Bio-Produkte, Deutlich

Bio-Produkte: Deutlich stabiler bei Inflation als konventionelle Ware

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 20:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bio-Waren verteuerten sich bis Mitte 2023 weniger als konventionelle Produkte, während Proteinpflanzen trotz Potenzial geringe Einkommenschancen bieten.

Bio-Lebensmittel bleiben preisstabiler, Proteinpflanzen kämpfen mit Ertragssorgen
Weizenfeld und Eiweißpflanzen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Preisdynamik im Lebensmittelsektor hat die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Erzeugung und Vermarktung grundlegend verändert. Während ökologisch erzeugte Waren lange vor allem als hochpreisige Nischenprodukte galten, belegen Untersuchungen differenziertere Zusammenhänge zwischen Produktionsweise, Teuerungsraten und Marktchancen.

Eine vergleichende Betrachtung der Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln und branchenspezifischer Erhebungen verdeutlicht, wie sich ökologische Erzeugnisse in Inflationszeiten verhalten und vor welchen ökonomischen Herausforderungen der Anbau alternativer Kulturen steht.

Moderatere Preissprünge bei Bio-Produkten

Eine Auswertung des IW Köln, die die Preisveränderungen zwischen dem ersten Quartal 2022 und dem zweiten Quartal 2023 untersuchte, zeigt eine bemerkenswerte relative Preisstabilität im Öko-Sektor. Während konventionell erzeugte Grundnahrungsmittel in diesem Zeitraum stark anzogen, verlief die Teuerung bei Bio-Waren merklich gedämpfter.

Im konventionellen Segment stieg der Preis für Weizenmehl um 76 Prozent, Joghurt verteuerte sich um 55 Prozent, Hackfleisch um 33 Prozent und Rapsöl um 27 Prozent.

Bei den entsprechenden Bio-Varianten fiel der Anstieg deutlich geringer aus: Bio-Weizenmehl verzeichnete ein Plus von 27 Prozent, Bio-Joghurt von 34 Prozent und Bio-Hackfleisch von 20 Prozent. Der Preis für Bio-Rapsöl blieb im untersuchten Zeitraum sogar unverändert.

Trotz dieser relativen Preisdämpfung bestehen am Verkaufsort weiterhin spürbare Preisabstände zwischen den Haltungs- und Anbauformen. Die Aufpreise für ökologische Produkte variieren je nach Warengruppe erheblich: Bei Weizenmehl liegt der Bio-Aufpreis bei 20 Prozent, bei Joghurt bei 40 Prozent und bei Geflügelsalami erreicht er 220 Prozent.

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Die Daten des IW Köln zeigen eine relative Preisdämpfung bei Bio-Ware: Bio-Weizenmehl verteuerte sich zwischen Q1 2022 und Q2 2023 um 27 Prozent, die konventionelle Variante um 76 Prozent. Bio-Rapsöl blieb im selben Zeitraum sogar unverändert. Wer diese Dynamik für die eigene Vermarktung einordnen will, findet in unserem kostenlosen Leitfaden die relevanten Kennzahlen und Ableitungen. Leitfaden zur Bio-Vermarktung jetzt anfordern

Diese Preisdifferenzen spiegeln sich auch in den Marktanteilen wider. Aktuell liegt der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt bei 7 Prozent, während der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche 11 Prozent beträgt. Das formulierte Ziel liegt hingegen bei einem Flächenanteil von 30 Prozent.

Proteinpflanzen zwischen Potenzial und Ertragssorgen

Eng verknüpft mit nachhaltigen Fruchtfolgen ist die Erzeugung von Leguminosen. Eine Untersuchung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Buxel von der Fachhochschule Münster aus dem späten Jahr 2025 beleuchtet die wirtschaftliche Perspektive der Betriebe auf diesen Sektor.

Aus der Befragung von 689 landwirtschaftlichen Betrieben geht hervor, dass 40 Prozent den Anbau von Proteinpflanzen als eigentlich attraktiv einstufen. Rund 36 Prozent der Betriebe sehen darin eine gute Entwicklungschance für ihre Zukunft. Allerdings schlägt sich dieses Interesse nur bedingt in den Ertragserwartungen nieder: Lediglich 19 Prozent der befragten Landwirte rechnen mit einem guten Einkommen aus diesem Betriebszweig.

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Nur 19 Prozent der befragten Landwirte rechnen laut einer DLG-Untersuchung mit einem guten Einkommen aus Proteinpflanzen — obwohl 40 Prozent den Anbau als attraktiv einstufen. Die Mehrheit der Betriebe nennt den Vertragsanbau als Bedingung für eine Ausweitung. Unsere kostenlose Checkliste fasst zusammen, welche Punkte vor der Aussaat zu klären sind. Vertragsanbau-Checkliste für Proteinpflanzen sichern

Bei den bisherigen Anbaukulturen dominieren klassische Körnerleguminosen das Feld. Erbsen führen mit einem Anteil von 35 Prozent, gefolgt von Ackerbohnen mit 28 Prozent. Auf Soja entfallen 17 Prozent und auf Lupinen 14 Prozent, während Nischenkulturen wie Linsen mit 3 Prozent und Kichererbsen mit 2 Prozent bisher kaum eine Rolle spielen.

Für eine signifikante Ausweitung der Anbauflächen fordern die Landwirte verlässliche Rahmenbedingungen: Laut der Mehrheit der befragten Betriebe kommt ein verstärkter Anbau von Proteinpflanzen nur bei bestehendem Vertragsanbau in Betracht.

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