BIPA-Klagen, Illinois

BIPA-Klagen in Illinois: Lieferroboter sollen Gesichter ohne Einwilligung scannen

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Robotikanbieter müssen sich wegen mutmaßlicher Erfassung biometrischer Passantendaten vor einem Gericht in Illinois verantworten.
Ein leerer Bürgersteig in einem städtischen Wohnviertel in Chicago bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Zwei kalifornische Anbieter von Lieferrobotern sehen sich im US-Bundesstaat Illinois mit Klagen wegen möglicher Verstöße gegen den Datenschutz konfrontiert. Am 13. Oktober 2026 wurden entsprechende Klagen an einem staatlichen Gericht eingereicht. Den Unternehmen wird vorgeworfen, mit ihren autonomen Systemen im Stadtgebiet von Chicago biometrische Informationen von Passanten ohne deren Einwilligung erfasst und weiterverarbeitet zu haben.

Erfassung und Weiterleitung von Passantendaten

Gegenstand der gerichtlichen Auseinandersetzung ist der Einsatz von Sensoren und Kameras auf den Gehwegen von Chicago. Laut den Klageschriften scannen die Lieferroboter identifizierende Merkmale von Personen, die sich in ihrer unmittelbaren Reichweite befinden. Die erfassten biometrischen Daten sollen dabei in Echtzeit an menschliche Operatoren übertragen werden, die die Steuerung oder Überwachung der Einheiten unterstützen.

Darüber hinaus werfen die Kläger den beiden Firmen vor, die gewonnenen Rohdaten an Drittserver weiterzuleiten. Diese Informationen sollen demnach genutzt werden, um eigene Algorithmen sowie externe Modelle für künstliche Intelligenz zu trainieren. Passanten, deren Daten im Vorbeigehen erfasst wurden, hätten dieser Verarbeitung zu keinem Zeitpunkt zugestimmt oder über die Weitergabe an Dritte informiert werden können.

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Belastungsprobe für das Datenschutzgesetz BIPA

Die Verfahren richten den Fokus auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für autonome Systeme im öffentlichen Raum. Konkret testen die Klagen die Reichweite und Anwendbarkeit des Illinois Biometric Information Privacy Act (BIPA).

Das Gesetz stellt in den USA eine der strengsten Regelungen für den Schutz biometrischer Identifikatoren dar und verlangt vor einer Datenerhebung in der Regel eine schriftliche Benachrichtigung sowie die ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Personen.

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Für die Robotikbranche und Betreiber autonomer Lieferdienste bergen die rechtlichen Auseinandersetzungen erhebliche Risiken. Bislang bewegte sich die Echtzeit-Erfassung von Umgebungsdaten zur Hinderniserkennung und Routenplanung im Straßenbild in rechtlichen Grauzonen.

Sollte das Gericht in Illinois die Erfassung und Weiterleitung von Passantendaten durch mobile Lieferroboter als Verstoß gegen BIPA einstufen, könnte dies die Betriebsmodelle autonomer Lieferfahrzeuge grundlegend verändern und strengere Vorgaben für den Einsatz von Kamerasystemen im öffentlichen Raum nach sich ziehen.

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