Biologisches Alter: KI bestimmt Organgesundheit präziser als bisher
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 12:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Forschung gewinnt die Bestimmung des biologischen Alters gegenüber dem chronologischen Alter zunehmend an Bedeutung. Eine am 14. August 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Studie eines Forschungsteams des CeMM, des LBI-NetMed und der Universität Wien liefert hierzu neue Daten.
Die Untersuchung zeigt, dass mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) präzise Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand und das Sterblichkeitsrisiko einzelner Organe gezogen werden können.
Präzise Altersbestimmung durch künstliche Intelligenz
Das Forschungsteam entwickelte sogenannte KI-Gewebeuhren, um das biologische Alter von 40 verschiedenen Gewebetypen aus 29 Organen zu schätzen. Grundlage für dieses Modell bildeten 25.712 Gewebeaufnahmen von insgesamt 983 Probanden. Die Analyse ergab, dass die Abweichung zwischen dem geschätzten biologischen und dem tatsächlichen chronologischen Alter im Durchschnitt lediglich 4,9 Jahre beträgt.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist der Zusammenhang zwischen einem erhöhten geschätzten Gewebealter und dem Auftreten von Krankheiten. Organe, die von der KI als biologisch älter eingestuft wurden, wiesen laut den Forschern eine höhere Krankheitslast auf.
Besonders markante Alterungsprozesse beobachtete das Team in der Lunge, der Niere, der Bauchspeicheldrüse und der Nebenniere. In diesen Organen verläuft der Alterungsprozess in der Lebensspanne zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr besonders schnell.
Organspezifische Alterungsprozesse und Krankheitszusammenhänge
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Die Studie differenziert detailliert zwischen verschiedenen Organen und deren spezifischen Belastungsfaktoren. So konnte bei Frauen eine beschleunigte Alterung der Gebärmutter im Zeitraum um die Menopause festgestellt werden. Auch systemische Erkrankungen beeinflussen den Alterungsprozess massiv: Ein Nierenversagen führe der Analyse zufolge zu einer beschleunigten Alterung in mehreren verschiedenen Gewebetypen gleichzeitig.
Ein weiterer Fokus der Forschung lag auf der Bauchspeicheldrüse. Hier zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen einer Erkrankung an Typ-2-Diabetes und einer stärkeren biologischen Alterung dieses spezifischen Organs. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Hypothese, dass chronische Stoffwechselerkrankungen die zelluläre Alterung lokal begrenzt forcieren können.
Blutbasierte Marker und das Risiko für chronische Leiden
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Neben der Analyse von Gewebeaufnahmen untersuchten die Wissenschaftler blutbasierte Modelle. Diese sind in der Lage, spezifische Alterungsmuster zu erkennen, die mit Krankheiten wie Alzheimer, Morbus Crohn, Mukoviszidose, Vaskulitis, Diabetes oder Schlaganfällen in Verbindung stehen.
Besonders aussagekräftig erwies sich die Untersuchung von Blutproteinen bei einer großen Stichprobe von zirka 50.000 Menschen. Die Daten legen nahe, dass Organe, die ein höheres biologisches Alter aufweisen, unmittelbar mit einem gesteigerten Krankheitsrisiko und einer erhöhten Sterblichkeit korrelieren. Das biologische Alter eines Organs fungiert somit als potenzieller Indikator für die allgemeine Lebenserwartung.
Obwohl Blutproben künftig dazu dienen könnten, das spezifische Alter von Organen anzuzeigen, betonen die Forscher, dass diese Verfahren derzeit noch nicht klinisch einsetzbar sind.
Bis zu einer tatsächlichen Anwendung in der medizinischen Praxis dürften laut Einschätzung des Teams noch mehrere Jahre bis zu einem Jahrzehnt vergehen. Dennoch liefern die aktuellen Ergebnisse eine wichtige Basis für künftige Präventionsstrategien in der Langlebigkeitsforschung.
