Betrugsbekämpfung, Banken

Betrugsbekämpfung: Banken starten 2.500 Präventionsseminare bis Ende 2026

16.06.2026 - 14:06:54 | boerse-global.de

Globale Finanzinstitute reagieren mit Aufklärung und KI auf Rekordverluste durch digitale Betrugsmaschen.

Banken starten 2.500 Seminare gegen rasanten Online-Betrug
Betrugsbekämpfung - A diverse group of people, including seniors, at a community seminar learning about fraud prevention from a financial expert. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Finanzinstitute weltweit reagieren auf rasant steigende Verluste durch Online-Betrug mit neuen Präventionsprogrammen und schärferen Regeln.

Die Bank of America startet eine massive Aufklärungsoffensive: 2.500 persönliche Präventionsseminare – sogenannte „Scaminars" – will die Großbank bis Ende 2026 durchführen. Allein 1.000 dieser Veranstaltungen sind noch für dieses Jahr geplant. Die Ankündigung fiel bewusst am 15. Juni, dem internationalen Tag gegen Missbrauch älterer Menschen. In Gemeindezentren, Bibliotheken und Schulen klären die Banken über Identitätsdiebstahl, Zahlungsumleitungen und andere digitale Betrugsmaschen auf.

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Branchendaten zeigen: Die Verluste durch Betrug auf sozialen Medien erreichten 2025 rund 2,1 Milliarden Euro – ein Anstieg um das Achtfache seit 2020. Kein Wunder also, dass die Geldhäuser umdenken.

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KI und Milliarden Warnhinweise

Doch die Banken setzen nicht nur auf persönliche Gespräche. Rund 50 KI-gestützte Betrugserkennungsmodelle sind bereits im Einsatz. Hinzu kommen jährlich etwa eine Milliarde Sicherheitshinweise, die an Kunden verschickt werden. Ein eigenes Sicherheitscenter bündelt die Ressourcen für schnelle Hilfe bei Betrugsfällen.

Auch kleinere Institute ziehen nach. Die Pacific Service CU wirbt mit einem Kapitalpolster, das fast doppelt so hoch ist wie von den Aufsichtsbehörden gefordert. Die Rio Bank bietet rund um die Uhr Überwachung für Debitkarten. Und in New Mexico warnte die Century Bank zuletzt vor Paketliefer-Betrug und sogenanntem Vishing – Betrug per Sprachanruf.

Neue Regeln für Datenaustausch

Parallel zu den Banken verschärfen die Behörden die Regeln. Am 12. Juni aktualisierte die US-Finanzaufsicht FinCEN ihre Richtlinien zum Informationsaustausch nach Section 314(b) des USA PATRIOT Act. Künftig dürfen Banken Echtzeitdaten wie IP-Adressen, Gerätekennungen und Verhaltensmuster austauschen. Das ist ein entscheidender Schritt: Rund 71 Prozent aller Betrugsverluste entfallen auf nicht autorisierte Transaktionen.

Die Branche reagiert entsprechend: 68 Prozent der Finanzinstitute haben ihre Ausgaben für Betrugserkennung erhöht. Die neuen Regeln erlauben zudem den Austausch von Überwachungsaufnahmen und Hinweisen auf verdächtige Großüberweisungen an neue Empfänger.

Internationale Welle der Maßnahmen

Auch Europa rüstet auf. In Spanien läuft seit März 2025 ein Anti-Betrugsplan. Bis zum 15. September 2026 soll ein vollständiges SMS-Alias-Register in Kraft sein. Der Hintergrund: Erst am 16. Juni wurde in Alicante ein Vishing-Betrug bekannt, bei dem ein Opfer 30.000 Euro verlor.

In Neuseeland warnt die Polizei von Auckland vor einer perfiden Masche: Betrüger geben sich als Bankmitarbeiter oder Polizisten aus und fordern ältere Menschen auf, ihre Bankkarten zur „Untersuchung" in den Briefkasten zu legen. Die Täter plündern die Konten dann um zehntausende Dollar.

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Großbritannien und Australien mit Rekordverlusten

Besonders hart trifft es Großbritannien. Dort erreichten die Verluste durch Zahlungsbetrug 2025 umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro – verteilt auf 4,1 Millionen Fälle. Das ist ein Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders alarmierend: Authorized Push Payment (APP) -Betrug stieg um 19 Prozent auf rund 670 Millionen Euro. Bei Investment-Betrug legten die Verluste sogar um 40 Prozent auf rund 258 Millionen Euro zu.

In Australien sucht die Commonwealth Bank (CBA) den Schulterschluss mit US-Partnern. Am 16. Juni traf sich die Bank mit einem amerikanischen Bankenverband, um über KI-gestützte Betrugsbekämpfung zu beraten. Die CBA investiert jährlich über eine Milliarde Euro in Schutzmaßnahmen. Ihr „Anti-Scam-Loop" – ein System zum Austausch von Betrugswarnungen – verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Anstieg des Informationsaustauschs um 95 Prozent.

de | wissenschaft | 69552771 |