Bildschirmzeit, Einsamkeit

Bildschirmzeit und Einsamkeit: Vier Stunden täglich gehen mit mehr schlechter Laune einher

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen mehr Einsamkeit bei jungen Menschen, zugleich hängen die Folgen digitaler Medien von Nutzungsart und Dauer ab.

Digitale Bildschirmnutzung: Wie sie soziale Nähe und junge Menschen beeinflusst
Eine leere Parkbank in einem nebligen Stadtpark bei Dämmerung, die Einsamkeit und soziale Distanz symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Der Soziologe Vidar Halldorsson von der Universität Island analysiert in seinem bei Routledge erschienenen Buch „How Digital Screen Use Alienates Human Societies“, wie digitale Kontakte zunehmend reale Begegnungen verdrängen.

Durch die Verlagerung der Kommunikation auf Bildschirme gingen elementare soziale Signale wie feine Gesichtsregungen, Körperhaltung und physische Berührung verloren. Halldorsson verweist darauf, dass die Corona-Pandemie diese Entwicklung über Videokonferenzen und digitale Zusammenkünfte spürbar beschleunigt habe.

Auch die Nutzung von KI-Chatbots als Partner führe zum Verlust zwischenmenschlicher Reibung und authentischer Körpersprache. Zugleich hält der Forscher fest, dass Einsamkeit vielschichtige Ursachen habe und Bildschirmkulturen das Phänomen nicht allein erklären könnten.

Steigende Isolation unter jungen Menschen

Statistische Erhebungen zeichnen ein Bild wachsender Distanz innerhalb jüngerer Generationen. Ein Bericht des britischen Instituts für Politikforschung vom September 2026 verdeutlicht diesen Wandel: Während 2014 in England nur einer von 100 jungen Menschen angab, keine engen Freunde zu haben, lag der Wert zuletzt bei einem von 20. Zudem sank der Anteil der 16- bis 21-Jährigen mit mindestens drei engen Bezugspersonen.

In Deutschland stuften sich laut Daten der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2024 rund 35 Prozent der jungen Befragten als moderat einsam ein, während etwa 10 Prozent von starker Einsamkeit berichteten.

Der Jugendbericht „Mental Health“ der Organisation YEP, für den über 5.500 Personen im Alter von 14 bis 25 Jahren aus Deutschland und Österreich befragt wurden, bestätigt diesen Trend: Lediglich 7 Prozent der Befragten gaben an, sich wirklich gut zu fühlen, während 63 Prozent angaben, dass es ihnen nicht gut gehe.

Acht von zehn Jugendlichen in Österreich erleben laut der Erhebung regelmäßige Ohnmachtsgefühle. Wie die Organisation Gesundheit Österreich feststellt, sind junge Menschen doppelt so häufig von Einsamkeit betroffen wie der Bevölkerungsdurchschnitt; Fachleute verweisen dabei auf soziale Medien, Kriege und gesellschaftliche Polarisierung als Treiber von Vergleichsdruck.

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Differenzierte Wirkungen digitaler Kanäle

Die Forschung zeigt zugleich, dass digitale Mediennutzung nicht pauschal isoliert. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 an 1.632 jungen Erwachsenen in Großbritannien stellte zwar eine Verbindung zwischen der gesamten Internetzeit und Einsamkeit fest, jedoch nicht für Plattformen sozialer Netzwerke an sich; die Nutzung von Kommunikationsdiensten wie WhatsApp ging sogar mit geringerer Einsamkeit einher.

Ebenso differenziert fallen Befragungen von Jugendlichen aus. In einer Erhebung des Instituts Eye Square für die Techniker Krankenkasse unter 1.400 Teenagern im Alter von 12 bis 17 Jahren gaben vier von fünf Befragten an, soziale Medien täten ihnen gut.

Gleichzeitig zeigte sich jedoch eine deutliche Dosiswirkung: Bei einer täglichen Nutzungsdauer von vier oder mehr Stunden berichteten 49 Prozent der Jugendlichen über häufige oder ständige schlechte Laune, verglichen mit 20 Prozent bei einer täglichen Nutzung von ein bis zwei Stunden.

Physische und psychische Langzeitfolgen

Verändertes Sozialverhalten wirkt sich auch auf das Berufsleben und die Gesundheit aus. Eine Untersuchung an über 588.000 US-Arbeitnehmern ergab, dass die soziale Isolation im Homeoffice über einen Zeitraum von 13 Jahren für etwa ein Drittel des Anstiegs psychischer Belastung und der Inanspruchnahme von Hilfsangeboten mitverantwortlich war – wenngleich eine Befragung von 7.704 Beschäftigten einer Gesundheitsorganisation zeigte, dass vollständig remote Arbeitende teils von mehr Schlaf und weniger Burnout profitieren.

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Chronische Einsamkeit hinterlässt messbare Spuren im Körper, darunter erhöhte Cortisolwerte und entzündliche Prozesse. Der Chef des US-Gesundheitsdienstes, Vivek Murthy, bezeichnete soziale Isolation bereits 2023 als gravierende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit und verglich die Schädlichkeit fehlender Verbundenheit mit dem Konsum von bis zu 15 Zigaretten täglich.

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