Betrugsmasche: Täter geben sich als Ärzte aus und täuschen Notfälle vor
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 12:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine bundesweite Häufung von Schockanrufen zeigt eine besonders perfide Betrugsmasche: Täter geben sich als Ärzte, Klinikprofessoren oder Krankenhausmitarbeiter aus und behaupten, ein naher Angehöriger des Opfers liege im Krankenhaus und benötige eine dringende, selbst zu zahlende Behandlung.
Fälle aus zahlreichen Regionen Deutschlands und Österreichs verdeutlichen, wie professionell und emotional aufgeladen diese Anrufe inszeniert werden – und wie unterschiedlich die Reaktionen der Betroffenen ausfallen.
Die Masche im Detail
In Erfurt registrierte die Polizei laut einem Bericht vom 9. September 2026 vier Fälle, in denen sich Anrufer als Ärzte eines örtlichen Krankenhauses ausgaben.
Einer 70-Jährigen wurde eine angebliche Krebs-OP der Tochter vorgegaukelt, für die 75.000 Euro fällig würden; einer 92-Jährigen wurden teure Medikamente aus der Schweiz in Rechnung gestellt. Alle vier angesprochenen Senioren im Alter zwischen 70 und 92 Jahren beendeten die Gespräche, sodass kein Schaden entstand.
Weniger glimpflich verlief es im Landkreis Böblingen: Ein 89-Jähriger übergab Goldmünzen im fünfstelligen Wert an eine unbekannte Abholerin, nachdem ihm am Telefon vorgegaukelt worden war, seine Tochter liege im Krankenhaus und benötige eine selbst zu zahlende Operation.
Besonders perfide: Die Tochter lag tatsächlich im Krankenhaus – ein Umstand, den die Täter offenbar recherchiert und für ihre Geschichte genutzt hatten. Der Betrug fiel erst später auf, Anzeige wurde erstattet.
In Langenargen gab sich ein Anrufer als Klinikprofessor aus und behauptete, die Tochter eines 86-Jährigen liege im Sterben und benötige ein teures Medikament. Der Senior übergab daraufhin nahezu 70.000 Euro Bargeld an einen etwa 35-jährigen Boten, rund 1,80 Meter groß, mit dunkler Schiebermütze. Die Kriminalpolizei sucht weiterhin Zeugen.
Weitere Fälle mit ähnlichem Muster
In Hildesheim-Bockfeld erlitt ein älteres Ehepaar einen Schaden in fünfstelliger Höhe, nachdem eine Anruferin sich als Krankenhausmitarbeiterin und ein angeblicher Arzt sich als Mediziner ausgegeben hatten, der Medizin für die vermeintlich lebensbedrohlich erkrankte Tochter forderte. Der Abholer wurde als etwa 35 Jahre alt und 170 Zentimeter groß mit dunkler Kurzhaarfrisur beschrieben.
Auch in Mölln nutzten Täter die Krankenhaus-Legende: Eine Anruferin gab sich als Krankenhausmitarbeiterin aus und behauptete, die Tochter der 89-jährigen Seniorin habe einen Unfall verursacht und müsse für eine verletzte Person aufkommen. Die Frau übergab Bargeld im niedrigen fünfstelligen Bereich an einen unbekannten Mann an ihrer Haustür.
Im nördlichen Landkreis Regensburg blieben zwei Anrufe ohne Schaden: Eine über 90-Jährige aus Wenzenbach sollte einen sechsstelligen Betrag für eine Operation zahlen, ein 86-Jähriger aus Lappersdorf einen fünfstelligen Betrag für eine angebliche Krebstherapie. Beide erkannten den Betrugsversuch rechtzeitig.
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In Fulda übergab eine 76-Jährige nach einem Anruf, der einen angeblichen Unfall der Tochter und eine Kaution vorspiegelte, einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag sowie Schmuck an einen etwa 50-jährigen Abholer mit südeuropäischem Erscheinungsbild.
In Mohlsdorf-Teichwolframsdorf gab sich ein Anrufer als Polizeibeamter aus und behauptete, der Ehemann der Tochter habe bereits 5.000 Euro Kaution hinterlegt, weitere Zahlungen seien nötig – die 82-jährige Angerufene beendete jedoch das Gespräch.
Auch international ist die Masche verbreitet: Im Bezirk Schärding in Österreich übergab ein 87-Jähriger Bargeld und Gold im Wert von knapp 30.000 Euro an Täter, die sich als Kriminalbeamte ausgaben. Das Landeskriminalamt Oberösterreich erklärte, die Anrufer befänden sich meist im Ausland, während die Abholer teils aus Österreich selbst kämen.
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Warnsignale und Reaktion der Polizei
Die Fälle zeigen ein wiederkehrendes Muster: Täter setzen auf emotionalen Druck, indem sie eine akute gesundheitliche Notlage eines Angehörigen vortäuschen und sofortige, bar oder in Wertgegenständen zu leistende Zahlungen fordern.
Die Übergabe erfolgt meist an unbekannte Abholer, häufig junge Männer Ende 20 bis Mitte 40. In mehreren Fällen – etwa in Erfurt, Regensburg und Mohlsdorf-Teichwolframsdorf – verhinderten die Angerufenen selbst den Schaden, indem sie das Gespräch beendeten oder die Forderung hinterfragten.
Die zuständigen Polizeidienststellen bitten in mehreren Regionen um Zeugenhinweise, etwa in Langenargen (07541/701-0), Hildesheim (05121/939-115), Karlsruhe (0721 666 5555), Osnabrück (0541/327-2115) und Fulda (0661/105-0). Auch ein Fall aus Aue im Erzgebirgskreis zeigt eine Variante der Masche: Dort gab sich ein Mann als Krankenkassen-Mitarbeiter aus, drang in die Wohnung einer Seniorin ein und entwendete mehrere Tausend Euro.
Angesichts der Häufung solcher Fälle raten Ermittlungsbehörden dazu, bei Anrufen mit angeblichen medizinischen Notfällen von Angehörigen grundsätzlich misstrauisch zu sein, keine Zahlungen oder Wertgegenstände an unbekannte Personen zu übergeben und stattdessen direkt Kontakt zum betroffenen Familienmitglied oder zur echten Polizei aufzunehmen.
