Bewegungsmangel, Wochenempfehlung

Bewegungsmangel ab 65: Nur 29,6 Prozent erreichen die Wochenempfehlung

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Auswertung von 157 Übersichtsarbeiten verbindet Bewegung mit weniger Schmerzen; Wiener Daten zeigen zugleich ungenutztes Präventionspotenzial.

Bewegung gegen Schmerzen: Studien zeigen Vorteile leichter Aktivität
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Waldweg in einem Park bei Sonnenuntergang als Symbol für Bewegung und Entspannung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen das Potenzial körperlicher Aktivität als therapeutisches Mittel bei akuten und chronischen Schmerzen sowie zur allgemeinen Prävention.

Eine umfassende Auswertung der Universität Adelaide, die laut einem Bericht vom 26.09.2026 insgesamt 157 systematische Übersichtsarbeiten und über 2.700 randomisierte kontrollierte Studien mit mehr als 220.000 Teilnehmenden berücksichtigte, belegt eine deutliche Schmerzreduktion durch Bewegung.

Geringe Intensität erzielt höhere Wirksamkeit

Den Ergebnissen der Universität Adelaide zufolge sank das Schmerzempfinden der Probanden im Durchschnitt um 1,1 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10. Damit erwies sich körperliche Aktivität in den untersuchten Fällen als rund 60 Prozent wirksamer als die durchschnittliche Linderung durch gängige Medikamente bei chronischen Beschwerden.

Auffallend war dabei die Effektivität moderater Ansätze: Programme mit niedriger Intensität zeigten bessere Resultate als Belastungen mit moderater oder hoher Intensität.

Zudem erwiesen sich kürzere Programme über einen Zeitraum von etwa 12 Wochen als effektiver als längerfristig angelegte Maßnahmen. Auch der zeitliche Umfang pro Woche spielte eine Rolle. Laut der Studie waren Einheiten von insgesamt weniger als 120 Minuten pro Woche wirksamer als ein höheres Pensum.

Die leitende Forscherin Carol Maher und Studienleiter Ben Singh führen diesen Effekt auf physiologische Prozesse zurück: Bewegung fördere die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin, dämpfe Entzündungen und verändere die Schmerzverarbeitung im Gehirn. Trotz dieser Belege bleibe Bewegung als Schmerztherapie bislang untergenutzt und werde selten präzise verordnet.

Präventionspotenzial bei älteren Erwachsenen

Ergänzend zu den Erkenntnissen über die Schmerztherapie verdeutlichen Daten der MedUni Wien das ungenutzte Präventionspotenzial bei älteren Menschen. In einer Analyse von fast 4.000 Teilnehmenden der österreichischen Gesundheitsbefragung (ATHIS), über die am 26.09.2026 berichtet wurde, erfüllten lediglich 29,6 Prozent der Personen über 65 Jahre die Empfehlung von mindestens 150 Minuten aerober Aktivität pro Woche.

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Modellrechnungen der Autoren um Cristina Fastl zeigen die hypothetischen Auswirkungen einer höheren Aktivitätsrate auf: Bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle und über 40 Prozent der Herzinfarkte hätten demnach verhindert werden können, wenn alle Teilnehmenden die Bewegungsempfehlungen umgesetzt hätten. Für diese Altersgruppe wird zudem empfohlen, dreimal wöchentlich Gleichgewichtsübungen durchzuführen.

Differenzierung zwischen Erschöpfung und Müdigkeit

Neben der physischen Schmerzkomponente spielt Bewegung auch bei psychischen Belastungszuständen eine Rolle. Die Physiotherapeutin Julia Wohlfarth differenziert laut einem Bericht vom 27.09.2026 zwischen Erschöpfung und gewöhnlicher Müdigkeit.

Erschöpfung sei ein individuell erlebtes Symptom, das sich nicht durch Schlaf allein beheben lasse. Sie empfiehlt kurze, einminütige Strategien im Alltag, um Momente der Entlastung zu schaffen, weist jedoch darauf hin, dass starke Erschöpfung nach kleinsten Belastungen ärztlich abgeklärt werden muss.

Spezifische Bewegungsformen und technologische Einflüsse

Unterschiedliche Disziplinen bieten spezifische Vorteile für die Gesundheit. Das Indoor-Rudern wird von Experten wie Dr. Michèl Gleich als besonders effektiv eingestuft, da es rund 85 Prozent der Muskulatur beansprucht und funktionelle Ketten trainiert, ohne die Gelenke durch Stoßbelastungen zu strapazieren.

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In der Sportwissenschaft werden zudem psychologische Faktoren untersucht. Eine Studie der University of Waikato (Neuseeland) befasste sich mit dem Placebo-Effekt bei Laufschuhen.

Bei einem Test mit 24 Läuferinnen, über den im September 2026 berichtet wurde, zeigte sich, dass die Erwartungshaltung gegenüber einem sogenannten „Superschuh“ zwar den subjektiv empfundenen Komfort und die Leistungseinschätzung steigerte, der tatsächliche Sauerstoffverbrauch sich jedoch statistisch nicht signifikant unterschied.

Abschließend unterstreichen Forschungsergebnisse zum „Shinrin-Yoku“ (Waldbaden) aus Japan die Bedeutung der Umgebung. Waldaufenthalte von zwei bis drei Stunden können demnach den Cortisolspiegel und Blutdruck messbar senken, während die Aktivität natürlicher Killerzellen durch Terpene und Phytonzide der Bäume gefördert wird.

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