Beyond, Barriers

Beyond the Barriers: OST St. Gallen entwickelt Screening für Hausarztpraxen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Forschungsteam konzipiert ein anonymes digitales Instrument, das Männern den Zugang zu psychischer Unterstützung in Hausarztpraxen erleichtern soll.
Ein ruhiges, minimalistisch eingerichtetes Sprechzimmer in einer Hausarztpraxis mit Tageslicht und einem leeren Stuhl. Illustration mit AI erstellt.

Die Hemmschwelle, bei psychischen Problemen professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ist bei Männern oft hoch. Um diesen Zugang in der Grundversorgung zu erleichtern, arbeitet ein Forschungsteam der OST St. Gallen an einer gendersensiblen Lösung für Hausarztpraxen.

Im Rahmen des Projekts «Beyond the Barriers» unter der Leitung von Dr. Shauna Rohner entsteht ein digitales Screening-Tool, das psychische Belastungen bei Männern frühzeitig sichtbar machen und das Gespräch mit Medizinern anstoßen soll. Gefördert wird das Vorhaben vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 83 «Gender Medicine and Health».

Einfluss traditioneller Männlichkeitsnormen auf das Hilfeverhalten

Hintergrund der Initiative sind Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Inanspruchnahme medizinischer und therapeutischer Hilfe. Als Datengrundlage dient eine Onlinebefragung von 525 Erwachsenen aus der Deutschschweiz, darunter 246 Männer und 279 Frauen. Ergänzt wurde die Erhebung durch qualitative Interviews mit zwölf Männern.

Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen eine anhaltende Zurückhaltung: Männer gaben im Vergleich zu Frauen häufiger an, noch nie professionelle Unterstützung bei psychischen Problemen gesucht zu haben. Ob Hilfe in Anspruch genommen wird, hängt den Erhebungen zufolge vor allem vom allgemeinen psychischen Wohlbefinden sowie von traditionellen Männlichkeitsnormen ab.

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Rollenbilder, die emotionale Zurückhaltung oder Selbstgenügsamkeit betonen, können dazu führen, dass Belastungssymptome verdrängt oder bagatellisiert werden, anstatt sie frühzeitig in einem medizinischen Rahmen anzusprechen.

Niedrigschwelliger Einsatz in der Hausarztpraxis

Das im Projekt entwickelte Instrument setzt direkt an der Schnittstelle zur hausärztlichen Versorgung an, da Hausarztpraxen für viele Patienten die erste und zentrale Anlaufstelle im Gesundheitssystem bilden. Das digitale Werkzeug soll darauf ausgelegt sein, Hürden bei der Schilderung psychischer Symptome abzubauen.

Zu den zentralen Merkmalen des Konzepts gehört ein kompakter und leicht verständlicher Aufbau. Zudem ist eine anonyme Nutzung vorgesehen, um Vorbehalte von Beginn an zu minimieren. Neben der strukturierten Erfassung von Belastungen soll die Anwendung auch konkrete Hilfsangebote aufzeigen und als Brücke für das anschließende Gespräch zwischen Patient und Arzt dienen.

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Geplante Testphase mit Ärzten und Betroffenen

Nach der Konzeption steht die praktische Erprobung des Screenings im Fokus. Geplant ist eine umfassende Testung des Instruments gemeinsam mit Männern und Hausärzten. Auf diese Weise soll überprüft werden, wie sich das digitale Format in den Praxisalltag integrieren lässt und ob es die Kommunikation über psychische Gesundheit nachhaltig verbessert.

Das Projekt zielt darauf ab, durch eine gendersensible Diagnostik Versorgungslücken zu schließen und Belastungen zu adressieren, bevor sich daraus schwere Erkrankungen entwickeln.

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