Biodiversität: Staaten beschleunigen Artenschutz bis 2030
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 10:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie 23 Ziele bis 2030
- Fast 200 Staaten verhandelten seit dem 19. Oktober in Eriwan über die Umsetzung des Weltnaturvertrags.
- Der vereinbarte Aktionsplan soll die Umsetzung der selbstgesetzten Ziele bis 2030 beschleunigen.
- Mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen sollen unter Schutz gestellt werden.
Staaten beschleunigen Umsetzung des Weltnaturvertrags
Nach der 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt in Eriwan haben sich fast 200 Mitgliedsstaaten auf einen Aktionsplan zur schnelleren Umsetzung ihrer Naturschutzziele bis 2030 geeinigt. Die Verhandlungen dauerten vom 19. Oktober an knapp zwei Wochen und endeten einen Tag später als geplant.
23 Ziele für die Artenvielfalt
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die vor vier Jahren vereinbarten 23 Ziele trotz Rückschlägen erreicht werden können. Dazu gehört, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen.
Ein kurz vor der Konferenz veröffentlichter Zwischenbericht hatte gezeigt, dass die Ziele ohne deutlich mehr Tempo bei der Umsetzung verfehlt werden könnten. In Eriwan ging es deshalb vor allem um eine Bestandsaufnahme und um Wege, die nationalen Maßnahmen zu beschleunigen.
Umweltverbände sehen Fortschritte und Lücken
Der WWF Deutschland bewertete die Beschlüsse trotz Kompromissen und Abschwächungen positiv. Die Organisation begrüßte besonders den Aktionsplan und sprach von insgesamt mehr positiven als negativen Ergebnissen.
Greenpeace erklärte, die Konferenz habe zwar einen Kurs für die Umsetzung des Weltnaturvertrags festgelegt, aber keine ausreichende Antwort auf die Dringlichkeit geliefert. Als Fortschritte nannte die Organisation unter anderem die geplante Umwidmung schädlicher Subventionen, zusätzliche Mittel für Naturschutz und eine engere Verbindung von Klima- und Naturschutz.
Finanzierung bleibt Streitpunkt
Nach Einschätzung des WWF liefert der Kompromiss bei der Biodiversitätsfinanzierung kleine Schritte in Richtung künftiger Lösungen. Greenpeace forderte zugleich mehr Geld für den internationalen Naturschutz, insbesondere direkte Unterstützung für indigene Gemeinschaften etwa im Amazonasgebiet.
Die Beschlüsse könnten nach Darstellung von Greenpeace auch den Schutz von Wäldern und Meeren stärken und Rückenwind für die kommenden Klimaverhandlungen in Antalya sowie für den Schutz der Hohen See geben.
Deutschland kündigt weitere Maßnahmen an
Bundesumweltminister Carsten Schneider sagte, Europa habe geschlossen und stark für die Natur verhandelt, zugleich habe es bei finanziellen Fragen auch bremsende Staaten gegeben. Deutschland werde sein Engagement für den Ausbau von Schutzgebieten an Land und auf See fortsetzen.
Außerdem solle die Wiederherstellung der Ökosysteme in Deutschland planvoll angegangen werden. Die Umsetzung der Vereinbarungen bleibt damit die zentrale Aufgabe nach dem Ende der Konferenz.
Die COP17 knüpft an den 2022 verabschiedeten Weltnaturvertrag von Kunming-Montreal an. Dessen 23 Ziele sollen den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 bremsen und die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme voranbringen. Zu den bekanntesten Vorgaben gehört das sogenannte 30x30-Ziel: Mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen sollen unter Schutz stehen.
Der Aktionsplan aus Eriwan soll vor allem die Umsetzung beschleunigen. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der Zielvereinbarung zur nationalen Anwendung. Staaten müssen Schutzgebiete ausweisen, Ökosysteme wiederherstellen, schädliche Subventionen abbauen und private wie öffentliche Finanzmittel mobilisieren. Für die Wirksamkeit kommt es deshalb weniger auf neue Zielmarken als auf überprüfbare Fortschritte bei bestehenden Zusagen an.
Finanzierung bleibt entscheidend
Besonders umstritten ist die Finanzierung des globalen Naturschutzes. Viele artenreiche Regionen liegen in Staaten, deren finanzielle Möglichkeiten begrenzt sind, während der wirtschaftliche Nutzen von Rohstoffen, Landnutzung und Infrastrukturprojekten häufig außerhalb dieser Länder entsteht. Der in Eriwan gefundene Kompromiss kann daher nur ein Zwischenschritt sein.
Für Deutschland bedeutet die Konferenz, dass internationale Zusagen mit nationalen Maßnahmen verbunden werden müssen. Dazu gehören der Schutz von Lebensräumen, die Wiederherstellung von Mooren und Wäldern sowie eine naturverträglichere Nutzung von Flächen und Meeren. Die nächste Bewährungsprobe liegt in der Umsetzung: Ohne zusätzliche Mittel, klare Zuständigkeiten und regelmäßige Kontrollen dürfte das Tempo hinter dem politischen Anspruch zurückbleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Weltnaturkonferenz: Staaten einigen sich auf zentrale Themen“ (30.10.2026)
Der Beitrag hebt die Einigung der rund 200 Teilnehmerstaaten auf zentrale Themen nach langen Verhandlungen hervor. Damit bestätigt er den Beschlusscharakter der Konferenz, während die dpa-Meldung stärker die Einschätzung von Umweltverbänden und die Umsetzung bis 2030 betont.
Deutschlandfunk: „UNO-Biodiversitätskonferenz in Eriwan beendet“ (31.10.2026)
Der Deutschlandfunk ordnet das Ende der Konferenz über die Schutzvorgabe ein, bis 2030 jeweils 30 Prozent der Land- und Seegebiete zu bewahren. Gemeinsam ist den Berichten der Blick auf konkrete Naturschutzmaßnahmen; unterschiedlich gewichtet werden die Schutzflächen und die Fragen der Finanzierung und Umsetzung.
Übergreifend steht damit die politische Einigung fest, offen bleibt vor allem, wie schnell die Staaten ihre Zusagen praktisch und finanziell erfüllen.
