Betrugswelle, Deutschen

Betrugswelle: 66% der Deutschen im Visier, 130 Versuche pro Jahr

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 06:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden warnen vor vielfältigen Betrugsmaschen: Von WhatsApp-Phishing über gefälschte QR-Codes bis zu Schockanrufen. 66 Prozent der Deutschen sind betroffen.

Betrugswelle in Deutschland: Neue Maschen bei WhatsApp, QR-Codes und Anrufen
Ein Smartphone liegt auf einem Holztisch, während im Hintergrund eine unscharfe Benachrichtigung auf dem Display zu sehen ist. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Polizeidirektion Görlitz hat eine dringende Warnung vor einer neuen Welle von Betrugsversuchen herausgegeben. In den vergangenen Tagen wurden vermehrt Fälle gemeldet, bei denen Kriminelle unterschiedliche technische und psychologische Taktiken anwenden, um an sensible Daten oder finanzielle Mittel von Bürgern zu gelangen. Besonders im Fokus stehen dabei Manipulationen über den Messenger-Dienst WhatsApp sowie gefälschte offizielle Schreiben.

Gefahren durch manipulierte Abstimmungen bei WhatsApp

Ein aktuelles Warnsignal kommt zudem vom serbischen Computer-Notfallteam (CERT). Demnach verbreitet sich eine Phishing-Masche, bei der Nutzer Nachrichten von scheinbar bekannten Kontakten erhalten.

In diesen werden sie dazu aufgefordert, an einem „Online-Voting“ teilzunehmen und dafür einen bereitgestellten Link anzuklicken. Dieser führt jedoch nicht zu einer Abstimmung, sondern dient einem sogenannten GhostPairing-Angriff.

Ziel der Angreifer ist es, die Kontrolle über das WhatsApp-Konto zu erlangen. Experten raten dazu, in den App-Einstellungen regelmäßig die Liste der verknüpften Geräte zu überprüfen.

Der Mutterkonzern Meta reagiert auf die steigende Zahl dieser Angriffe. Derzeit befindet sich ein KI-basiertes Warnsystem namens „Scam Alert“ in der Beta-Phase. Ein lokales Modell für maschinelles Lernen soll Nachrichten von unbekannten Absendern direkt auf dem Gerät analysieren und bei verdächtigen Mustern Warnhinweise einblenden.

Da die Analyse on-device erfolgt, sollen keine Nachrichteninhalte an Meta übertragen werden. Nutzer erhalten durch das System die Möglichkeit, verdächtige Kontakte unmittelbar zu blockieren oder zu melden.

Betrug durch QR-Codes und gefälschte Anwaltsbriefe

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Auch außerhalb von Messenger-Diensten werden die Methoden der Täter variabler. Die Polizei Bielefeld berichtete Mitte August über einen Fall, bei dem eine Frau beim Online-Verkauf von Schuhen über einen gefälschten QR-Code getäuscht werden sollte. Nachdem sie den Code gescannt und ihre Bankdaten auf einer manipulierten Webseite eingegeben hatte, bemerkte sie den Betrugsversuch und ließ ihr Konto sperren.

Gleichzeitig warnt die Verbraucherzentrale Sachsen vor täuschend echt wirkenden Anwaltsschreiben. Darin wird eine Forderung in Höhe von 3533,20 Euro für ein angebliches Gewinnspiel-Abonnement bei dem Anbieter Lottoagents24.com erhoben. Die Webseite des Dienstes wurde erst im Juli 2026 registriert.

Besonders perfide: Die Schreiben enthalten oft die korrekten letzten vier Ziffern der IBAN der Betroffenen, was auf einen vorangegangenen Datendiebstahl hindeutet. Die Täter setzen die Empfänger mit einer zehntägigen Frist und der Androhung einer Klage unter Druck.

Vielfältige Maschen von Schockanrufen bis zu falschen Handwerkern

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Neben digitalen Angriffen verzeichnet die Polizei weiterhin klassische Betrugsformen. In Cremlingen scheiterte ein Unbekannter mit einem Schockanruf, bei dem er sich als Arzt ausgab und für eine lebensnotwendige Behandlung einer angeblich erkrankten Angehörigen Bargeld forderte.

Die Polizei Mittelfranken warnt zudem vor Tätern, die sich als Handwerker oder Mitarbeiter der Stadtwerke ausgeben, um sich Zutritt zu den Wohnungen älterer Menschen zu verschaffen.

Auch im geschäftlichen Umfeld nehmen die Aktivitäten zu. Die Industrie- und Handelskammer (IHK), unter anderem in der Region Heilbronn-Franken, meldete Phishing-Versuche. Hierbei geben sich Anrufer als IHK-Mitarbeiter aus und fordern im Nachgang per E-Mail Kopien von Ausweisdokumenten zur Legitimation an. Die Kammer betonte, dass solche Daten niemals telefonisch oder per Mail abgefragt würden.

Ausmaß der Betrugslage in Deutschland

Die Relevanz dieser Warnungen wird durch die aktuelle Studie „State of Scams Germany 2026“ von Worldline und GASA unterstrichen. Laut der Untersuchung waren 66 Prozent der Deutschen innerhalb der letzten zwölf Monate von Betrugsversuchen betroffen.

Im Durchschnitt sieht sich jede Person etwa 130 Versuchen pro Jahr gegenüber. Nur 45 Prozent der Betroffenen erkennen den Betrug aus eigener Kraft. Der durchschnittliche finanzielle Schaden pro Fall wird mit 2.619 Euro beziffert, wobei 70 Prozent der Opfer zudem eine erhebliche emotionale Belastung angeben.

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