltenden Stromausfall überstehen. Themen: Vorratshaltung, Kochen ohne Strom, Trinkwassergewinnung.
Bürgermeister Michael Lederer sieht im Blackout das kritischste Risiko. Ziel ist die Grundbefähigung für die ersten autarken Tage. Das Konzept kommt an: Ähnliche Kurse in Rosenheim waren bereits überbucht. Auch das Deutsche Rote Kreuz im Westerwald zieht nach und bietet ab Juli 2026 spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Senioren an.
Drei Tage Vorrat – die Minimalempfehlung
Die Botschaft von Behörden und Politik ist klar: Jeder Haushalt sollte für mindestens drei Tage autark sein. Bremens Innensenatorin Eva Höhl empfahl Anfang Juni eine Grundausstattung: Wasser, Lebensmittel, Medikamente, Kerzen, Warn-Apps – und bei Bedarf ein Notstromaggregat.
Der Wetteraukreis verweist auf die Leitfäden des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Lehre aus dem Berliner Blackout im Januar 2026 sitzt tief. Damals waren rund 100.000 Menschen bis zu 104 Stunden ohne Strom. Die Empfehlung: Kurbelradios, Powerbanks, Gaskocher, Bargeld.
Wie gut die Haushalte wirklich vorbereitet sind, untersucht die Justus-Liebig-Universität Gießen. Bis Ende Juni läuft die Studie. Frühere Verteilaktionen im Landkreis setzten noch auf Zehn-Tages-Vorräte: 20 Liter Wasser pro Person, Getreide und Gemüse in festgelegten Mengen.
DRK-Präsident kritisiert Tempo beim Zivilschutz
Während die Eigenvorsorge Fahrt aufnimmt, hakt es beim institutionellen Schutz. DRK-Präsident Hermann Gröhe kritisierte im Juni das schleppende Tempo. Von zehn beschlossenen mobilen Betreuungsmodulen aus dem Jahr 2020 seien erst 1,5 einsatzbereit. „Es gibt einen deutlichen Nachholbedarf bei Pandemie- und Stromausfall-Vorbereitung“, so Gröhe.
Großübungen testen die Einsatzkräfte
Anzeige: Beim Berliner Blackout 2026 waren 100.000 Menschen bis zu 104 Stunden ohne Strom. Die Minimalempfehlung: drei Tage autark überleben. Doch viele Haushalte haben noch keinen Vorrat. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie mit einfachen Mitteln Kurbelradio, Powerbank, Gaskocher und Bargeld parat haben – und im Ernstfall nicht im Dunkeln sitzen. Ratgeber für Ihre Eigenvorsorge jetzt sichern
Parallel laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Drei Übungen zeigen die Bandbreite:
- Chemie-Unfall in Köln: Am 5. Juni probten rund 800 Kräfte von Bundespolizei, THW und internationalen Beobachtern die Dekontamination nach CBRN-Vorfällen. Die Übung „resConEx’26“ soll die europäische Kapazität bis Jahresende voll einsatzbereit machen.
- Infrastrukturschutz im Enzkreis: Rund 300 THW-Kräfte sicherten am ersten Juni-Wochenende kritische Infrastruktur und übten die autarke Versorgung in Feldlagern.
- Militärische Mobilität: Bereits im April trainierten Feldjäger der Bundeswehr bei „Orange Road“ die Truppenverlegung und Zusammenarbeit mit zivilen Behörden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Die Botschaft ist klar: Der Bevölkerungsschutz wird neu aufgestellt – als Mix aus staatlicher Handlungsfähigkeit und privater Vorsorge.
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