Biologisches Alter: Naturjoghurt und Sport senken Alterungsrate um 2,2%
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Klinische Studien und große Datenanalysen zeigen: Unsere Lebensweise beeinflusst, wie schnell wir altern – und neue Medikamente könnten den Prozess zusätzlich bremsen.
Naturjoghurt und Bewegung senken Alterungsrate
Die Universität Tokio hat in einer Studie nachgewiesen, dass eine Kombination aus bestimmten Lebensmitteln und moderatem Sport messbare Effekte hat. 48 übergewichtige Männer konsumierten zwölf Wochen lang täglich 100 Gramm Naturjoghurt, stellten ihre Ernährung um und trainierten dreimal pro Woche. Das Ergebnis: Ihre biologische Alterungsrate sank um 2,2 Prozent.
Gemessen wurde der Effekt mit dem DunedinPACE-Algorithmus, der Veränderungen in der DNA-Methylierung analysiert. Zudem verbesserten sich spezifische Marker für die Nierenfunktion. Die Studie erschien im Fachjournal Aging.
Jüngere Generationen altern schneller
Eine Analyse der Washington University mit über 150.000 Datensätzen der UK Biobank zeigt eine besorgniserregende Entwicklung. Menschen, die zwischen 1990 und 1999 geboren wurden, weisen eine größere Diskrepanz zwischen ihrem chronologischen und biologischen Alter auf als die Generation 1965 bis 1969.
Diese schnellere biologische Alterung korreliert mit einem deutlich höheren Krebsrisiko. Bei den in den 1990ern Geborenen ist das Risiko für Darmkrebs viermal so hoch wie bei der Vergleichsgruppe. Fachleute der Uniklinik Köln führen rund 50 Prozent des biologischen Alters auf beeinflussbare Faktoren zurück: Adipositas, Bewegungsmangel und schlechte Schlafqualität.
Diabetes-Medikamente als Longevity-Booster?
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SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten rücken zunehmend als potenzielle Anti-Aging-Wirkstoffe in den Fokus. Eine Analyse in JAMA Network Open belegt: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Präparate um 33 Prozent. Das ist besonders relevant, weil Typ-2-Diabetes das Alzheimer-Risiko um etwa 50 Prozent erhöht.
Weitere klinische Daten aus dem Jahr 2026 zeigen: Bei HIV-Patienten verlangsamte Semaglutid das biologische Altern über 32 Wochen um 9 Prozent. Studien der University of California, San Diego, belegen zudem, dass Semaglutid Lebervernarbungen bei metabolischer Steatohepatitis (MASH) reduzieren kann.
Die Mayo Clinic untersuchte den „Hungry Gut“-Phänotyp: Patienten mit dieser Veranlagung sprachen besonders gut auf Tirzepatid an und verloren durchschnittlich 21,5 Prozent ihres Gewichts.
Ketogene Diät gegen Depressionen
Die Ernährung spielt auch bei psychischen Erkrankungen eine wachsende Rolle. Eine randomisierte kontrollierte Studie vom Februar 2026 mit rund 90 Teilnehmern zeigte: Eine ketogene Diät führte bei behandlungsresistenter Depression zu einer leichten klinischen Besserung.
Ketonkörper dienen dem Gehirn als alternative Energiequelle und beeinflussen Neurotransmitter wie Glutamat und GABA. Zudem wirken sie entzündungshemmend in den Mitochondrien. Pilotstudien aus dem Frühjahr und Sommer 2026 deuten auch auf positive Effekte bei bipolarer Störung, Schizophrenie und Anorexia nervosa hin. Experten betonen: Solche Interventionen gehören zwingend unter ärztliche Aufsicht.
Mediterrane Ernährung schützt auf molekularer Ebene
Forscher der USC Leonard Davis School identifizierten in Nature Communications spezifische mitochondriale Mikroproteine als Vermittler der mediterranen Diät. Eine hohe Adhärenz an diese Ernährungsform steigert die Spiegel der Proteine Humanin und SHMOOSE, die mit geringerem oxidativen Stress verbunden sind. Besonders Olivenöl, Fisch und Hülsenfrüchte fördern diese Schutzwirkung.
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Bei Nahrungsergänzungsmitteln warnen Ernährungswissenschaftler vor übertriebenen Versprechungen. Das Präparat LaVita wurde 2026 von Verbraucherschützern kritisch bewertet. Grund: Health Claims basieren nur auf isolierten Vitaminen, der Preis sei im Verhältnis zum Nutzen zu hoch. Fachleute empfehlen bei nachgewiesenen Mangelerscheinungen eine gezielte Supplementierung einzelner Stoffe.
Neue Bildungsangebote und Antibiotika-Alternativen
Die Dresden International University (DIU) bietet ab Oktober 2026 einen zertifizierten Modulkurs für Ernährungsmedizin und Mikrobiom an. Wissenschaftler der TU Dresden vermitteln dort Themen wie mitochondriale Dysfunktion und die Beeinflussung des Immunsystems durch das Mikrobiom.
Auf europäischer Ebene fördert die EU das Projekt REPHRAME mit 45 Millionen Euro. Über fünf Jahre entwickeln Forscher datengestützte Modelle für die Phagentherapie – eine Alternative zu Antibiotika gegen resistente Bakterien.
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