Bio-Krise, Konvention

Bio-Krise: 400 Öko-Rinderbetriebe kehren zur Konvention zurück

06.06.2026 - 23:56:27 | boerse-global.de

Rund 400 Öko-Rinderbetriebe gaben 2025 auf. Der Bauernverband fordert eine praxistauglichere EU-Öko-Verordnung.

Bio-Krise: Immer mehr Höfe kehren zur konventionellen Landwirtschaft zurück
Bio-Krise - Ein junger Landwirt steht nachdenklich in einem grünen Biofeld mit Windturbinen im Hintergrund, symbolisiert nachhaltige Landwirtschaft. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine wachsende Kluft zwischen politischen Zielen und wirtschaftlicher Realität.

Rückumstellungen belasten den Ökolandbau

Die Zahlen sind eindeutig: Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt jährlich um sechs Prozent. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche wächst aber nur um ein Prozent. Besonders dramatisch ist die Lage in der Tierhaltung. Rund 400 Öko-Rinderbetriebe stellten 2025 ihre ökologische Bewirtschaftung ein.

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Das Problem betrifft nicht nur Deutschland. In Frankreich, Österreich und Dänemark kehrten seit 2021 zwischen 10 und 15 Prozent der Betriebe zur konventionellen Landwirtschaft zurück. Der Bauernverband macht die EU-Öko-Verordnung dafür verantwortlich. In einem Positionspapier fordert er eine agrarpolitische Kurskorrektur: praxistaugliche Regeln für die Tierhaltung und mehr Planungssicherheit.

Auch die junge Generation sieht schwarz. Die Junglandwirtekommission JULA CH kritisiert die geplante Agrarpolitik 2030. Zentrale Anliegen der Nachwuchsbauern würden verwässert, heißt es. Gefordert werden verlässliche Rahmenbedingungen und ein Abbau des Spannungsfelds zwischen Markt und Politik.

Hessen investiert in innovative Projekte

Trotz der strukturellen Probleme setzen Bundesländer auf Modernisierung. Das hessische Landwirtschaftsministerium fördert sechs innovative Projekte mit 3,25 Millionen Euro. 80 Prozent der Mittel kommen von der EU, 20 Prozent vom Land.

Die Projekte zeigen, wohin die Reise geht: Künstliche Intelligenz in der Grünlandpflege, Digitalisierung der Pferdegesundheit und Mikroalgen als Düngemittel. Klingt futuristisch, ist aber längst Realität.

Brandenburg feierte am 5. Juni 2026 das 25-jährige Bestehen des Verbandes für Landentwicklung und Flurneuordnung (VLF). Der Verband betreut 93 laufende Verfahren auf rund 230.000 Hektar – etwa acht Prozent der Landesfläche. Ein Aktionsprogramm für das Handwerk bis 2029 soll zudem die Fachkräftesicherung vorantreiben.

Doch die Sorge wächst: Umweltverbände wie NABU und BUND befürchten für 2027 drastische Kürzungen der Landesförderung. Das könnte den Naturschutz massiv belasten.

Freiwilliges Ökologisches Jahr: Engagement auf finanzieller Kippe

Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) steht ebenfalls unter Druck. Der Grund: das Taschengeld. Mit rund 289 Euro monatlich ist das Jahr ohne Unterstützung der Eltern kaum machbar. Freiwillige fordern eine Erhöhung und zusätzliche Mobilitätszuschläge.

Im Mai 2026 machten sie mit einer Fahrradstaffel quer durch Deutschland auf ihre Situation aufmerksam. Ihre Forderung: Die vollständige Übernahme der Kosten für das Deutschlandticket durch die Träger oder das Land.

Anfang Juni 2026 wurden in Brandenburg Zertifikate an FÖJ-Teilnehmende übergeben. Die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für den Klimaschutz wurde dabei hervorgehoben. Nur: Ohne faire finanzielle Rahmenbedingungen bleibt das Engagement für viele ein Luxus.

Wälder im Klimawandel: Saatgut als Schlüssel

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Auch die Forstwirtschaft stellt sich neu auf. Anfang Juni 2026 trafen sich Fachleute aus neun Bundesländern an der Forstsaatgutberatungsstelle Oerrel. Ihr Thema: die Gewinnung von Saatgut für klimaresiliente Wälder.

Der Bedarf ist enorm. Waldschäden haben die Nachfrage in die Höhe getrieben. Die Kapazitäten zur Aufarbeitung von Saatgut werden derzeit erweitert. Eine Mammutaufgabe – aber eine der wichtigsten für die Zukunft unserer Wälder.

Regionale Initiativen setzen parallel auf Aufklärung und Vernetzung. Die BioWoche im hessischen Wetteraukreis feierte im Spätsommer 2025 ihr zehnjähriges Jubiläum. Mit Ackerführungen und Betriebsbesichtigungen will sie die Akzeptanz für ökologische Produkte stärken. Ein kleiner Schritt – aber in die richtige Richtung.

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