Biofortifizierung, CRISPR

Biofortifizierung: CRISPR verkürzt Züchtung auf 2–6 Jahre

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher fordern integrierte Züchtungsstrategien. CRISPR/Cas könnte die Entwicklung nährstoffreicherer Pflanzen auf 2–6 Jahre verkürzen.

Biofortifizierung: Neue Wege gegen versteckten Hunger
Nahaufnahme gesunder Nutzpflanzen in einem modernen Agrar-Forschungslabor zur Biofortifizierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In einer im Fachjournal Nature veröffentlichten Analyse hat ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie (IPB) neue Strategien zur Biofortifizierung von Nutzpflanzen dargelegt. Die Untersuchung befasst sich mit der Notwendigkeit, den Nährstoffgehalt von Grundnahrungsmitteln systematisch zu erhöhen, um die weltweite Fehlernährung zu bekämpfen. Dabei werden technologische Fortschritte und regulatorische Rahmenbedingungen als entscheidende Faktoren für die künftige Ernährungssicherheit identifiziert.

Das Ausmaß der globalen Mangelernährung

Die vorliegenden Daten verdeutlichen die Dringlichkeit einer verbesserten Nährstoffversorgung. Weltweit sind laut den Forschungsergebnissen mehr als 700 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Noch weitreichender ist das Problem des sogenannten verborgenen Hungers: Über 2 Milliarden Menschen leiden an einem Mangel an essenziellen Mikronährstoffen.

Die Untersuchung zeigt auf, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung eine unzureichende Versorgung mit den Vitaminen B2, B9, C und E sowie den Mineralstoffen und Spurenelementen Kalzium, Eisen und Jod aufweist. Besonders kritisch bewerten die Wissenschaftler die Entwicklung beim Vitamin-B9-Mangel (Folsäure). Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2050 zusätzlich 239 Millionen Menschen von einer Unterversorgung mit diesem lebenswichtigen Nährstoff betroffen sein, sofern keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

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Technologische Ansätze und Zeitfaktoren der Züchtung

Ein zentraler Aspekt der Analyse ist der Vergleich verschiedener Methoden zur Steigerung des Nährstoffgehalts in Nutzpflanzen. Die Effizienz dieser Verfahren unterscheidet sich insbesondere in der benötigten Zeitspanne bis zur Marktreife neuer Sorten erheblich:

  • Konventionelle Züchtung: Dieser traditionelle Ansatz erfordert in der Regel einen Zeitraum von 8–15 Jahren.
  • Mutationszüchtung: Auch hier wird mit einer Dauer von 8–15 Jahren gerechnet.
  • Gentechnik (Transgenese): Die Entwicklung von Pflanzen durch klassische gentechnische Verfahren nimmt laut der Studie etwa 12–16 Jahre in Anspruch.
  • CRISPR/Cas (Genom-Editierung): Mit dieser neuen Technologie lässt sich der Prozess signifikant verkürzen. Die Forscher beziffern den Zeitraum hier auf lediglich 2–6 Jahre.

Die Experten betonen, dass angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des fortschreitenden Klimawandels die Geschwindigkeit der Pflanzenanpassung ein kritischer Faktor ist. CRISPR/Cas bietet hierbei das Potenzial, punktgenaue Veränderungen im Genom vorzunehmen, um die Synthese oder Speicherung von Vitaminen und Mineralstoffen in der Pflanze zu optimieren.

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Regulatorische Weichenstellungen und Empfehlungen

Neben den technologischen Möglichkeiten spielen politische Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle für die Implementierung dieser Innovationen. Die Studie verweist in diesem Zusammenhang auf die regulatorische Entwicklung in Europa: Das EU-Parlament verabschiedete im Juni 2026 eine Verordnung zu Neuen Genomischen Techniken (NGT). Diese Entscheidung könnte den Weg für eine breitere Anwendung moderner Züchtungsverfahren in der europäischen Landwirtschaft ebnen.

In ihrer abschließenden Bewertung empfiehlt das internationale Forschungsteam eine integrierte Strategie. Um den Nährstoffgehalt in Nutzpflanzen effektiv und zeitnah zu erhöhen, sei eine Kombination aus konventioneller Züchtung, klassischer Gentechnik und modernen Verfahren wie CRISPR/Cas erforderlich. Nur durch das Zusammenspiel dieser Methoden könne die Biofortifizierung einen maßgeblichen Beitrag leisten, um die globale Versorgung mit Mikronährstoffen langfristig zu sichern.

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