Bewegungsmangel, Teenager

Bewegungsmangel: Nur 14% der Teenager erreichen tägliches Minimum

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Weniger Bewegung begünstigt Typ-2-Diabetes und Fettleber bei Jüngeren. Studien zeigen zudem Unterschiede bei Ernährung, Therapie und Prävention.

Adipositas bei jungen Menschen: Diabetes- und Leberrisiken nehmen zu
Ein leerer, sonnendurchfluteter Parkweg umgeben von Grünflächen als Symbol für körperliche Aktivität und Gesundheitsvorsorge. Illustration mit AI erstellt.

Gesundheitsexperten warnen vor einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung durch Adipositas sowie vor der zunehmenden Verbreitung von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen.

Was früher als typische Erkrankung des höheren Lebensalters galt, betrifft zunehmend jüngere Altersgruppen. Begleitend treten bereits in frühen Entwicklungsphasen schwerwiegende Stoffwechselstörungen auf, die langfristig vitale Organe wie Leber, Herz und Nieren schädigen können.

Steigende Diabetesrisiken und Bewegungsmangel bei jungen Menschen

Die chronische Stoffwechselbelastung zeigt sich deutlich in epidemiologischen Erhebungen. Eine Analyse des Deutschen Diabetes-Zentrums von 63 Millionen gesetzlich Versicherten für den Zeitraum 2014 bis 2019 dokumentierte jährlich rund 450.000 Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen.

Während die in der Gesamtbevölkerung bei Frauen um 2,4 Prozent und bei Männern um 1,7 Prozent pro Jahr sank, stieg sie bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 39 Jahren signifikant an: bei Männern um 2,4 Prozent und bei Frauen um 2,9 Prozent jährlich.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der Bewegungsmangel im Jugendalter. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), auf die sich die Deutsche Sportjugend anlässlich des Weltkindertags bezog, erreichen lediglich 32 Prozent der 6- bis 17-Jährigen mindestens 60 Minuten Bewegung täglich.

In der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen sind es sogar nur knapp 14 Prozent. Zugleich weist die JIM-Studie eine tägliche Smartphone-Nutzung von fast vier Stunden aus. Obwohl jedes zweite Kind und jeder zweite Jugendliche in Deutschland Mitglied in einem Sportverein ist, forderte die Deutsche Sportjugend zur gezielten Förderung einen Sportjugend-Euro pro U27-Mitglied.

Lebererkrankungen als frühzeitige Folge von Fettleibigkeit

Die metabolischen Folgen des Übergewichts betreffen vermehrt auch das Lebergewebe. Nach Angaben der Deutschen Leberstiftung entwickelt mehr als jedes dritte Kind mit Adipositas eine metabolisch bedingte steatotische Lebererkrankung (MASLD).

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Ulrich Baumann von der Medizinischen Hochschule Hannover stufte MASLD als die häufigste Lebererkrankung bei Kindern und Jugendlichen ein. Diese könne zu einer entzündlichen Fettleberhepatitis (MASH) sowie zu Leberzirrhose fortschreiten. Durch Früherkennung und eine Anpassung des Lebensstils lasse sich eine Fettleber jedoch häufig wieder zurückbilden.

Dass Zirrhosefälle nicht mehr ausschließlich ältere Generationen betreffen, untermauert eine Veröffentlichung in Clinical Gastroenterology and Hepatology. Bei rund 2.400 Erwachsenen mit biopsiebestätigter MASLD trat etwa ein Viertel der Zirrhosefälle bereits vor dem 50. Lebensjahr auf, wobei Typ-2-Diabetes und genetische Veranlagung als wesentliche Risikofaktoren identifiziert wurden.

Fast ein Drittel der früh von Zirrhose Betroffenen erreichte nach den gängigen Fibrose-Scores keinen Schwellenwert für weiterführende Untersuchungen, was die Diagnose erschwert.

Therapeutische Strategien und ernährungsmedizinische Ansätze

In der Behandlung existieren unterschiedliche Ansätze. Eine in Cell Metabolism veröffentlichte US-Studie mit 42 adipösen Erwachsenen verglich diätetische Effekte: Der Leberfettgehalt sank bei einer ketogenen Ernährung um durchschnittlich 67 Prozent, während er sich bei mediterraner oder fettarmer Diät um 45 Prozent verringerte.

Nach einem Gewichtsverlust von 10 Prozent war bei 50 Prozent der Probanden der Keto-Gruppe kein Prädiabetes mehr nachweisbar, verglichen mit 29 Prozent in der mediterranen und 7 Prozent in der fettarmen Gruppe.

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Grundlagenforscher der Universität Konstanz berichteten im September 2026 zudem in EMBO Molecular Medicine, dass von Darmbakterien gebildete Vaccensäure den Transkriptionsfaktor LRH-1/NR5A2 aktiviert. Bei Mäusen reduzierte die Gabe von Vaccensäure Blutzucker sowie Blutfette deutlich und führte zur Rückbildung bestehender Fettleberbefunde.

Auf gesundheitspolitischer Ebene reagieren einzelne Staaten unterschiedlich. Frankreich beschloss im Jahr 2026 als erstes EU-Land die Erstattung von Abnehmmitteln über das nationale Gesundheitssystem, da Schätzungen zufolge mehr als 50 Prozent der Erwachsenen im Land übergewichtig sind.

Zugleich zeigt eine US-Studie an 1.398 Erwachsenen, dass die Bereitschaft zu Lebensstiländerungen nach Diagnosen wie Hypertonie deutlich sinkt, während die Akzeptanz von Medikamenten höher ausfällt. Laut Angaben im Deutschen Ärzteblatt senken bereits eine Gewichtsreduktion von 5 Prozent sowie eine verminderte Salzaufnahme den systolischen Blutdruck um jeweils 6 bis 8 mmHg.

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